Beim Johannesfest tauschten sich Pfarrer per Poetry Slam über ihre Beziehung zu Gott aus.

Beim Johannesfest tauschten sich Pfarrer per Poetry Slam über ihre Beziehung zu Gott aus.
Pastor Martin Fricke, Margarethe Preis und Nils Davidovic (v.l.), der Projektleiter Jugendkirche, beim Preacher-Slam.

Pastor Martin Fricke, Margarethe Preis und Nils Davidovic (v.l.), der Projektleiter Jugendkirche, beim Preacher-Slam.

Sergej Lepke

Pastor Martin Fricke, Margarethe Preis und Nils Davidovic (v.l.), der Projektleiter Jugendkirche, beim Preacher-Slam.

Düsseldorf. 500 Jahre Reformation: Das Jubiläum ist für die evangelische Kirche auch in Düsseldorf ein Großevent, weshalb nun auch eher kleinere Festtage wie der des Täufers Johannes am Samstag mit einem Programm ausgestattet werden. In der Johanneskirche sind einige Projekte präsentiert worden, bei der die Kirche mit modernen Mitteln auch jüngere Menschen wieder anlocken möchte. Die evangelische Kirche bezieht sich mit ihFren Modernisierungsplänen trotzdem auf die Vergangenheit und auf die Ereignisse vor 500 Jahren, wie Organisatorin Antje Rienecker erklärt: „Mit der Reformation wurde die Kirche modernisiert. Diese Modernisierung ist aber ein Prozess, der bis heute weitergehen muss.“

Dazu dient zum Beispiel der Preacher-Slam, den es in der evangelischen Jugendkirche seit 2014 gibt. Dabei bedienen sich Pfarrer der Mittel des Poetry Slams, also der im Wettbewerb vorgetragenen, selbstgeschriebenen Lyrik, um über theologische Themen zu philosophieren.

Lockere Gespräche mit Gott und Seitenhiebe gegen Katholiken

Um dieses Konzept auch außerhalb der Jugendkirche bekannt zu machen, präsentieren Pfarrer Martin Fricke und Prädikantin Margarete Preis je zwei Slams. Während sie ihre Beziehung zu Gott mit einem persönlichen Gespräch zu ihm beschreibt, vergleicht er die mittelalterliche Kirche mit der Trägheit nach der Schwangerschaft, und die Reformation mit den Gymnastikübungen, um wieder fit zu werden.

Der locker-freche Umgang zeigt sich nicht nur in der Themenauswahl. Auch die kleinen Seitenhiebe gegen die katholische Kirche sind trotz ökumenischer Aktionen, die an diesem Tag auch stattfinden, gerne gesehen und ernten Gelächter im Publikum.

Beide Wettbewerber schreiben seit einiger Zeit Texte für Preacher-Slams. Sie bemerken mittlerweile, dass sich das auch positiv auf ihre Gottesdienste auswirkt. „Natürlich würde ich in der Predigt nicht so wie heute von heiliger Scheiße reden, aber ein bisschen Lockerheit ist auch dabei wichtig“, sagt Margarete Preis, die auch auf der Kanzel gerne mit ihrer Rhetorik spielt.

Wie vier Predigten, nur mit besserer Stimmung

Am 8. Juli können Kinder in Workshops diverse Kulturen der Welt kennenlernen.

Am 2. Oktober slammen Pfarrer und Poeten wieder zum Thema „Reformation“.

Am 31. Oktober feiern die evangelischen Gemeinden den 500. Reformationstag in der Tonhalle.

Auch Nils Davidovic, der die Preacher-Slams organisiert, sieht Parallelen zwischen einem Poetry Slam und einer klassischen Predigt. Für ihn ist ein Preacher-Slam im Idealfall eine Predigt, die keiner bemerkt: „Wenn wir jetzt vier Predigten präsentiert hätten, wäre die Hälfte eingeschlafen. So hatten alle Spaß. Dabei ist es inhaltlich genau dasselbe.“

Als Leiter der Jugendkirche gibt er regelmäßige Workshops, bei denen sich Jugendliche an eigenen Texten versuchen können. Zudem moderiert er die jährlichen großen Preacher-Slams, bei denen meistens vier Pfarrer gegen vier Slampoeten antreten, und bei dem der Wettbewerbscharakter deutlicher wird.

Beim Johannestag hingegen wird die Leistung beider Preacher-Slammer vom Publikum mit großem Applaus und Bestnoten honoriert. Daher bekommen auch beide Redner von Davidovic ihren Preis überreicht: Einen Hammer – als Symbol für ihre „Hammerleistung“.

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