In Essen gibt’s das Projekt „Pick up“ seit Anfang Oktober. Auch in Düsseldorf besteht Interesse.

Projekt
Ein Blick in das Obdachlosenheim an der Ellerstraße, hier wird auch das Straßenmagazin Fifty-Fifty verkauft. .

Ein Blick in das Obdachlosenheim an der Ellerstraße, hier wird auch das Straßenmagazin Fifty-Fifty verkauft. .

Melanie Zanin

Ein Blick in das Obdachlosenheim an der Ellerstraße, hier wird auch das Straßenmagazin Fifty-Fifty verkauft. .

Düsseldorf. Obdachlose Alkoholiker machen die Stadt sauber - für einen Mini-Lohn und drei Flaschen Bier. Gerade erst ist in Essen das umstrittene Projekt „Pick up“ gestartet, da zeigen auch die Düsseldorfer schon Interesse an dem Vorhaben. Der Plan: Suchtkranke, die schon mehrere Therapieversuche hinter sich haben, säubern städtische Plätze und erhalten dafür neben 1,25 Euro Stundenlohn auch Bier. Die Idee stammt aus Amsterdam, wo das „Veegproject“ (Fegeprojekt) schon seit knapp zwei Jahren erfolgreich läuft.

Hubert Ostendorf, Geschäftsführer der Obdachlosenhilfe Fifty-Fifty, ist angetan von dem Sozialprojekt: „Die Diskussion dazu muss unbedingt angestoßen werden. Das Projekt ist richtig und gut und ein Beitrag zum sozialen Frieden“, sagt er und betont: „Wir akzeptieren die Menschen, nicht den Alkohol. Leider ist die Sucht Bestandteil des Lebens auf der Straße.“ Es gehe nicht darum, Alkoholabhängigkeit zu fördern. „Wer latent süchtig ist, kommt für diesen Einsatz ja nicht in Frage, nur austherapierte Alkoholiker.“

Klaudia Zepuntke (SPD) ist stellvertretende Vorsitzende des Sozial- und Gesundheitsausschusses und verspricht: „Bei der Drogenhilfe wird sich viel tun, das Projekt aus Essen kann ein weiterer Baustein sein.“

Niedrigschwellige Angebote für Schwerstabhängige sind wichtig

Niedrigschwellige Angebote, die Schwerstabhängige erreichen und sie wieder an das Gesundheitssystem anschließen, seien wichtig. „Das Thema darf aber nicht so platt als Suff-Projekt rübergebracht werden. Da muss man schon etwas tiefer ins Thema einsteigen.“

Auch die CDU, die in der Vergangenheit Projekte wie Alkoholkonsumräume ablehnte, hat jetzt als Oppositionspartei eine Kehrtwende vollzogen: „Wir waren bislang ja mit einer recht konservativen Grundhaltung ausgerüstet, haben uns im sozialen Bereich oft schwer getan“, gibt Andreas-Paul Stieber zu, Sprecher der CDU im Sozial- und Gesundheitsausschuss, und fügt hinzu: „Wenn wir mit einem solchen Projekt Obdachlose davon überzeugen können, zu einem geordneten Tagesablauf zurückzufinden, dann lohnt es, ein solches Projekt zu starten.“ Man müsse sich jetzt zusammensetzen und auch mit den Projektkoordinatoren in Amsterdam und Essen reden.

Die Idee hinter dem Projekt Pick up, das am 1. Oktober in Essen startete, ist einfach: Alkoholabhängige sollen möglichst nicht mehr auf öffentlichen Plätzen in der Innenstadt rumlungern, sondern stattdessen sinnvoll ihren Tag gestalten und ihm wieder eine Struktur geben. Sie laufen mit Zangen und Müllsäcken durch die Stadt und sammeln Müll ein.

Mehr Informationen zu Drogenhilfe und -räumen unter

www.drogenhilfe.eu

 

Derweil ist die Meinung bei den Betroffenen zu dieser Initiative gespalten. Barbara (32), die seit Anfang des Jahres wieder auf der Straße lebt und zur Zeit im Methadon-Programm ist, stört der Mini-Lohn: „Ein-Euro-Jobs gibt es überall. Die Bezahlung müsste besser sein, so fühlen wir uns nur ausgenutzt“, sagt sie. Der drogenabhängige Christian (32) regt sich sehr über die Gabe von Bier auf: „Mit Alkohol ist man nicht Herr der Lage und kann auch nicht arbeiten, so erreicht man gar nichts.“ Wolfgang (41) ist seit fünf Jahren obdachlos und alkoholabhängig: „Die Idee ist gut, man will uns verstehen und uns mit Bier locken, das könnte mich interessieren!“.

© WhatsBroadcast

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