Sänger Max Mutzke riss sein Publikum in der Düsseldorfer Tonhalle von den Sitzen. Und er erzählte auch etliche Anekdoten.

Düsseldorf: Frauen und auch einige männliche Fans johlen und kreischen, stehen spontan auf, sind hin und weg und tanzen mit, wenn ihr Max Mutzke zu den hohen Tönen und in der Kopfstimme zu virtuosen Soul-Schleifen ansetzt. An manchen Stellen singen alle Besucher(innen) – auch auf dem Rang – im Chor „Uhuuuu“ oder einen anderen Refrain, den der Soulsänger aus dem Schwarzwald vorgibt. Sein Konzert mit dem nahezu klassischen Streichquintett „Mikis Takeover!“ wurde zu einer ausgelassenen Party. Die Stimmung in der nicht ausverkauften, aber mit knapp 1300 Besuchern gut besuchten Tonhalle hätte nicht besser sein können.

Das genießen Mutzke – wie üblich lässig in feinem Zwirn und mit Schiebermütze – und das Kammermusik-Ensemble unter dem ersten Geiger Miki Kekenj, der gleich sagt, dass er in Düsseldorf lebt. Applaus. Von Miki stammen auch die meisten klassischen Arrangements mit Anleihen an Piazzollas Tango: Sie sind mehr als nur ein flauschiger Teppich für Mutzkes schnurrigen, manchmal schmusigen Soul-Tenor, der gerne in die höchsten Register abhebt.

 

„Gut, dass es den Vorverkauf gab“, schmunzelt Mutzke. Er hatte leere Reihen befürchtet. Denn das strahlende Sommerwetter wie am Montagabend gilt in der Branche als Kassengift. Eingefleischte Fans kennen seine Hits, wie „Creep“, geraten ins Schwärmen, „wenn er mit hohen Tönen so richtig abhebt“. Eine junge Frau verdreht die Augen vor Begeisterung.

Wenn Mutzke ins Mikrofon schnurrt, kreischen die Frauen

Nicht nur weil Max (Maximilian Nepomuk Mutzke), Jahrgang 1981, ein Entertainer par excellence und Womanizer erster Güte ist. Er hat ein Talent, aus dem Nähkästchen zu plaudern. Über Gott und die Welt und Freunde, die ihn zu einigen Liedern inspiriert hätten. Seine ersten Liebesaffären als badischer Schwarzwald-Pennäler verarbeitete er in „Schwarz und Weiß“. „Ein Song für alle kreischenden Frauen“, meint er. Sobald er schnurrt: „Deine Stimme trifft mich“, schnellen sie, wie auf Kommando, von den Tonhallenstühlen empor und sorgen begeistert für die gewünschte Geräuschkulisse. Ohrenbetäubend, aber aus ganzem Herzen. Ernster wird es bei „Durch einander“ – ein düster beklommenes Lied, das er zwei Musiker-Freunden widmete, die nach einem Burnout für lange Zeit in Depressionen fielen. Hier hält er sich zurück, intoniert sanft, wirkt, nachdenklich. Im Kontrast dazu schwirrt die Geige mit einem virtuosen Wahnsinnsmotiv hoch in die Tonhallen-Kuppel.

Bei „Charlotte“ – den Song über ein ungleiches Freundespaar (sie Designerin, er Förster) habe er in Düsseldorf geschrieben – fungieren die zweite Geigerin (Shinkyung Kim) und die Bratschistin (Erin Kirby) als Hintergrundchor. Immer wieder – auch bei der humorigen „Telefon“-Nummer – brilliert der Mann, der 2004 beim Eurovision Song Contest für Deutschland den achten Platz belegte, als singender Geschichtenerzähler. Fazit: Exzellente Arrangements, die den erstklassigen Soul-Gesang noch veredeln. Und viele Anekdoten eines geerdeten, Stars, der nur mit seiner Stimme abhebt.

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