Nach zwei Jahrzehnten blicken die Macher von Fifty-Fifty auf eine Erfolgsgeschichte zurück. 400 Verkäufer sind für sie unterwegs.

Martin Paul verkauft seit knapp 20 Jahren Fifty-Fifty. Er hat einen Stammplatz an der Grabenstraße. Archiv
Martin Paul verkauft seit knapp 20 Jahren Fifty-Fifty. Er hat einen Stammplatz an der Grabenstraße. Archiv

Martin Paul verkauft seit knapp 20 Jahren Fifty-Fifty. Er hat einen Stammplatz an der Grabenstraße. Archiv

Hubert Ostendorf und Bruder Matthäus 2008 mit Jörg Immendorffs „Oskar der Obdachlosen“: Das Werk schuf der Düsseldorfer Künstler für den Verein.

Lepke/SA, Bild 1 von 2

Martin Paul verkauft seit knapp 20 Jahren Fifty-Fifty. Er hat einen Stammplatz an der Grabenstraße. Archiv

Düsseldorf. Martin Paul hält seine Stammkunden auf dem Laufenden: Wann erscheint der Kalender, wann die Sonderausgabe der Akademie für Mode und Design? Und wann gibt es die neue Fifty-Fifty? Paul weiß die Antworten: Heute gibt es das April-Heft. Ab heute verkauft der 52-Jährige die Jubiläumsausgabe der Straßenzeitung, die vor 20 Jahren zum ersten Mal erschienen ist.

Inzwischen zählt sie zu einer der erfolgreichsten der 22 Straßenzeitungen in Deutschland. Die Bilanz: In zwei Jahrzehnten haben die Straßenverkäufer zehn Millionen Exemplare an den Mann und die Frau gebracht. Aktuell liegt die Auflage bei 40.000 Exemplaren im Monat.

In der aktuellen Ausgabe schreibt Kardinal Rainer Maria Woe*lki

Auch Paul ist schon seit fast 20 Jahre dabei. An seinem Stammplatz an der Grabenstraße kennen ihn die Leute, melden sich sogar ab, bevor sie in den Urlaub fahren. „Etwa die Hälfte meiner Käufer sind Stammkunden“, sagt er. Sechs Tage die Woche steht er dort, sein Schnitt liegt bei zehn Zeitungen pro Tag. 400 Verkäufer sind für Fifty-Fifty unterwegs. Manchmal schreiben die Obdachlosen auch selbst. Oft finden sie sich in prominenter Gesellschaft: In der aktuellen Ausgabe hat Kardinal Rainer Maria Woelki exklusiv für Fifty-Fifty einen Beitrag verfasst. Der Titel: „Gerechtigkeit für alle?!“

Die Idee für das Sozialprojekt stammt von Hubert Ostendorf, er hatte vor 20 Jahren in Hamburg auf der Straße eine Hinz & Kunzt gekauft, und an seinem Küchentisch entstand die erste Ausgabe einer Düsseldorfer Obdachlosenzeitung. Zusammen mit Bruder Matthäus vom Orden der Armen Brüder ist Fifty-Fifty über die beiden Jahrzehnte gewachsen. Kunst spielte dabei immer eine große Rolle. Namhafte Künstler wie Jörg Immendorff, Katharina Fritsch, Thomas Struth oder Gerhard Richter haben Werke für die Fifty-Fifty-Galerie gespendet. Immendorffs „Oskar der Obdachlosen“ etwa spült als Leihgabe an ander Museen weiterhin Geld in die Kasse von Fifty-Fifty.

„Wir haben über die Zeit 20 Millionen Euro Spenden in unsere Projekte investiert und so etwa 5000 Obdachlose von der Straße geholt“, bilanziert Ostendorf. Vor zwei Jahren kam es dann zum Bruch mit dem Orden, der Anlagebetrügern auf den Leim gegangen war und 7,2 Millionen Euro verloren hatte. „2014 war unser Krisenjahr. Wir haben keine Zeitungen verkauft, keine Spenden bekommen und keine Kunstwerke.“

Im April 1995 ist die erste Ausgabe von Fifty-Fifty erschienen. Seitdem wurden etwa zehn Millionen Hefte der Straßenzeitung von Obdachlosen verkauft. 

Mit der Ordensgemeinschaft der Armen Brüder des Heiligen Franziskus wurden etwa 5000 Obdachlose von der Straße in Wohnungen vermittelt, sechs Häuser sind entstanden, eine Nachtunterkunft und ein Heim für chronisch kranke Obdachlose. www.fiftyfifty-galerie.de

Inzwischen sei die Krise überstanden und das Vertrauen wieder hergestellt. Geholfen habe dabei auch Gerhard Richter, der ein Gemälde spendete, das Fifty-Fifty 200 000 Euro eingebracht hat. Investiert wurde das Geld in Wohnungen, in denen Flüchtlinge unterkommen. Ein erstes Zuhause, von dem aus sie eine eigene Bleibe suchen können. Immer häufiger seien die Obdachlosen Flüchtlinge, Frauen mit Kindern und Menschen aus anderen Ländern, sagt Ostendorf. Das Ziel aber habe sich bis jetzt nicht geändert: Lobbyarbeit für Menschen am Rande der Gesellschaft, dafür stehe Fifty-Fifty.

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