Für 4400 i-Dötzchen begann am Dienstag in Düsseldorf der vielbeschworene Ernst des Lebens. Lea Persch hat er fürs Erste gut gefallen.

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Lea Persch mit ihrer riesigen Schultüte auf dem Hof der Montessori-Grundschule in Flingern.

Lea Persch mit ihrer riesigen Schultüte auf dem Hof der Montessori-Grundschule in Flingern.

Bernd Schaller

Lea Persch mit ihrer riesigen Schultüte auf dem Hof der Montessori-Grundschule in Flingern.

Düsseldorf. Von hinten ruft eine Mutter: "Die Tür geht auf!" Schon stürmen alle den Saal und sichern sich ihre Plätze. Es geht ein bisschen zu wie bei einem Konzert. Nur dass hier nicht Depeche Mode auf der Bühne stehen, sondern der Schulchor der Montessori-Grundschule in Flingern. Es ist der erste Schultag. Und alle sind aufgeregt - auch Familie Persch.

Mutter Nadine hat in der Nacht nicht wirklich tief geschlafen, Vater Michael den feinsten Zwirn aus dem Schrank gezaubert. Die sechsjährige Lea - um die es heute geht - guckt ein bisschen angestrengt. Sie ist eines von 4400 i-Dötzchen, für die am Dienstag in Düsseldorf der berühmte Ernst des Lebens begann.

Viele haben Fotoapparate, Handys oder Videokameras gezückt als Musiklehrerin Frau Beckmann in die Tasten haut. Die älteren Schüler heißen die neuen musikalisch willkommen. Schulleiterin Barbara Esser hält ihre zweite Ansprache für heute. Halbtags- und Ganztags-Einschulung finden getrennt statt.

Mütter werfen sorgenvolle Blicke aufs Schulgebäude

"Lea Persch" wird aufgerufen und reiht sich mit ihrem Tornister, der "schwer wie ein Stein" ist, in den Lindwurm ein, der hinter Frau Farbrother in die Klasse marschiert. Die Eltern vertreiben sich die folgende Stunde auf dem Schulhof: Väter posieren mit Ritter- oder Prinzessinnen-Schultüten, als wäre es der Fußball-Weltpokal. Mütter werfen besorgte Blicke auf das Schulgebäude.

Mittendrin steht völlig entspannt Bezirkspolizist Ralf Koß. Er arbeitet seit zwölf Jahren in Flingern-Nord und kennt hier jeden Pflasterstein. "Ich werde den Kindern beibringen, wie sie sicher durch den Straßenverkehr kommen. Die Dorotheenstraße ist hier die gefährlichste", sagt der Beamte, der geduldig alle Fragen der Eltern beantwortet. Die roten i-Dötzchen-Kappen, die Koß an die Kinder verteilt hat, stoßen aber nur bedingt auf Gegenliebe. Lea findet ihre "doof".

Rund 4400 i-Dötzchen wurden am Dienstag in Düsseldorfs Grundschulen willkommen geheißen.

Seit Montag kontrollieren Stadt und Polizei rund um die Schulen Autofahrer. Das Ordnungsamt verhängte in diesen beiden Tagen über 200 Verwarngelder und sieben Bußgelder. Trauriger Spitzenreiter war ein Autofahrer am Hellweg, der mit 84 statt der erlaubten 50 Stundenkilometer unterwegs war. Er muss den Führerschein einen Monat abgeben und zahlt 160 Euro. Immerhin: Die Polizei stellte bei über 100 Kontrollen "nur" drei Fälle fest, in denen Kinder im Auto nicht richtig gesichert waren.

Mit den Erstklässlern sollten die Eltern jetzt üben, sich im Verkehr zu bewegen, sagt Simon Höhner von der Verkehrswacht: "Ganz wichtig ist, dass man das Kind zu Fuß und mit viel Zeit zur Schule bringt." Nach einigen Wochen könne man die Rollen tauschen, das Kind ist dann für den Schulweg verantwortlich. "Auf keinen Fall immer mit dem Auto zur Schule fahren", rät Höhner. Vom 22. September bis 1. Oktober laufen die Aktionstage "Zu Fuß zur Schule" der Stadt, die den "Elterntaxis" entgegen wirken sollen.

Im 1. Schuljahr sollten Eltern ihre Kinder immer zur Schule begleiten. Ab dem zweiten Jahr könnten etwa "Gehgemeinschaften" mit Kindern aus der Nachbarschaft gebildet werden. Und in der 3. oder 4. Klasse sollte das Kind den Weg auch mal allein bewältigen.

Als die Sechsjährige endlich wieder aus der großen Tür kommt, warten elf Erwachsene auf das zierliche, blonde Mädchen. "Mensch Lea, wie war’s", wollen alle wissen: Opa Bodo und Oma Angelika, die extra aus Dubai angereist sind, die Uroma aus dem Oberbergischen und die Verwandten aus Düsseldorf. Schwesterchen Emma drückt die "Große" erst einmal fest an sich. "Wir haben uns alle vorgestellt, das war schön", sagt Lea nach der ersten Schulstunde ihres Lebens. "Und meine Lehrerin ist nett und sieht richtig gut aus."

Seit Wochen freut sie sich auf die Schule. Auf die Frage wie alt sie sei, antwortete sie nur: "Ich komme bald in die Schule." Nachdem die Süßigkeiten aus den fünf Schultüten der Verwandtschaft ihren Reiz verloren haben, übt sie im Stillen schon ein bisschen Schreiben.

Am Abend, als Lea völlig fertig ins Bett fällt, ist ihr auch ein großer Nachteil der Schulzeit bewusst. "Da muss man so früh aufstehen", sagt sie und schläft zum ersten Mal als Schulkind ein.

© WhatsBroadcast

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