An den Bahngleisen in Düsseltal prangt die Darstellung eines Konzentrationslagers. Niemand weiß, wer der Maler ist.

Das KZ-Bild des anonymen Künstlers ist nur von der Bahnseite beziehungsweise der Quartier-Baustelle zu sehen.
Das KZ-Bild des anonymen Künstlers ist nur von der Bahnseite beziehungsweise der Quartier-Baustelle zu sehen.

Das KZ-Bild des anonymen Künstlers ist nur von der Bahnseite beziehungsweise der Quartier-Baustelle zu sehen.

BN

Das KZ-Bild des anonymen Künstlers ist nur von der Bahnseite beziehungsweise der Quartier-Baustelle zu sehen.

Düsseldorf. Vielleicht ist es ein anonymer Appell gegen das Vergessen: Auf die Rückseite einer Garagenreihe an der Rethelstraße hat ein Künstler ein meterlanges Abbild eines Konzentrationslagers gemalt. Es ist für vorbeifahrende Zugpassagiere und von der Baustelle des Quartier Centrals gut zu erkennen: Graue Baracken, umfasst von einem Elektro-Zaun, umstellt von Wachtürmen.

Dass der Maler sich die Wand ausgesucht hat, hat höchstwahrscheinlich mit der historischen Bedeutung des Ortes zu tun. Mehr als 6000 Juden aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf wurden in den Jahren 1941 bis 1944 vom Derendorfer Güterbahnhof aus in die Ghettos von Lodz, Minsk und Riga sowie ins Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt und dort ermordet.

In der „Holzklasse“ ging es auf die Reise ohne Wiederkehr

„Man hat die Juden am Abend vor der Deportation im alten Schlachthof an der Schlösser Brauerei gesammelt. Dort wurden sie Leibesvisitationen unterzogen und mussten ihre Habseligkeiten abgeben“, sagt Bastian Feermann, Historiker der Mahn- und Gedenkstätte im Stadthaus. Am nächsten Morgen mussten die Juden 1200 Meter nach Süden gehen, wurden am Güterbahnhof in Waggons der so genannten Holzklasse verfrachtet und auf die für die meisten tödlich endende Reise geschickt. Gegenüber dieser Stelle hat der anonyme Künstler sein Werk platziert.

Und dieses ist auch eine Sachbeschädigung. Die Garagen gehören der Eisenbahner-Wohnungsbaugesellschaft, deren Vorsitzender Udo Bartsch sagt: „Ich werde keine Anzeige erstatten. Ich werde das Bild auch nicht entfernen lassen.“ Das wäre ohnehin teuer, weil dafür ein Gleis gesperrt werden müsste. Für Bartsch ist das Wandbild, dass er vor Wochen an der ursprünglich mit Efeu bewachsenen Wand gefunden hat, keine Schmiererei, sondern ein Zeichen, diesen Teil der Stadtgeschichte nicht zu vergessen.

Einen Hinweis auf das Schicksal der Düsseldorfer Juden gibt es in Form einer Gedenktafel an der Rather Straße. Doch auch im neuen Quartier Central wird es einen Ort der Erinnerung geben. „Noch 2011 soll im Grünstreifen des Quartiers eine Wand der Erinnerung installiert werden“, sagt Feermann. Dieses Mahnmal soll aus wetterfestem Stahl bestehen und die Namen der Zielorte der Deportationen tragen. Wann es eingeweiht wird, hängt vom Fortschritt der Bauarbeiten ab.

Zum Zeitpunkt der Machtübernahme durch die Nazis 1933 lebten in der Stadt ca. 5500 Juden, von denen bis 1938 etwa die Hälfte auswanderte. Nur knapp 60 jüdische Überlebende kehrten nach Kriegsende 1945 nach Düsseldorf zurück und begründeten die Gemeinde neu.
 

1987 wurde die Mahn- und Gedenkstätte im Stadthaus in der Altstadt, Mühlenstraße 29, eröffnet. Ab dem 1. Februar ist sie allerdings wegen des Umbaus des Stadthauses auf unbestimmte Zeit geschlossen.

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