Nein, kein Klischee: Düsseldorfer Statistiken und Experten bestätigen, was viele zu wissen glauben.

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Vorn zu eng, hinten massig Luft: Diese Beispielfrau bestätigt im WZ-Test die weiblichen Einpark-Probleme.

Vorn zu eng, hinten massig Luft: Diese Beispielfrau bestätigt im WZ-Test die weiblichen Einpark-Probleme.

Bernd Schaller

Vorn zu eng, hinten massig Luft: Diese Beispielfrau bestätigt im WZ-Test die weiblichen Einpark-Probleme.

Düsseldorf. Frau am Steuer, das wird teuer. Es ist ein uralter Spruch - den jede Frau mit einem Führerschein schon unzählige Male gehört hat. Aber trifft das Vorurteil auf die Düsseldorferinnen zu?

Die Antwort lautet: teilweise. Denn während die Frauen es tatsächlich beim Parken öfter krachen lassen, ist ihr Anteil an den Verkehrsunfällen insgesamt eher gering.

"Die meisten der Unfälle werden durch Männer verursacht - in der Stadt wie auf der Autobahn", erklärt Thorsten Drewes vom Verkehrskommissariat der Düsseldorfer Polizei.

Genauer: In der Stadt sind Männer bei über 70 Prozent der Unfälle Verursacher, auf der Autobahn gar bei rund 80 Prozent. Drewes: "Das liegt aber wohl auch daran, dass noch mehr Männer als Frauen Auto fahren."

Das bestätigen die Zahlen der Kfz-Zulassungsstelle: In Düsseldorf sind 165 065 Fahrzeuge - vom Lastwagen bis zum Krad - auf Männer zugelassen. Aber nur 82 975 auf Frauen. Der weibliche Autofahrer ist demnach nicht sehr viel sicherer, sondern einfach seltener.

Uni-Professor: Frauen haben stärkeres Sicherheitsbedürfnis

Unterschiede zwischen den Geschlechtern werden aber deutlich, wenn man sich die Unfallursachen vorknöpft. Zwei Beispiele: Im Durchschnitt der Jahre 2007 bis 2009 verursachten Männer 75,7 Prozent der Geschwindigkeitsunfälle, Frauen 24,3 Prozent.

Die Zusammenstöße beim Ein- und Ausparken hingegen wurden nur zu 66,8 Prozent von Männern und zu 33,2 Prozent von Frauen verursacht. Gemessen daran, dass Frauen insgesamt nur 27,8 Prozent aller Unfälle verursachen, rumst es beim Parken also recht oft.

Zahlen, die Professor Axel Buchner vom Institut für experimentelle Psychologie an der Heine-Uni nicht wundern. "Männer neigen zu riskanten Unternehmungen, fahren eher unangepasst", erklärt er. "Das liegt an der Hormonkonzentration." Das Testosteron mache die Herren rasend.

Die Frauen hingegen setzten auf Sicherheit. "Die meisten Käufer großer Geländewagen sind deshalb zum Beispiel Frauen", sagt Buchner. Allerdings: "Räumlich-kognitive Fähigkeiten sind bei Männern stärker ausgeprägt." Und deshalb ist das Parken für zahlreiche Frauen ein Brief mit unendlich vielen Siegeln.

Professor Buchner verweist auf eine aktuelle Studie der Ruhr-Uni in Bochum: Die Forscher ließen 30 Frauen und 35 Männer im Einpark-Test gegeneinander antreten. Das Ergebnis: Die Frauen brauchten im Schnitt länger und standen am Ende schlechter.

In den Statistiken steckt aber auch noch eine gute Nachricht für die Frauenwelt: 2007 lebten 25 000 Frauen mehr in Düsseldorf als Männer, aber auf ihren Seiten gab es 350 Verunglückte weniger (1430 gegenüber 1772 bei den Männern). Frauen kommen im Verkehr demnach öfter unbeschadet an ihr Ziel. Dass sie dort dann bescheiden einparken, wird so gesehen doch zur Nebensache.

© WhatsBroadcast

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