OSD-Chef Holger Körber behält auch im dichten Getümmel einen kühlen Kopf.

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Umfüllen: OSD-Leiter Holger Körber erwischt an der Schneider-Wibbel-Gasse eine Gruppe mit Wodka-Glasflaschen.

Umfüllen: OSD-Leiter Holger Körber erwischt an der Schneider-Wibbel-Gasse eine Gruppe mit Wodka-Glasflaschen.

Das Ordnungsamt machte derweil Jagd auf Wildpinkler - und wurde fündig.

Links: An der Mühlenstraße geraten zwei junge Männer unter Alkohleinfluss aneinander. Doch Polizisten unterbinden den Streit, bevor die Fäuste fliegen. Rechts: Ein Mann wird vom OSD-Chef „auf frischer Tat“ ertappt.

Judith Michaelis, Bild 1 von 3

Umfüllen: OSD-Leiter Holger Körber erwischt an der Schneider-Wibbel-Gasse eine Gruppe mit Wodka-Glasflaschen.

Düsseldorf. Es ist 13.30 Uhr, als OSD-Leiter Holger Körber seinen Streifzug durch die Altstadt beginnt. Kaum jemand der Altstadtbesucher ist an den 16 Glaskontrollstellen durch aggressives Verhalten oder Provokationen aufgefallen, es hat aufgehört zu regnen, die Stimmung ist gut.

Über die Bolkerstraße bahnt sich der Mitarbeiter des Ordnungsamts in blauer Uniform und gelber Warnweste seinen Weg vornehmlich durch Horden von trinkenden jungen Menschen. An der Ecke zur Schneider-Wibbel-Gasse blickt der 48-Jährige kurz nach links und nimmt ein weibliches Teufelchen ins Visier. Die junge Düsseldorferin und ihre Freunde haben gleich zwei Wodka-Glasflaschen dabei. „Wir sind überhaupt nicht kontrolliert worden“, sagt sie entschuldigend. Niemand ist aggressiv, als Körber sie bittet, den hochprozentigen Inhalt in Becher umzufüllen. Der OSD-Leiter ist zufrieden. Das passe zum Motto der rheinischen Fröhlichkeit: „Jux und Spaß und Dollerei, aber bitte scherbenfrei“.

Die Stimmung wird ausgelassener und droht an der Mühlenstraße zu kippen. Direkt vor einem größeren Aufgebot an Bereitschaftspolizisten geraten zwei junge Männer um eine weibliche Begleitung in Streit. Bevor die Fäuste fliegen, kommen die Beamten „angeflogen“, schnappen sich die beiden und drücken einen von ihnen gegen eine Hauswand. Schnell ist die Rangordnung klar und die Situation entschärft. Davon bekommt ein 28-jähriger wenige Meter weiter gar nichts mit. In einem Hauseingang uriniert er gegen die Tür. „Ich konnte nicht mehr einhalten. Und an den Toilettenwagen war es so voll“, lallt er. „Das ist es jetzt hier auch“, entgegnet Körber trocken. 35 Euro Bußgeld muss der „Wildpinkler“ zahlen. Allerdings erst in zwei Wochen nach entsprechendem Bescheid per Post. „Wir wollen den Leuten heute nicht die Kohle aus der Tasche ziehen“, sagt der OSD-Chef schmunzelnd. Nur ein Stück weiter wird der nächste Mann an einer Hauswand erwischt – zehn Meter neben einer Glaskontrolle des OSD.

Sanitäter am Burgplatz haben alle Hände voll zu tun

Am Burgplatz haben derweil die Sanitäter alle Hände voll zu tun. Ein junger Mann mit blutüberströmtem Gesicht wird auf der Trage in einen Rettungswagen gebracht. Er ist offensichtlich betrunken. Das haben Jugendliche einer anderen Gruppe noch vor sich. Ein junger Düsseldorfer hat eine Glasflasche spanisches Bier in der Hand – gekauft in einer Gasse wenige Meter weiter. Körber zuckt sein Handy und instruiert seine Kollegen, dort vorbeizuschauen. Auch für die Wirte in der Altstadt gilt natürlich das Glasverbot.

Angenehmer wird es am Marktplatz. Der OSD-Leiter entdeckt eine Brautjungfer, deren fünf Meter lange Schleppe durch den Dreck schleift. Ganz Charmeur, nimmt Körber den weißen Stoff vom Boden auf und erntet dafür ein breites Lächeln der Frau.

Das Glasverbot in der Altstadt hat sich offenbar herumgesprochen. Zumeist ohne Flaschen tauchten die Narren gestern an den 16 „Schleusen“ auf. „Die Besucher sind besser vorbereitet“, so Ordnungsdezernent Stephan Keller. Dass das Vebot auch für die Mini-Spirituosen wie „Kleiner Feigling“ galt, wissen aber die wenigsten. Immer wieder mussten „Feiglinge“ auf ex geleert oder gleich im 20er-Pack in Becher umgefüllt werden. Trotzdem war der Boden übersät von den kleinen Schnapsfläschchen.

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