Im August spendeten sich zwei Familien über Kreuz eine Niere. Allen geht es gut.

Düsseldorf. "Mir geht es gut. Ich freue mich auf ein ruhiges Weihnachtsfest mit der Familie." Jürgen Lemmer (54) sitzt mit seiner Frau Carmen (54) in der MNR-Klinik der Universität, 1. Etage, Abteilung für Nephrologie.

Alle 14 Tage kommt er aus Gummersbach zur Nachuntersuchung bei Professor Lars Christian Rump. Im August hat er hier eine neue Niere bekommen, seine Frau hat eine gespendet.

Ein Aufsehen erregender Fall war das damals. Denn zu ihm gehören nicht nur die Lemmers, sondern auch Brigitte Schmitz (61) und ihr Sohn Torsten Oldenburg (40) - das Quartett steht für die erste "Crossover-Nierenspende" an der Uni-Klinik.

Eigentlich wollte die Mutter ihrem Sohn und die Ehefrau ihrem Mann eine Niere spenden. Doch daraus wurde nichts - entweder passte die Blutgruppe nicht oder ein Empfänger bildete Antikörper. Da schlug Rump den Überkreuz-Tausch vor. Die beiden Paare lernten sich kennen und verstanden sich gut.

Am 5. August wurde operiert, nach 90 Minuten war alles geschafft: Jürgen Lemmer trägt nun eine Niere von Brigitte Schmitz über seiner Leiste, Torsten Oldenburg eine von Carmen Lemmer.

In Deutschland gibt es rund 70 000 Dialyse-Patienten, etwa 10 000 davon warten auf eine Spender-Niere. Zwischen 15 und 20 Prozent der Wartenden sterben pro Jahr.

An der Uni-Klinik erfolgten seit 1979 etwa 2200 Transplantationen, etwa 320 davon waren Lebendnieren. Vor ein paar Tagen erst bekam ein 60-Jähriger hier die Niere seiner Frau. Das Transplantationszentrum unter Leitung der Professoren Lars Christian Rump und Klaus Grabitz gehört zu den fünf größten in Deutschland.

Vier Monate später ist Professor Rump "sehr zufrieden": "Alles ist sehr gut gelaufen, bei beiden Spendern und beiden Empfängern. Keiner muss mehr an die Dialyse, die Nierenfunktionen sind gut, es gibt keine Komplikationen."

Die Lemmers sind fröhliche, anpackende Leute. Und nicht die Sorte Mensch, die sich besonders grüblerisch mit ihren Nieren auseinandersetzt. Dass hier etwas Lebenserhaltendes geschenkt wurde, ist ihnen - gerade kurz vor Weihnachten - aber sehr bewusst. "In meinem Kopf habe ich abgespeichert: Ich habe meinem Mann eine Niere gespendet", sagt sie. Und er: "Ich tue für mich einfach so, als hätte ich sie von Carmen bekommen."

Das Organ eines an sich fremden Menschen zu übernehmen, ist gewöhnungsbedürftig - nicht nur körperlich. Das heißt jedoch nicht, dass die Lemmers mit der Überkreuz-Spende hadern würden. Sie stehen in regelmäßigem Kontakt mit Brigitte Schmitz und Torsten Oldenburg, noch nur telefonisch, bald will man sich treffen.

"Auch den beiden geht es sehr gut", berichtet Carmen Lemmer, "Herr Oldenburg geht sogar regelmäßig ins Fitness-Studio und trainiert seine Kondition. Meine Niere tummelt sich jetzt also auf dem Trimm-Rad."

Nach der Dialyse kam die Freiheit, spontan zu leben

Im Vergleich zu Weihnachten 2008 empfindet Jürgen Lemmer vor allem seine wiedergewonnene Bewegungsfreiheit als segensreich. Vor der Transplantation musste er erst jahrelang zur normalen Dialyse, drei Mal die Woche viereinhalb Stunden. "Das war eine Tortur. Wenn die Blutwäsche begann, war man vergiftet. Wenn sie endete, war ich geschlaucht. Und sofort ging die Vergiftung wieder los." Etwas komfortabler war dann die allnächtliche Bauchfelldialyse.

Jetzt muss Lemmer "nur" Medikamente nehmen, einen Mix aus solchen, die seine Immunabwehr senken, damit die Niere nicht abgestoßen wird. Und solchen, die ihn vor daraus resultierenden Infektionen schützen. "Jetzt kann ich spontan was unternehmen, muss nicht abends immer zu Hause sein." Reisen will der passionierte Jäger auch wieder, im Mai geht es mit Freunden und Gewehr zur Jagd nach Kroatien.

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