Jubiläum: Die Galerie Remmert und Barth hat in 30 Jahren einen kometenhaften Aufstieg genommen. Ein Gespräch.

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Herbert Remmert und Peter Barth in ihrer Galerie.

Herbert Remmert und Peter Barth in ihrer Galerie.

Bernd Nanninga

Herbert Remmert und Peter Barth in ihrer Galerie.

Die Galerie Remmert und Barth feiert ihr 30-jähriges Bestehen mit einer herausragenden Ausstellung zur Kunst des frühen20.Jahrhunderts. Das Unternehmen, das heute seinen Sitz an der Mühlenstraße1 hat, entwickelte sich aus dem Nichts heraus zu einem der führenden Kunsthäuser der klassischen Moderne. Die beiden Inhaber, Herbert Remmert und Peter Barth, die sich in der Berliner Galerie Nierendorf getroffen hatten, bestechen durch ihren Humor.

Westdeutsche Zeitung: Warum heißt die Galerie eigentlich nicht Barth und Remmert?

Herbert Remmert: Letztlich war der Wortfluss ausschlaggebend. Barth: Peter hat immer gern Beethoven gehört, und das berühmteste Motiv war unser Name, Remmert und Barth.

WZ: Wie lautet denn Ihr Gesellschaftsvertrag?

Peter Barth: Einen solchen Vertrag gibt es nicht. Aber die Grundlage unserer Zusammenarbeit ist, dass wir beide arbeiten können, ohne zu ermüden, ohne uns zu beklagen, ohne dass einer vor dem anderen schlapp macht.

WZ: Herr Barth, Sie bezeichnen sich gern als Herr Doktor und titulieren Ihren Geschäftspartner als Herrn Direktor. Wie charakterisieren Sie Herbert Remmert?

Barth: Der Direktor redet und denkt schnell. Er ist vorneweg. Er ist etwas schwierig im Umgang, weil er sehr rechthaberisch ist, aber in der Regel hat er ja auch Recht. Ich komme mit ihm inzwischen gut aus. Remmert: Der Doktor ist bedächtig, zuverlässig, nachdenklich, freundlich, so dass ich gut mit ihm klar komme. Wir wollen nachts gut schlafen. Aber gemäß unserer Parole, dass Kunst glücklich macht, wollen wir auch die Menschen mit unseren Werken glücklich machen.

WZ: Wofür steht Ihre Galerie?

Remmert: Wir beide sind geprägt von einer gegenständlichen Kunst und einem wie auch immer gearteten Realismus. Wir beschäftigen uns mit dem deutschen Expressionismus, der Kunst der 20er Jahre im Rheinland, und vermehrt auch mit den damaligen Zentren in Berlin und Dresden. Unser Ziel ist es, schöne Dinge zu finden.

"Die Enkel der Künstler und Sammler haben Kisten und Mappen geerbt, aber wissen wenig über ihre Familien. Denen erzählen wir wieder die Geschichten ihrer Eltern, die Liebesgeschichten."

PeterBarth Galerist

WZ: Der Kunstmarkt ist fast leer gefegt in der klassischen Moderne. Wie kommen Sie an frische Ware?

Herbert Remmert hatte eine Schreinerlehre absolviert, er ist geprägt durch die klassische Moderne. Peter Barth hatte Philosophie studiert. Er ist der Sohn des Malers Carl Barth und hatte die Entwicklung seines Vaters vom rheinischen Spätexpressionismus über den magischen Realismus der 30er Jahre bis zur gegenwärtigen Kunst der sichtbaren Welt miterlebt. Remmert und Barth lernten sich als Arbeitskollegen in Berlin kennen und wagten 1980 den Wechsel nach Düsseldorf.

Remmert: Indem wir über Jahrzehnte Kontakt zu Künstlerwitwen, Sammlerwitwen, gealterten Kindern von Künstlern und Enkeln halten.

Barth: Die Künstler am Anfang des letzten Jahrhunderts waren meist Männer, deshalb haben wir es mit Damen ab 70 Jahren aufwärts zu tun. Als wir anfingen, waren es die Witwen der Künstler, vor 20 oder 15 Jahren die Kinder der Witwen. Jetzt sind es ihre Enkel. Sie kennen die Geschichte ihrer Familie und ihrer Kunst nicht mehr. Wir kennen aber die Großeltern, denn wir nehmen ihre Liebesbriefe immer mit. Die Enkel können sie nicht mehr in der deutschen Schrift lesen, wir tun es für sie.

WZ: Das Auffinden des Aquarells "Deutschland, ein Wintermärchen" von George Grosz war eine Sensation. Wie kam es dazu?

Barth: Es stammt aus der Sammlung Dr. Hans Koch. Wir wollten eigentlich der Enkelin nur helfen, ihre Bibliothek zu verkleinern und einen Käufer für die Bücher zu finden. Da stießen wir auf die Kiste mit dem Grosz-Aquarell im Schrank. Die Kiste war seit 1924 nicht mehr geöffnet worden.

WZ: Wer war denn dieser Hans Koch?

Remmert: Er war Arzt und Sammler. Er heiratete nacheinander die reichen Schwestern Lindner. Die erste, Martha, schenkte ihm zwei Kinder. Als Otto Dix nach Düsseldorf kam und sich in Martha verliebte, ließ er sich scheiden und heiratete Maria.

WZ: Was hat der Grosz gekostet?

Barth. Einen hohen sechsstelligen Betrag.

WZ: Ist jetzt alles entdeckt?

Remmert: In der Kiste ist noch einiges. Aber hierüber reden wir nicht. Wir haben Stillschweigen vereinbart.

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