In der Wirtschaftskrise steht die Antique & Kunstmesse für solide Werte. Bis 15.Februar gibt es sogar Stühle der Preußen-Könige.

Düsseldorf. Kunst ist in Düsseldorf längst mehr als ein Museumsgegenstand. Auf zahlreichen Messen und Märkten steht sie zum Verkauf. Die Grenzen zwischen Kunst und Einrichtungsgegenstand sind dabei fließend: Je nach Geldbeutel bevölkern die kauflustigen Kunstinteressierten den Trödelmarkt auf dem Aachener Platz, den Antikmarkt an der Schadowstraße, den Rundgang an der Kunstakademie oder seit gestern die Antique & Kunstmesse Düsseldorf, kurz "ak" genannt. In der Messehalle8a neben der Arena werden über 13000 Besucher erwartet.

Die "ak" gibt es erst seit drei Jahren und schon jetzt gilt sie als größte Antik-Messe in Deutschland. Die Besucher lieben sie, sie kommen aus dem Rheinland und den Benelux-Ländern und lassen sich überraschen. Sie wollen eigentlich ein Gemälde kaufen und kommen mit einer Jugendstil-Vase nach Hause. Trödelmärkte leben gleichfalls von derlei Überraschungs-Effekten. Nur: Die "ak" ist kein Trödel- und kein Antik-Markt. Dazu sind die Sachen zu erlesen, von einer Jury bewertet, von Fachleuten gepriesen und im Allgemeinen für ein betuchtes Publikum gedacht.

In der Halle 8a warten Schränke und Teppiche auf betuchte Käufer

Die "ak" ist ein typisches Produkt des Wettstreits zwischen Köln und Düsseldorf. Wer pro Köln ist, fährt zur Cologne fine art and antique. Wer ein Fan der Landeshauptstadt ist, kommt in die Messehalle 8a. Galerist Peter Barth: "Hierher kommen all die Leute, die nicht nach Köln fahren. Es trifft sich die typische Düsseldorfer Gesellschaft. Man kauft eine Kommode und überlegt sich, was für ein Bild man daneben oder darüber hängen soll."

Die Messe hat einen Schwerpunkt in kostbaren Einrichtungs-Gegenständen. Thomas Maria Schmitz-Avila verkaufte noch vor der Vernissage die ersten drei Möbelstücke. "Weil die Inflation so groß ist, holen sich die Leute solide Werte, die sie anfassen können. In die Schränke können sie auch noch Klamotten legen."

Knut Viebahn ist stolz auf neun klassizistische Stühle aus dem Stadtschloss in Potsdam, zur Zeit des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm II. Das Schloss wurde 1945 zerbombt, die Mauerreste von den Kommunisten gesprengt. Die Stühle überlebten die Katastrophen.

Und warum kauft jemand japanische Handschmeichler? Hildegard Flachsmann erzählt: "Eine alte Dame gab ihre Bildersammlung ab, als sie in eine Seniorenresidenz zog. Jetzt sammelt sie Netsuke, die Miniatur-Skulpturen." Und wer entscheidet sich für einen alten, französischen Aubusson-Teppich? Samand Setareh weiß, was wohl für Trend zum Kunstkaufen insgesamt gilt: "Teppiche kaufen Menschen, die sich nach einem hektischen und erfolgreichen Leben auf die häusliche Kultur besinnen."

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