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Nadine K. (v.l.) und Angela B. sind Mitglieder der "Selbsthilfegruppe Macho-Manne".

Nadine K. (v.l.) und Angela B. sind Mitglieder der "Selbsthilfegruppe Macho-Manne".

Vor Gericht: "Macho-Manne".

Bernd Nanninga, Bild 1 von 2

Nadine K. (v.l.) und Angela B. sind Mitglieder der "Selbsthilfegruppe Macho-Manne".

Düsseldorf. Der Saal 3 des Landgerichts ist bis auf den letzten Platz gefüllt - neben etlichen Pressevertretern und einer Schulklasse drängeln sich auch die weiblichen Mitglieder der "Selbsthilfegruppe Macho-Manne" in den engen Raum. Alle warten auf den vielfach wegen Betrugs vorbestraften Manfred H. (45), der auch "Macho-Manne" genannt wird.

Ein ersten Prozesstermin im Oktober war geplatzt, weil unbekannt war, dass er in einem Wuppertaler Gefängnis sitzt. Doch an diesem Mittwoch liefert ihn der Gefangenentransport aus Wuppertal pünklich in Düsseldorf ab. Hier muss sich der  kleingewachsene Mann, der einst ein Frauenheld war, wieder einmal wegen Betrugs verantworten.

Reihenweise soll der KFZ-Meister vom Bodensee in ganz Deutschland Frauen schöne Augen gemacht und sie dann um Geld gebracht haben. Außerdem soll er im Namen aber hinter den Rücken seiner jeweiligen Freundinnnen teure Ware im Internet bestellt haben, die er danach verkaufte.

In Wupperal wurde er bereits zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt, weil er die Kölner Hausfrau Angela B. um 20.000 Euro betrogen hat. Diese beobachtet nun, wie ihre Leidensgenossin aus Düsseldorf gegen "Macho-Manne" aussagt.

Der 44-Verkäuferin fällt es sichtlich schwer, über den Mann zu sprechen, mit dem sie gut zwei Jahre lang liiert war. "Er hat mir 2006 sogar einen Heiratsantrag gemacht - auf einem Parkplatz überreichte er mir eine rote Rose. Ich habe nach einer Bedenkzeit aber abgelehnt", sagt die Frau und schaut dabei den Angeklagten an.

Der so genannte Heiratsschwindel ist kein eigener Straftatbestand. Das Strafgesetzbuch (StGB) wertet das Vorspiegeln falscher Tatsachen, um sich auf Kosten eines anderen einen Vermögensvorteil zu verschaffen, als Betrug (§263 StGB). In schweren Fällen kann Betrug mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden.

Der stützt sich schwer auf den Tisch der Anklagebank, hat die Hände verschränkt, seine Augen liegen tief in den Höhlen. Wenn er spricht, flüstert er es seinem Anwalt zu, der dies so möchte. 

2350 Euro und drei Laptops

Im Prozess geht es vor allem um 2350 Euro, die "Macho-Manne" heimlich vom Konto seiner damaligen Freundin abgehoben haben soll, sowie um drei Laptops, die er auf ihre Rechnung bestellt haben soll. Die Verkäuferin sagte, sie habe dadurch fast ihr Haus verloren. Denn das von ihrem Konto abgebuchte Geld war für die Rate gedacht.

Dem lässt der Angeklagte widersprechen. In Wirklichkeit  sei er der Betrogene: Die Frau habe mit einer Vollmacht rund 2000 Euro von seinem Konto abgehoben - Geld, das er im Gefängnis durch Arbeiten verdient habe. Um diese Behauptung zu beweisen sollen noch weitere Kontoakten beigezogen werden. Der Prozess wird am 3. Feburar fortgesetzt.

Mit Selbsthilfegruppe Opfern zu ihrem Recht verhelfen

Doch Angela B. ist schon jetzt mit dem Ergebnis zufrieden. Das Wuppertaler Gericht hatte "Macho-Manne" verurteilt, ihr die 20.000 Euro zurückzuzahlen, die er bei ihr ergaunert hatte. Vor diesem Hintergrund sagt sie: "Es ist ja interessant, dass er als Häftling Geld verdient. Ich werde meinen Anwalt mal darauf ansprechen."

Inzwischen treibt sie mit Nadine K. die Umwandlung der Selbsthilfegruppe in einen eingetragenen Verein voran. Die Frauen versprechen sich davon, weiteren "Macho-Manne"-Opfern zu ihrem Recht zu verhelfen. Zu 30 Frauen haben sie bereits Kontakt aufgenommen. Natürlich werden sie auch im Februar wieder im Gericht sein, wenn der Gefangenentransport Manfred H. aus Wuppertal anliefert.

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