Bald könnte Düsseldorf in einer Liga mit Paris und London spielen – mit ein wenig Schützenhilfe von der Stadt.

Düsseldorf. Ist er schon hier? Diese Frage hört Robertino Wild dieser Tage häufig. Er, das ist Alain Ducasse, Kochlegende aus Frankreich, der es fertig gebracht hat, zeitgleich mit drei unterschiedlichen Restaurants jeweils drei Michelin-Sterne zu erkochen. Das "Hier" meint das Lido, jenes gläserne Restaurant an der Hafenbrücke, das vor gut drei Jahren mit großen Erwartungen gestartet ist, aber bei Feinschmeckern eher für lange Gesichter sorgte. Schon hier? Dahinter verbirgt sich in Wirklichkeit eine ganz andere Frage: Wann die Stadt endlich in der gastronomischen Champions-League spielt.

"Schon bald", sagt Robertino Wild, Chef des Projektentwicklers Capricorn, dem das Lido gehört. In Person des verblüffend jungen Küchenchefs Florian Ohlmann (30), der vier Jahre im Ducasse’schen Imperium (1800 Mitarbeiter) gekocht hat und die Philosophie des Meisterkochs, das System Ducasse, in Düsseldorf umsetzt.

Mit Ducasse spielt Düsseldorf in einer Liga mit Paris und London

Zum ersten Mal agiert die Ducasse-Gruppe damit in Deutschland - bisher ist sie in London, Paris, New York oder Tokio aktiv. Aktiv und überaus erfolgreich: 14 Sterne insgesamt stehen dafür. "Wir mussten die Franzosen in vielen Verhandlungen überzeugen, nach Düsseldorf zu kommen. Nachdem sich Ducasse persönlich das Lido angeschaut hat, kam das Okay", sagt Wild. Aus Pariser Perspektive ist die Stadt am Rhein provinziell und, quel Malheur: mit acht Sternen von fünf Köchen gastronomisches Niemandsland. In Internet-Foren wird Ducasse in Düsseldorf seit Wochen diskutiert.

Kompromisslos französische Küche mit regionalen Zutaten soll die deutsch-französische Zusammenarbeit der Stadt bescheren. In der ehemaligen Disko Harpune, in einem städtischen Gebäude, entsteht derzeit auf 300 Quadratmetern eine Vorbereitungsküche. 20 Köche sollen dort und auf der Hafenbrücke arbeiten. Erklärtes Ziel: "Zufriedene Gäste. Erklärte Nebenwirkung: "Wenn’s dafür Sterne gibt, ist uns das Recht."

Mehr als 70 Euro soll ein Fünf-Gang-Menü nicht kosten. Vergleichsweise wenig - bei Ducasse in Paris oder New York zahlen Feinschmecker dafür das Dreifache. Ab April gibt es auch wieder ein Mittagsangebot: Drei Gänge auf einen Schlag serviert: Zwischen 20 und 30 Euro soll das "Plateau" kosten und Gäste ins Lido locken, die mit Gourmetküche bisher wenig am Hut hatten. Neben Mittagsgästen setzt das Team aber klar auf Gourmet-Touristen. Auf sie wirkt allein der Name Ducasse wie ein Magnet.

Eröffnet wurde das Lido als Mischung aus Brasserie, Lounge und Eisdiele im Oktober 2005. Lounge und Eisdiele (mit großer Sommerterrasse) bleiben auch weiterhin bestehen. Die Eisdiele ist historisch bedingt, die Mutter von Robertino Wild betreibt seit den 60er Jahren eine solche.

Mit von der Partie ist Susanne Fischer, die bisher im Hummerstübchen von Zwei-Sterne-Koch Peter Nöthel für den Wein verantwortlich war. Sie eröffnet in der Ex-Harpune einen Weinladen namens "Die Weinkarte". Weiterer Clou: Der "Cheftable". Ein einziger Tisch (aus neuseeländischem Edelholz) für maximal zwölf Personen. Ohlmann bestimmt, was es gibt. Geld sollte bei Gästen besser keine Rolle spielen. Dafür gibt’s Weltklasse-Küche im Gourmet-Hafen, über dem bisher nur der Stern von Holger Berens (Berens am Kai) funkelt.

Die Grünen kritisieren die "städtischen Subventionen"

Den dürfte wohl auch die städtische Wirtschaftsförderung im Auge haben: Gerade mal zehn Euro Pacht je Quadratmeter muss Capricorn für die Ex-Disko zahlen. Marktüblich sind dort dreizehn Euro. Kritik kommt von den Grünen: "Gut ist, dass die Stadt Ducasse holen will, aber nicht mit Hilfe von Subventionen", sagt Fraktionssprecherin Iris Bellstedt.

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