Immer wieder gab es einfach nur großes Tennis. 1994 zum Beispiel, als sich die Nummer eins (Sampras) und zwei (Stich) der Welt ein wunderbares Match lieferten. Ein Rückblick auf große Namen und Spiele im Rochusclub.

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Erdbeertorte mit Sahne am Center Court: Im Rochusclub wehte stets ein Hauch von Wimbledon.

Erdbeertorte mit Sahne am Center Court: Im Rochusclub wehte stets ein Hauch von Wimbledon.

Christof Wolff

Erdbeertorte mit Sahne am Center Court: Im Rochusclub wehte stets ein Hauch von Wimbledon.

Düsseldorf. Die Hauptgasse im Rochusclub wirkte während des Turniers immer wie die kleine Schwester der Kö. Sehen und gesehen werden, schicke Menschen, die sich ein Gläschen Schampus oder ein Stück Erdbeertorte mit Sahne gönnten. Jede Menge Promis, allen voran der unvermeidliche Roberto Blanco.

Und dazu die nächtlichen Nobelpartys für Spieler und Groupies im „Sam’s“ – das alles entsprach ziemlich dem neureichen Düsseldorf-Klischee. Und doch war der World Team Cup kein aufgeplustertes Schicki-Micki-Event, sondern ein sympathisches Stück Stadtleben.

Hier kamen alle Tennisfans auf ihre Kosten. Immer war Dausers Jupp mit seiner Kanone da, immer gab’s die Bratwurst zum Alt. Und man konnte ganz billig die Bälle kaufen, mit denen die Stars nur ein paar Ballwechsel gespielt hatten, bis der Schiedsrichter „new balls“ verlangte.

Es gab Vip- und Stehplätze, den Tag der offenen Tür und die vielen Hobbyspieler, die große Augen machten, wenn sie einmal aus nächster Nähe beim Training sahen, wie hart ein Boris Becker aufschlug oder ein Pete Sampras seine Vorhand durchzog.

Von Borg und Connors bis Becker und Sampras: Kaum ein Großer fehlte

Es war die familiäre Atmosphäre im Rochusclub, die die Spieler oft lobten – und als Zuschauer empfand man es genauso. Dennoch war der World Team Cup in erster Linie ein sportliches Aushängeschild für die Stadt.

Seit 1978 fand die Tennis-Mannschafts-Weltmeisterschaft (bis 1981 "Nations Cup") 33 Mal im Rochusclub statt.

Die Gesamtbesucherzahl stieg von 36 000 (1978) auf 77 800 (1999) an und sank dann auf 66 850 (2009) ab.

Jeweils vier Mal gewannen Deutschland, USA, Spanien und Schweden, drei Mal Australien und Argentinien.

1978 bis 1986 war das Sonnenschutzmittel Ambre Solaire Titelsponsor, 1987 bis 1999 Peugeot, ab 2000 die Arag.

Ein Rückblick auf die großen Namen löst sentimentale Beklemmungen aus: Kaum ein Ass, das nicht ’mal hier aufgeschlagen hat. Björn Borg tat es 1980 und bekam eine Abreibung von Guillermo Vilas; Jimmy Connors und John McEnroe gewannen 1985 den Titel gegen die Tschechoslowaken um Ivan Lendl. Mats Wilander und Stefan Edberg waren da, Andre Agassi, Pat Cash, Goran Ivanisevic, Henri Leconte, Yannick Noah, Manuel Orantes und Sergi Bruguera.

Und natürlich die Deutschen, die trotz der Superstars Boris Becker und Michael Stich (die nie zusammen in Düsseldorf spielten) und später Tommy Haas und Nicolas Kiefer ab und an eine Wild Card benötigten, freilich auch vier Mal gewannen.

In den letzten Jahren verlor Tennis seinen Glamourfaktor

Zu den Namen gehören Geschichten. Vor allem die von John McEnroe, der 1984 Tennis wie vom anderen Stern zelebrierte, aber drei Jahre später im Finale ausrastete, als er gegen Miloslav Mecir den Schläger zerbrach, die Tasche packte, den Platz verließ und sich auch von Horst Klosterkemper nicht beruhigen ließ. Apropos Mecir: Der war im Finale 85 gegen Connors nervlich dermaßen am Ende, dass er irgendwann von unten aufschlug.

Immer wieder gab es aber einfach nur großes Tennis. 1994 zum Beispiel, als sich die Nummer eins (Sampras) und zwei (Stich) der Welt ein wunderbares Match lieferten, das Stich nach großem Rückstand noch gewann.

Solche Momente wurden in den letzten Jahren seltener. Tennis verlor seinen Glamourfaktor und die wenigen Topstars wie Roger Federer oder Rafael Nadal waren nicht an den Rolander Weg zu lotsen. So büßte der WTC Stück für Stück an Reiz ein – erst beim regionalen Jet Set, dann bei der Wirtschaft und schließlich beim ganz normalen Tennis-Fan.

Schade ist das allemal, denn das Turnier auf der schönsten Tennisanlage der Republik war neben allem anderen ein schönes Beispiel Düsseldorfer Lebensart.

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