Wo sich Operateure früher auf ihre Erfahrung verlassen mussten, hilft heute ein neues Verfahren, das im Marien-Hospital entwickelt wurde.

Dr. Jörg Höer (2.v.l.) und sein Team im OP – die Kamera im Vordergrund hilft, Risiken zu vermeiden.
Dr. Jörg Höer (2.v.l.) und sein Team im OP – die Kamera im Vordergrund hilft, Risiken zu vermeiden.

Dr. Jörg Höer (2.v.l.) und sein Team im OP – die Kamera im Vordergrund hilft, Risiken zu vermeiden.

Stefan Arend

Dr. Jörg Höer (2.v.l.) und sein Team im OP – die Kamera im Vordergrund hilft, Risiken zu vermeiden.

Düsseldorf. Im Geiste ist Christian Töns bei jeder Darmoperation im Marien-Hospital anwesend - obwohl der Professor und Chef der Chirurgie im vorigen Herbst an Herzversagen gestorben ist. Bei jedem Eingriff am Dick- oder Enddarm setzen die Operateure ein Verfahren ein, das der Chefarzt entwickelt hat. Ein Verfahren, das seinen Kollegen und vor allem den Patienten hilft. Laser-Fluoreszenz-Angiographie (LFA) heißt es.

Eine gute Durchblutung von Gewebe ist nach einem Eingriff die beste Voraussetzung für Heilung. Das ist bei Eingriffen am Darm nicht anders. Das Problem: Chirurgen müssen wissen, welche Teile des Darms gut durchblutet sind und welche nicht. Beispielsweise dann, wenn bei einer Tumoroperation ein Stück des Darms entfernt werden muss.

Das neue Verfahren liefert den Operateuren objektive Kriterien

Bisher haben Operateure das nach subjektiven Kriterien beurteilt. Viel Erfahrung und ein geübtes Auge waren dazu notwendig. Dennoch blieb ein gewisses Risiko. Mit der Fluoreszenz-Angiographie kann dieses deutlich reduziert werden - die Methode bringt gut durchblutete Areale buchstäblich zum Leuchten. "Das Verfahren ersetzt zwar nicht unseren Blick, aber es liefert objektive Kriterien", sagt Dr. Jörg Höer, kommissarischer Chef der Chirurgie am Marien-Hospital.

Gut durchblutetes Gewebe leuchtet dank Laserlicht und Spezialkamera

So funktioniert das Verfahren: Patienten bekommen kurz bevor es daran geht, den Darm zu vernähen das Kontrastmittel Indozyanin-Grün gespritzt. Innerhalb einer Minute flutet es im Darmgewebe an. Eine handelsübliche Videokamera mit einem Spezialaufsatz macht den Farbstoff sichtbar: Gut durchblutete Areale leuchten hell unter dem Laserlicht, Gewebe, das nicht oder nur schlecht durchblutet ist, bleibt dunkel. Eine Software wertet die Bilder zusätzlich aus.

Die Operationszeit verlängert sich durch die Laser-Fluoreszenz-Angiographie nur um wenige Minuten - der Nutzen ist klinisch belegt. Eine Beobachtungsstudie hat gezeigt, dass die LFA in mehr als 90 Prozent der Fälle die Vorgehensweise der Ärzte zum Vorteil der Patienten beeinflusst hat. Ein Risiko bei großen Darmeingriffen, so genannte Naht-Undichtigkeiten, sind Dank der Entwicklung von Professor Töns am Marien-Hospital von neun auf zwei Prozent zurückgegangen. Eingesetzt wird sie dort, als einziger Klinik im Großraum Düsseldorf, bei jedem Darm-Eingriff.

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