Ihr erstes Engagement hatte sie am Schauspielhaus, später bekam sie zwei Oscars hintereinander – und ist inzwischen fast vergessen.

Düsseldorf. Die Bedeutung von Luise Rainer beschreibt man am besten mit Namen anderer, die bedeutend sind. Sie kannte Ernest Hemingway, wurde bewundert von Albert Einstein, für Bertolt Brecht unterschrieb sie eine Bürgschaft, damit er in die USA reisen konnte. Aber sie selbst hat doch auch einiges geschafft. Sie ist die erste und einzige Deutsche, die je einen Oscar für eine Hauptrolle bekommen hat. Als erste Frau hat sie ihn sogar zwei Jahre in Folge bekommen. Und: Sie ist Düsseldorferin. Am Dienstag wird die vergessene Diva 100 Jahre alt.

Der Liste berühmter Menschen, denen Luise Rainer im Laufe ihres langen Lebens begegnet ist, wären etliche hinzuzufügen. Nicht zuletzt Louise Dumont und Gustav Lindemann, die der damals 18-Jährigen am Düsseldorfer Schauspielhaus ihr erstes Engagement verschafften. "Die besten Hoffnungen auf die Zukunft Ihrer Tochter" machte Louise Dumont 1929 Rainers Mutter in einem Brief. Sie behielt nur halb Recht.

Bernd Desinger: "Sie war der Prototyp einer sehr modernen Frau"

1935 verließ die Jüdin Luise Rainer Deutschland und startete in Hollywood durch. Für "Der große Ziegfeld" (1936) und "Die gute Erde" (1937) bekam sie ihre Oscars - und verschwand dann schnell in der Versenkung. "Sie hatte den Ruf, zickig zu sein", sagt Bernd Desinger, Direktor des Düsseldorfer Filmmuseums. Ihre Rolle in "La Dolce Vita" schmiss sie hin, als sie erfuhr, dass sie eine Sex-Szene spielen sollte - obwohl Federico Fellini sie bekniet haben soll.

Überhaupt fand Luise Rainer die Filme immer idiotischer. Was ihrer Karriere die Fahrt nahm, macht sie für Fans heute nur noch sympathischer. "Sie war eine Frau, die sich nicht hat verbiegen lassen", sagt Desinger. "In gewissem Sinne der Prototyp einer sehr modernen Frau."

Heute lebt Luise Rainer zurückgezogen in London. Wenn sie auch in Interviews freundlich an die Heimat denkt, etwa der FAZ sagte: "Ich liebe die Deutschen und ganz besonders das Rheinland." Gleiches gilt andersherum: "Man hat sie nicht ganz vergessen", sagt Bernd Desinger. "Für Düsseldorf hat sie eine herausragende Bedeutung." Gerade, weil sie hier auch die ersten Schritte ihrer wechselvollen, aber doch "absolut einmaligen Karriere" gemacht habe.

Am 12. Januar 1910 kam Luise Rainer in Düsseldorf zur Welt.

1928 bis 1931 war Rainer am Düsseldorfer Schauspielhaus engagiert, wechselte dann ans Volkstheater in Wien. 1934 entdeckten sie Talentscouts der Metro Goldwyn Mayer-Studios.

Nach einer turbulenten Ehe mit Clifford Odets war Rainer 47 Jahre mit dem Publizisten Robert Knittel verheiratet, bis zu dessen Tod. Sie hat eine Tochter.

Das Theatermuseum hütet noch immer eine Sammlung von Szenenfotos und Presseartikeln über Luise Rainer, die deren großartige Wirkung dokumentieren. Und von Briefen an die Theaterleitung, die vor allem ihre komplizierte Persönlichkeit dokumentieren. Wie es sich für eine Diva gehört.

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