Großeltern auf Zeit sind gefragt, gerade wenn die eigenen weit weg leben. Die Nachfrage bei Vermittlern steigt vor den Urlaubstagen.

Eine Kinderbetreuung wird oft händeringend gesucht.
Eine Kinderbetreuung wird oft händeringend gesucht.

Eine Kinderbetreuung wird oft händeringend gesucht.

dpa

Eine Kinderbetreuung wird oft händeringend gesucht.

Düsseldorf. Wenn die Großeltern weit weg leben, kann man sich eine Oma oder einen Opa auf Zeit holen. Besonders jetzt, zum Start der Sommerferien, steigt die Anfrage bei Vermittlungsstellen an. Familien versuchen damit vor allem, Betreuungs-Lücken bei Ferienprogrammen zu überbrücken. Wichtig ist den Portalen jedoch, Kinder und Senioren in einen regelmäßigen Kontakt zu bringen.

„Ziel ist der Kontakt der Generationen. Leihgroßeltern und Leihenkel spielen gemeinsam und lernen voneinander. Ältere Menschen geben Geschichten und Traditionen weiter – der Kontakt zu Kindern hält sie jung“, sagt Carin Taute vom Jugendamt, das eine Vermittlung anbietet. Familien hingegen, beispielsweise Alleinerziehende und Berufstätige, werden entlastet.

Leihomas und -opas werden oft ein Teil der Familie, die sie betreuen

Die Leih-Großeltern sind ehrenamtlich aktiv. Sie kommen je nach Bedarf, teils stundenweise, teils tagweise oder kurzfristig über einen längeren Zeitraum, sagt Andreas Reidl, der für die Internetplattform Großeltern.de arbeitet. Die Leihomas und -opas seien oft dauerhaft im Einsatz, regelmäßig zu bestimmten Zeiten, manchmal für ein paar Wochen oder Monate, manchmal bleibt der Kontakt auch über Jahrzehnte. Häufig werden sie Teil der Familie, entwickeln enge Beziehungen zu Kindern und Eltern.

„Die Familien, die uns ansprechen, suchen meist gezielt nach einem Oma- oder Opaersatz“, erklärt Reidl. „Gerade vor den Ferien kann es passieren, dass sie schlicht eine Betreuung brauchen, weil sie anderweitig niemanden finden.“ Es komme oft vor, dass das gebuchte Programm für die Ferien früher zu Ende ist als die Arbeit der Eltern. Ein anderer Punkt sei, dass sie auf der Suche nach jemandem sind, der mit dem Kind im Sommer viel unternimmt.

Ansonsten seien die Gründe vielfältig, manchmal kurzfristig, manchmal dauerhaft: beispielsweise zeitweise Stress und Überlastung durch eine Trennung der Eltern, ein Umzug weit weg von den eigenen Großeltern, Alleinerziehende, die Unterstützung im Alltag suchen.

Seit 17 Jahren bietet die Stadt das Projekt Leihoma und Leihopa an. Es ist Teil des Angebots „aktiv und engagiert“, das sich im Rahmen der Familienförderung für bürgerschaftliches Engagement einsetzt. Nähere Informationen im Bürgerhaus im Stadtteilzentrum Bilk, Bachstraße 145, Telefon 8996969, E-Mail: maria.drue@duesseldorf.de

Das bundesweite Ratgeber- und Infoportal mit Sitz in Düsseldorf ist seit 2014 online. Ziel der Macher ist es, Anregungen und Expertenwissen rund um Enkelkinder zu bieten und den Austausch von Großeltern zu fördern. Aktuell befassen sich mehrere Beiträge mit dem Thema „Leihoma“ und „Leih-opa“.

Besonders Mütter helfen sich in den Fällen zwar gegenseitig, fragen unter Freunden oder der Nachbarschaft, sagt Reidl. „Wenn das aber alles nicht klappt – oder der gezielte Wunsch nach einer Oma oder einem Opa fürs Kind da ist, wenden sie sich an entsprechende Vermittlungsstellen.“

Davon gibt es mehrere. Wie viele Familien in Düsseldorf über sein Portal aktuell Großeltern gebucht haben oder noch danach suchen, weiß Reidl nicht genau. Über den internationalen Kooperationspartner der Seite, granny-als-nanny.de, laufen nach seiner Einschätzung mindestens ebenso viele Anfragen. Rund 50 Familien sind es in der Stadt, die derzeit am Projekt des Jugendamtes teilnehmen.

Die Nachfrage der Familien übersteigt das Angebot

Klar ist, dass kontinuierlich Großeltern auf Zeit gesucht sind. „Die Nachfrage von Düsseldorfer Familien ist seit vielen Jahren durchgehend hoch“, sagt Taute. Sie übersteige in der Regel die Kapazitäten von Leihomas und -opas, so dass stetig interessierte Ehrenamtler gesucht werden.

Sie werden sowohl bei Großeltern.de beziehungsweise granny-als-nanny.de als auch beim Jugendamt vorab von Mitarbeitern ausgewählt und betreut, wie Reidl und Taute bestätigen. Es gibt Treffen für einen Austausch untereinander, teils auch gemeinsame Feste. „Es wäre schön, wenn sich noch mehr dafür begeistern“, sagt Reidl.

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