Von den hochfliegenden Plänen in Agis Bistro bleibt nur ein Film übrig. Er wird beim Künstlerfest gezeigt.

Worringer Platz
Alexander Wissel vor der „Oktoberbar“, mit der er neues Leben in die Nähe des Worringer Platzes bringen wollte. Jetzt bleibt nur noch die Erinnerung in einem Film, der vom Kulturamt subventioniert wird und in den „Kunstfilmtagen“ gezeigt werden soll. Archiv

Alexander Wissel vor der „Oktoberbar“, mit der er neues Leben in die Nähe des Worringer Platzes bringen wollte. Jetzt bleibt nur noch die Erinnerung in einem Film, der vom Kulturamt subventioniert wird und in den „Kunstfilmtagen“ gezeigt werden soll. Archiv

Bernd Schaller

Alexander Wissel vor der „Oktoberbar“, mit der er neues Leben in die Nähe des Worringer Platzes bringen wollte. Jetzt bleibt nur noch die Erinnerung in einem Film, der vom Kulturamt subventioniert wird und in den „Kunstfilmtagen“ gezeigt werden soll. Archiv

Düsseldorf. Alexander Wissel (31), Absolvent der Kunstakademie, ist der Ideenträger und Organisator von Oktoberbar und Single Club. Er war es, der Agis Bistro an der Ackerstraße 5 zum Standort dieser Veranstaltungen und so zur Anlaufstelle für Kreative machte.

Der Besitzer der albanischen Bar, Agipet Iljazim, war glücklich. Denn endlich kamen junge Leute und organisierten Ausstellungen, Kegelturniere und Raves. Die schräge Bar erinnerte zeitweilig an den legendären Ratinger Hof. Aber es gab so viele bürokratische Hürden, dass Wissel das Feld räumte. Ungern, am liebsten würde er wiederkommen.

Bis zu 800 Gäste kamen zeitweise in die Oktoberbar

Gleich beim ersten Auftritt im Rahmen der Oktoberbar arbeitete er mit Profis zusammen. Einer war Philip Schulze, damals Gastprofessor für Musik-Informatik am Institut für Musik und Medien in Düsseldorf. Eine andere war Angela Fette, die sich als Performerin inzwischen selbst bei Julia Stoschek einen Namen gemacht hat.

Die Oktoberbar war ein großes Gemeinschaftsprojekt, für das Wissel viele Leute zusammentrommelte. Eigentlich war er selbst überrascht über den Zuspruch. Er schätzt, dass jedes Mal zwischen 600 und 800 Gäste kamen. Sie fanden die coole Location toll.

Für den Single Club in Agis Bistro wurden die drei Kellerräume sechs Monate lang umgebaut. Wände verschwanden, ein neuer Boden wurde gelegt. Neun große Container mit Schutt mussten rausgeschippt werden. Alles in Eigenleistung. Alles für den einen Ort. Es gab einen Notausgang und einen Türsteher, der die Gäste auf Waffen kontrollierte, denn die Bar liegt in einer unwirtlichen Gegend.

Katharina Schmitt ist für das Filmfestival zwischen Black Box und den kulturellen Einrichtungen in Flingern verantwortlich. Sie will mit Geld der Stadt ein „Gesamtkunstwerk“ daraus machen.

Flingern ist bekannt für Galerien, Bars, Filmwerkstatt, BBK und Kultur am Worringer Platz.

Drei Hausbands machten mit. Im Keller plätscherte zur Eröffnung Wasser in einem Brunnen. Es gab einen Lichtvorhang und mehrere Kilogramm Glitzerpartikel für eine Wand zum Strahlen. Und die Toilette wurde in ein Spiegelkabinett umgewandelt. Doch als der Single Club zur Silvesterparty lud, spielten Ordnungsamt und Bauaufsicht nicht mit. Wissel: „Wir hatten Fluchtwege und auch eine normale Kellertreppe. Jedoch hätte es uns viel Geld gekostet, einen Architekten zu bestellen, der den Ort für die Veranstaltung absegnet.“

Die Bauaufsicht verbot die Party in letzter Minute. Wissel hatte nun erst einmal die Nase voll, gastierte mit seinen Ideen und seinen Freunden an der Kö 1, auf der Raketenstation, am Kölner Ebertplatz und anderswo.

Der Kulturausschuss bewilligte 18 000 Euro für „Kunstfilmtage“

Ein halbes Jahr lang lebte er als Stipendiat der Kunststiftung NRW und des Sammlers Gil Bronner in Tel Aviv. Dort dachte er über den Worringer Platz nach, zeichnete und schnitt einen Film. „Single“ soll er heißen.

Er macht ihn zusammen mit der Künstlerin Katharina Schmitt, die parallel zur Kunstakademie auch an der Kunsthochschule für Medien studiert. Wissel sagt: „Die Filmrequisiten sind Dinge, die wir aufgehoben haben. Alles wird sich im Keller von Agi abspielen, ihn jedoch nicht eins zu eins abbilden. Und es wird ein positiv-melancholisches Ende geben.“

Vor drei Wochen genehmigte der Kulturausschuss einen stattlichen Etat von 18 000 Euro für „Kunstfilmtage“. Dieses Projekt, mit Alexander Wissel und Katharina Schmitt als Organisatoren, soll am 1. und 2. November im Bahnhofsviertel, auf dem Worringer Platz und in der Birken- und Ackerstraße stattfinden. Es soll ein großes Fest mit Filmen und Party werden. Katharina Schmitt erklärt:

„Es wird ein Gesamtkunstwerk von Künstlern und Kuratoren. Einbezogen werden die Filmwerkstatt, die Galerie Max Mayer und andere Galerien. Es gibt Künstlergespräche, Vorträge und Konzerte. Fantasie-Figuren wie Mary Poppins werden in Flingern auftauchen, so dass die Passanten nicht wissen, ob sie im Film oder in der Wirklichkeit sind.“

Dann kommt auch der Film über den Single Club heraus. Alex Wissel sagt: „Agi und ich haben ein gutes Verhältnis. Er ist im Film ein guter Schauspieler.“

© WhatsBroadcast

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