Uni-Professor Thomas Daldrup erklärt, warum Alkohol unterschiedlich wirkt.

Bitte kräftig pusten: Wer nicht oft trinkt, hat schon bei geringem Alkoholgenuss Ausfallerscheinungen – und darf nicht fahren.
Bitte kräftig pusten: Wer nicht oft trinkt, hat schon bei geringem Alkoholgenuss Ausfallerscheinungen – und darf nicht fahren.

Bitte kräftig pusten: Wer nicht oft trinkt, hat schon bei geringem Alkoholgenuss Ausfallerscheinungen – und darf nicht fahren.

Db Christian Jung

Bitte kräftig pusten: Wer nicht oft trinkt, hat schon bei geringem Alkoholgenuss Ausfallerscheinungen – und darf nicht fahren.

Düsseldorf. Es ist eine Meldung, die unfassbar klingt: Am Dienstagmittag hält die Polizei an der Wanheimer Straße einen 45-jährigen Autofahrer wegen seiner auffälligen Fahrweise an. Der Atemalkoholtest ergibt einen Wert von vier Promille. Kann man mit diesem Wert überhaupt noch einen Wagen starten? Die WZ hat nachgefragt.

„Wir kennen Fälle, wo Leute noch mit über drei Promille durchaus unauffällig sind“, sagt Prof. Dr. Thomas Daldrup, Leiter des Alkohollabors in der Uni-Klinik. „Das ist die Gewöhnung.“

Und zwar die Gewöhnung des Gehirns, denn dieses versuche stets, die Wirkung des Alkohols auszugleichen. Bei Süchtigen werde die „Kompensationswirkung des Gehirns trainiert“, erklärt Daldrup.

Das funktioniere ähnlich wie bei starken Medikamenten, etwa Anti-Depressiva: Zu Beginn der Einnahme komme es zu Ausfallerscheinungen, mit der Zeit aber verhalte sich der Körper wieder völlig normal.

„Unser höchster Wert in der Uni lag knapp über sechs Promille“, sagt Daldrup. Der Patient habe zwar auf der Intensivstation gelegen – und hatte selbst nach 24 Stunden noch Alkohol im Blut. Aber er überlebte.

Egal, ob Ausfallerscheinungen bestehen oder nicht: Wer mit 0,5 Promille Auto fährt, begeht eine Ordnungswidrigkeit.

Autofahrer werden ab 1,1 Promille zum Straftäter, Radfahrer erst ab 1,6 Promille.

Für einen nicht-gewöhnten Körper unmöglich. Daldrup: „Jugendliche, die zum ersten Mal Komasaufen machen, erreichen selten drei Promille – und liegen dann schon auf der Intensivstation.“ Wird durch den Suff das Atemzentrum im Gehirn gelähmt, besteht Lebensgefahr.

Hochprozentiges oder Bier – für das Gehirn ein Unterschied

Entscheidend ist also immer die Wirkung des Alkohols im Gehirn. Und da spielt es laut Professor Daldrup tatsächlich eine Rolle, ob man gemütlich Bier trinkt oder im Eiltempo Hochprozentiges kippt. „Die starke Anflutung des Alkohols im Gehirn innerhalb kurzer Zeit führt zu Ausfallerscheinungen.“

In dieser Phase der Anflutung könne man selbst mit 0,3 Promille am Steuer schon auffällig fahren und somit zum Straftäter werden. Und: Wie landläufig vermutet, wirkt Alkohol nach einer herzhaften Mahlzeit weniger stark – denn dieser geht langsamer ins Blut und zum Gehirn.

Das Ergebnis der Blutprobe bei dem betrunkenen Fahrer von der Wanheimer Straße lag am Mittwoch noch nicht vor. Es könnte laut Thomas Daldrup aber stark von dem Wert auf dem Atemtest abweichen. Denn auch wer eine Weinbrandbohne esse, habe erst einmal viel Alkohol im Atem: „Da gibt das Gerät schnell zwei bis drei Promille an.“

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