Es wird über ein halbes Jahr dauern, das Haus an der Aachener Straße instand zu setzen. Viele Mieter wollen aber nicht zurück.

wza_1024x683_526391.jpeg
Der Blick von oben offenbart das Ausmaß der Zerstörung im Brandhaus an der Aachener Straße. Die Flammen haben das Dach komplett zerstört, die Decken müssen gestützt werden.

Der Blick von oben offenbart das Ausmaß der Zerstörung im Brandhaus an der Aachener Straße. Die Flammen haben das Dach komplett zerstört, die Decken müssen gestützt werden.

Feuerwehr Düsseldorf

Der Blick von oben offenbart das Ausmaß der Zerstörung im Brandhaus an der Aachener Straße. Die Flammen haben das Dach komplett zerstört, die Decken müssen gestützt werden.

Düsseldorf. Eric Schlebusch ist schweißgebadet. Ein ums andere Mal läuft der 27-Jährige durch den verkohlten Hausflur, trägt schwarze Plastiktüten mit seinen Kleidern auf die Straße. Immer, wenn er wieder ins Haus geht, den beißenden Rauchgeruch einatmet, fängt er zu zittern an.

Dass Eric Schlebusch den Samstagmorgen überlebt hat, grenzt für den Studenten selbst an ein Wunder. Er wohnt in der vierten Etage des Brandhauses an der Aachener Straße, die Decke seiner Wohnung ist fast komplett eingestürzt. "Die Möbel sind entweder verbrannt oder nass vom Löschwasser", sagt Schlebusch.

Eric Schlebusch ruft seine Mutter vom Dach an, verabschiedet sich

Die Schreie seiner Nachbarn schreckten ihn am frühen Samstagmorgen auf. Instinktiv vermied er es, die Wohnungstür zu öffnen, unter der dichte Rauchschwaden hindurchdrangen. "Ein Feuerwehrmann hat mir gesagt, hätte ich die Tür geöffnet, hätte mich eine riesige Stichflamme umgeworfen", berichtet Schlebusch. Stattdessen kletterte er, der eigentlich Höhenangst hat, durch das Fenster auf einen Dachgiebel.

Dort harrte er aus, während er hinter sich die Flammen kommen sah. "Ich habe meine Mutter angerufen und ihr auf den Anrufbeantworter gesprochen, dass sie immer alles für mich getan hat. Ich wollte nicht abkratzen, ohne mich zu verabschieden."

In dieser Nacht hat Eric Schlebusch nicht mehr nachgedacht, nur funktioniert. Zu seinem Glück. Denn auf dem Dach konnte ihn die Feuerwehr über eine Drehleiter vor dem schnell näherkommenden Feuer retten. Doch als die Bewohner am Montag erstmals in das Haus dürfen, um ihre verbliebene Habe zu holen, weichen bei vielen Schock und Erleichterung tiefer Hilflosigkeit. "Wir haben unser Zuhause verloren, hier können wir nicht mehr wohnen", sagt ein 49-Jähriger. "Das Gefühl, das uns hier überkommt, ist nicht zu ertragen."

Auch Arno Skowronek will nicht mehr in das Brandhaus zurückkehren, selbst wenn es in einem halben Jahr wieder bewohnbar ist. Mit Hund Bonny wohnt er jetzt bei seiner Freundin: "Und bei jeder Sirene schieße ich nachts hoch."

Wie seine Nachbarn sitzt Skowronek Montagvormittag vor dem Haus zwischen Stapeln der wenigen Gegenständen, die er retten konnte. Die Flammen und Wasser nicht zerstört haben. Doris Schwaab, die Inhaberin des Tee- und Geschenkeladens im Erdgeschoss steht am rot-weißen Flatterband, das rund um das Gebäude gespannt ist. Viele Menschen aus dem Viertel bleiben stehen.

Doris Schwaab erzählt von ihrer Ware, die zerstört ist. Von ihrer Angst um die Existenz und die Arbeitsplätze ihrer drei Angestellten. Die Nachbarn nehmen Anteil. "Viele kamen schon am Samstag direkt und haben uns Decken gebracht - unglaublich", sagt Eric Schlebusch. Not schweißt zusammen, selbst in der vermeintlich anonymen Großstadt. Doch für die Opfer des Feuers bleibt das Gefühl, ihre Heimat verloren zu haben.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer