Reformen im Gesundheitssystem führen zu immer neuen Diskussionen, zuletzt bei Hausärzten. Deren Lage ist unterschiedlich.

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Dr. Sigurd Schareina nimmt in seiner Praxis für Allgemeinmedizin Blut bei einem Patienten ab.

Dr. Sigurd Schareina nimmt in seiner Praxis für Allgemeinmedizin Blut bei einem Patienten ab.

Judith Michaelis

Dr. Sigurd Schareina nimmt in seiner Praxis für Allgemeinmedizin Blut bei einem Patienten ab.

Düsseldorf. Wenn die Sprechstunde beendet ist, wird es ruhiger in der Praxis von Hausarzt Dr. Sigurd Schareina in Unterbilk. 25 Patienten hat er an diesem Morgen schon versorgt, einmal musste er zu einem Hausbesuch.

Obwohl die Sprechstunde vorbei ist, klingelt das Telefon, die Sprechstundenhilfe hat eine Frage, ein Patient braucht eine Unterschrift, kann aber kein Deutsch. Schareina hilft auf Englisch weiter.

Kaum ein Politikfeld unterliegt soviel Diskussionen wie das Gesundheitssystem. Ein Dauerthema ist die hausärztliche Versorgung. Seit Jahren beklagt sich der Berufsstand über schlechte Arbeitsbedingungen. Dazu kommen ständig neue Reformen: Letztes Jahr gab es Honorarreformen, in manchen Bundesländern können die Hausärzte zudem seit kurzem Sonderverträge zu besseren Konditionen abschließen. Gesundheitsminister Rösler will diese Verträge allerdings schon wieder streichen.

Düsseldorfer Hausärzte verdienen weniger als der Durchschnitt

Der Beruf des Hausarztes ist ein Fulltime-Job mit viel Verantwortung. Schareina trägt nicht nur das Risiko für die Patienten, sondern zusätzlich für die fünf Angestellten. Er hat einen Beruf, der weit über die 40-Stunden-Woche hinausgeht: "Ich arbeite durchaus 60 bis 65 Stunden pro Woche", sagt der Allgemeinmediziner.

Im Schnitt verdienen die Ärzte aller Fachrichtungen im Rheinland laut der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein durchschnittlich 94.000 Euro brutto. Dieses Einkommen erreicht Schareina nach eigenen Angaben nicht, obwohl er in einer Gemeinschaftspraxis arbeitet und so Unterhaltungskosten spart. 65.000 Euro Bruttoverdienst hatte er im letzten Jahr, in diesem Jahr könnten es dank der Honorarreform 75.000 Euro sein.

Ungefähr 450 Ärzte in Düsseldorf haben eine eigene Praxis, oder arbeiten in Gemeinschaft mit anderen Hausärzten. Rund 60 Prozent der Hausärzte sind Männer, die übrigen Praxen gehören Frauen. Unter den Hausärzten gibt es rund 220 Allgemeinmediziner, 190 hausärztlich tätige Internisten und 50 Kinderärzte.

Telefonisch gibt die Patienten-Hotline der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) unter Ruf 0800 622 44 88 Auskunft über Ärzte in Ihrer Nähe. Im Internet gibt es eine Suchfunktion. Hier können Sie auch die Leistungen der verschiedenen Fach- und Hausärzte vergleichen, Link siehe unten.

Der Allgemeinmediziner ist dennoch mit der Situation nicht unzufrieden: "Momentan geht es uns nach langjähriger Durststrecke finanziell besser." Trotz aller Widrigkeiten liebt er seinen Job: "Manchmal habe ich gesagt, den Beruf mache ich nie wieder, aber es macht Freude, mit den Menschen zu arbeiten."

Viele Kollegen in Düsseldorf sollen allerdings noch weniger verdienen als Schareina. "Die Umsätze der Hausarzpraxen liegen im Schnitt bei 100.000 Euro", schätzt Wolfgang Janssens vom Hausärzteverband Nordrhein. Der Internist sieht mehrere Gründe für den vergleichsweise geringen Umsatz: In Düsseldorf gäbe es kleinere Praxen mit weniger Patienten.

Versorgung etwa in Garath und Flingern könnte sich verschlechtern

Im Vergleich zu den Fachärzten könnten die Hausärzte weniger Geld an Privatpatienten verdienen. Anders sieht das Wilfried Jacobs, Chef der AOK Rheinland-Hamburg: "Generell ist die Situation für den Hausarzt in ländlichen Regionen schwieriger als in der Stadt."

Sollte sich an der Situation der Düsseldorfer Hausärzte nichts ändern, befürchtet Janssens Praxisschließungen. Vor allem in Stadtteilen mit wenigen Privatpatienten wie Flingern oder Garath könnte sich die hausärztliche Versorgung verschlechtern.

Trotz der ganzen Debatte hat Dr. Anna Kurganova im Frühjahr ihre erste Praxis in Garath eröffnet. Noch weiß sie nicht, ob diese sich tragen wird. Denn abgerechnet wird erst am Jahresende. Da sie aus Russland kommt, wird ihre Praxis aber gut angenommen. Viele Landsleute und Spätaussiedler, die im Süden leben, kommen zu ihrer Sprechstunde.

Bei allen Rechenspielen überwiegt ein Gedanke: "Es ist eine schöne Arbeit mit den Patienten, man fühlt sich gut, den Leuten zu helfen." Zu schaffen macht der Medizinerin eher der Verwaltungsaufwand. "Momentan werde ich erschlagen von Richtlinien und Gesetzen, aber der Optimismus überwiegt."

© WhatsBroadcast

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