Seit fünf Jahren halten sie sich an der Spitze – Michelle und Marvin sind dagegen out.

Düsseldorf. Keinen Deut weicht Marie zurück. Das werden in den nächsten Jahren vor allem die Lehrer zu spüren bekommen: Ermahnen sie eine Marie, erschrecken sich fünf. Bereits seit 2004 ist Marie in Düsseldorf der beliebteste weibliche Vorname. 151 Mal wurde er im vergangenen Jahr vergeben. Gleich dahinter rangieren Sophie und Maria.

Die Namensfrage beschäftigt Eltern in der Regel seit dem ersten Schwangerschaftsmonat - und sie geht nicht immer gut aus. Denn wenn am Ende Satan Meyer oder Pepsi Cola Müller im Pass steht, dürfte es mit dem Familiefrieden vorbei sein. Glücklicherweise haben deutsche Gerichte die erwähnten Vornamen-Wünsche ebenso wenig zugelassen wie "Frieden Mit Gott Allein Durch Jesus Christus" und "Borussia". Namen sind eben mehr als nur eine Frage von Geschmack und Vorliebe.

In Düsseldorf musste nach Auskunft von Standesamtschef Klaus Bachtenkirch schon seit mehr als zehn Jahren kein Namensantrag mehr abgelehnt werden. Auch die Rekordzahl von 7052 Neugeborenen im vergangenen Jahr bot keinen Anlass für juristische Streitigkeiten, sondern allerhöchstens für Verwunderung bei Bachtenkirchs Kollegen, wenn Eltern ihr Töchterchen Diteu Britt Meora oder den Sohn Hans Kenzo nannten. Das klingt zwar komisch, ist aber statthaft.

Retro liegt auch bei der Namensgebung im Trend

Ärger gab es zuletzt 1997, als eine Familie zwölf indianische Vornamen durchsetzen wollte und deswegen sogar bis vor das Bundesverfassungsgericht zog. "Ich glaube, der Fall ist immer noch nicht abgeschlossen", sagt Bachtenkirch.

Generell entschieden die Gerichte heute "liberaler". "Zugelassen wurde zum Beispiel Dakota", sagt der Standesamtschef. "Wir hatten den Namen abgelehnt." Ein Indianerstamm heiße so, nicht jedoch ein Mädchen.

Die Gründe, welche Eltern zu einer Namenswahl bewegen, sind vielfältig. "Das kann eine Fernsehsendung wie ,Kevin allein zu Haus’ sein oder die Stadt, in der das Kind gezeugt wurde", sagt Bachtenkirch.

Aktuell liegt Retro im Trend. Hätte vor zehn Jahren niemand auch nur daran gedacht, seinen Nachwuchs Paul oder Jakob zu nennen, sind die Namen heute topaktuell. In der Hitliste des vergangenen Jahres rangiert Paul auf Platz 3. Als sich diese Entwicklung abzeichnete, witzelte Bachtenkirch mit seinen Kollegen, wann denn wohl sein Vorname, Klaus, wieder im Rennen sei. "Er kommt wieder", ist er neuerdings gewiss. "2008 wurde er schon vier Mal vergeben - allerdings mit C."

Bei den Jungs halten sich Maximilian und Alexander seit fünf Jahren auf den Spitzenplätzen. Aus den Top30 verschwunden sind hingegen Marvin und Justin, und auch Chiara und Michelle werden heute sehr viel seltener beantragt als noch vor drei, vier Jahren.

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