Viola Eckelt und Axel von Ernst bekamen NRW-Verlagspreis. Und ein großes Lob der Ministerin.

Viola Eckelt und Axel von Ernst bekamen NRW-Verlagspreis. Und ein großes Lob der Ministerin.
Viola Eckelt und Axel von Ernst in den Verlagsräumen an der Ackerstraße.

Viola Eckelt und Axel von Ernst in den Verlagsräumen an der Ackerstraße.

Sergej Lepke

Viola Eckelt und Axel von Ernst in den Verlagsräumen an der Ackerstraße.

Wer streichelt sie nicht gerne? Die halb in farbigem Leinen gebundenen Bücher, deren andere Hälfte ein modernes Kunstwerk dekoriert. Schon von Weitem erkennt man sie – die Bücher aus dem Lilienfeld-Verlag. „Viele berühren den Buchrücken, um sicher zu wissen, ob es echtes Leinen und kein Kunststoff ist“, lächelt Axel von Ernst. Und zeigt stolz auf ein Regal, prall gefüllt mit den schönen alten Sachen. Denn zusammen mit seiner Frau und Geschäftspartnerin Viola Eckelt hat sich von Ernst dem Wiederentdecken und Verlegen von Belletristik-Literatur früherer Jahrzehnte verschrieben.

Eine Leidenschaft, die die beiden vereint. Sie verwirklichten sich einen Traum, stießen damit in eine Nische und beweisen seit 2006, dass sich neben den Großen der Branche (wie Kiepenheuer, Suhrkamp, Fischer) auch unabhängige Verlage über Wasser halten können. Und bringen jährlich eine „Hot List“ mit 30 außergewöhnlichen Neu-Erscheinungen der 150 Klein-Verlage im deutschsprachigen Raum heraus, von denen viele als One-Man-Show oder von zwei Personen betrieben werden.

Ministerin bezeichnete den Verlag als unverzichtbare Säule

Im Dezember wurde ihr „Lilienfeld-Verlag“ mit Sitz an der Ackerstraße mit dem NRW-Verlagspreis ausgezeichnet, den die Landesregierung erstmals ausgelobt hatte. Gemeinsam mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels verleiht das Land seit 2017 alle zwei Jahre einen mit 20 000 Euro dotierten Preis für unabhängige Literatur-Verlage, die einen Beitrag zur kulturellen Vielfalt leisten. Kulturministerin Isabell Pfeiffer-Poensgen bezeichnete Lilienfeld in der Laudatio gar als „unverzichtbare Säule der literarischen Landschaft“.

Die beiden Kämpfer für Literatur (er ist auch als freier Lektor tätig und lehrt Verlagspraxis an der Essener Folkwang-Uni) freuen sich sehr darüber, können sie damit doch Buch-Projekte angehen, für die bisher kein Geld da war. Stolz sind sie auf den Preis; denn sie hatten sich bei der Jury gegen 40 Konkurrenten durchgesetzt.

Der Name Lilienfeld? Ein Kunstbegriff, meinen sie. Jedenfalls habe das gleichnamige 3000-Seelen-Städtchen in Niederösterreich nicht als Vorbild gedient. Besonders Bücher der 1920er Jahre haben es dem Duo angetan, das Zug um Zug den kleinen, feinen, professionell gemanagten Verlag aufgebaut hat. Seltener sind Neu-Entdeckungen, wie „Geht so“ von Peter Hein. Die Punk-Legende von einst beschreibt darin Konzert-Reisen eines Punks durch Deutschland.

So gediegen und ästhetisch die pastellfarbigen Einbände wirken, die sie optisch von anderen Verlagen unterscheiden, so lässig, ja fast wie Bohème, arbeiten die beiden in einer Altbau-Wohnung, auf der dritten Etage in Flingern. Knarrende Fußböden, Toiletten auf halber Treppe. Selten renoviert wurde hier. Die Atmosphäre, in der sie lesen und redigieren, erinnert an Studentenbuden. An den Wänden: Bilder von Maler-Freunden, denn die beiden sind in der Düsseldorfer Kunstszene gut vernetzt. Viola Eckelt (Jahrgang 1972) und Axel von Ernst (Jahrgang 1971) waren schon in der Schule ein Paar. Nach dem Abitur am Geschwister-Scholl-Gymnasium studierten sie Germanistik an der Heinrich-Heine-Uni. „Er war selten in der Uni zu sehen, hat immer gelesen“, sagt sie über ihn. Nach der Magister-Arbeit (er über Thomas Mann, sie über das Düsseldorfer Schauspielhaus) arbeitete Viola Eckelt fünf Jahre als Dramaturgin am Bochumer Schauspielhaus unter dem späteren Burgtheaterchef Matthias Hartmann. Das erste gemeinsame Buchprojekt verwirklichten Eckelt und von Ernst mit dem repräsentativen, leinengebundenen Bildband „Bochum 2000-2005“, mit dem sich Hartmann von Bochum verabschiedete. „Bei diesem Buch haben wir Blut geleckt“, sagen sie. Ein Jahr später gründeten sie ihren Verlag.

Insgesamt sechs Bücher pro Jahr bringen sie auf den Markt, auch von hierzulande unbekannten Autoren aus Frankreich, den USA oder Brasilien. Häufig in deutscher Übersetzung, für die sie allerdings vorher einen Geldgeber finden müssen. Neu bei Lilienfeld: „Pariser Romanze“ oder „Heimliches Berlin“, so die Titel der Romane aus der Zeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg von Franz Hessel, dem Vater des berühmten Stéphane Hessel. Dank eines Vertriebs in Leipzig sind ihre Bücher auch in Österreich und der Schweiz zu erwerben. Auflagenhöhe der meisten Bücher: um 2000 Exemplare, eine recht hohe Zahl für Kleinverlage.

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