In der Reihe „Sound der Utopie“ spielen die Symphoniker und das Moskauer Persimfans Orchester ohne Dirigenten.

In der Reihe „Sound der Utopie“ spielen die Symphoniker und das Moskauer Persimfans Orchester ohne Dirigenten.
Das Moskauer Persimfans Orchester ist mit von der Partie.

Das Moskauer Persimfans Orchester ist mit von der Partie.

Tonhalle

Das Moskauer Persimfans Orchester ist mit von der Partie.

Stuhlkreise kennt man aus der Gruppentherapie und vielleicht noch mehr aus Filmen, in denen solche ambitionierten Runden ein wenig karikiert werden. Runde Tische und im Kreis versammelte Menschen stehen für den Verzicht auf Hierarchien. Und das gibt es auch in der Musik. Nach der russischen Oktoberrevolution 1917 gründete sich 1922 in Moskau das Persimfans Orchester. Es kam trotz beachtlicher Größe ohne Dirigenten aus. Dahinter steckte die revolutionäre Idee des „Herrschaftsfreien Musizierens“.

Viele Jahre waren dem Orchester nicht beschieden. Sowjet-Diktator Stalin hegte andere Vorlieben. So wurde das Orchester eine Dekade später aufgelöst. Doch es ist wieder auferstanden: Der Enkel eines Mitglieds, Pianist Peter Aidu, hat nach originalem Vorbild 2008 ein neues Persimfans Orchester gegründet. 40 Mitglieder sind in Düsseldorf und bilden mit mehr als 50 Düsseldorfer Symphonikern einen großen Klangkörper.

Im Rahmen der Reihe „Sound der Utopie“ anlässlich des 100. Jubiläums der Russischen Revolution gestaltet man am kommenden Wochenende zwei Konzerte in der Tonhalle: Samstag, 7. Oktober, 20 Uhr, gibt es „Russian Revolution Reloaded“ mit Eisensteins Stummfilm „Panzerkreuzer Potemkin“. Dazu erklingt live der Soundtrack von Edmund Meisel in der selten aufgeführten Originalfassung. Sonntagnachmittag, 16.30 Uhr, erteilt Kabarettist Christian Ehring einen „Grundkurs Weltrevolution“. Hier steht unter anderem die Symphonische Rhapsodie „Oktober“ des sowjetischen Staatskomponisten Josef Schillinger (1895-1943) auf dem Plan.

Die Idee kam von Musiker Rafael Schwarzstein

Die Idee, das Persimfans Orchester nach Düsseldorf zu holen, hatte Musiker Rafael Schwarzstein, Initiator und Co-Projektleiter von „Sound der Utopie“. Er hatte Tonhallen-Intendant Michael Becker auf die Neugründung des herrscherlosen Orchesters aufmerksam gemacht und eine Einladung angeregt. „Mich hat schon der Name fasziniert“, sagt Schwarzstein. Dem Ensemble ein großes Podium wie die Tonhalle zu bieten sei lange sein Traum gewesen. Und Michael Becker sah im Revolutions-Jubiläum den geeigneten Anlass für ein Gastspiel.

Becker fand im Goethe-Institut Moskau einen Kooperationspartner. Auch im Moskauer Tschaikowsky-Saal werde ein Konzert veranstaltet, sagt Institutsleiter Dr. Rüdiger Bolz. Ansonsten sei die Oktoberrevolution in Russland längst kein gefeiertes Ereignis mehr.

Passend zum Thema hat die Tonhalle bei dem russisch-ukrainischen Künstler Aljoscha ein Kunstwerk in Auftrag gegeben. Die Plastik, die aus rötlich gefärbten Kunststofffetzen besteht, hängt für einige Tage im Mendelssohn unter der Kuppel. Sie schwebt über den Köpfen des Publikums, das musikalisch in die revolutionären Ideenwelten des russischen Sozialismus’ eintaucht.

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