Geigerin Baiba Skride gastierte mit den Göteborger Symphonikern in der Tonhalle.

Tonhalle
Baiba Skride gastiert in der Tonhalle.

Baiba Skride gastiert in der Tonhalle.

Marco Borggreve

Baiba Skride gastiert in der Tonhalle.

Düsseldorf. Das Violinkonzert des finnischen Spätromantikers Jean Sibelius (1865-1957) beginnt sehr leise und geheimnisvoll mit minimalistischen Bewegungen der hohen Streicher – wie ein Morgenerwachen in unberührter Natur. In diesem etwas diesigen Umfeld hat die Solovioline ihren ersten Einsatz. Jeder Geiger hat dabei seinen eigenen Stil: Manche treten gleich mit klarem Ton in Erscheinung, Baiba Skride hingegen, Solistin beim Meisterkonzert mit den Göteborger Symphonikern unter Leitung von Marc Soustrot, setzt ebenso diffus ein. Ihr Klang kommt wie aus dem Nichts.

Brillante Technik und spielerische Souveränität

Aber dies ist ja nur der Anfang: Die lettische Starmusikerin kann ihr Instrument auch akustisch hell und klar aufblitzen lassen. Und für solche Momente gibt es im Sibelius-Konzert reichlich Gelegenheit. Skride verfügt über eine brillante Technik und spielerische Souveränität. Bei den virtuosesten Stellen verzieht sie keine Miene und erscheint beinahe wie eine Sphinx. Unterdessen verfügen die Symphoniker aus Schweden über einen weichen, vollen Klang und rollen sozusagen einen schweren Teppich aus. Dadurch wirkt das Zusammenspiel der Geigerin mit dem Orchester als leuchte ein Diamant auf dunkelrotem Samt.

Trotz der hohen Qualitäten wirkt die solistische Darbietung ein wenig kühl. Die dramatischen Höhepunkte bewältigt Skride zwar in rasantem Tempo und mit kräftigem Bogen, doch fehlt es etwas an leidenschaftlicher Verausgabung. Selbst eine äußerlich cool wirkende Violinistin wie Anne-Sophie Mutter geht mehr aus sich heraus. Gleichwohl: Jubelnder Beifall und eine Zugabe des deutschen Barockkomponisten Johann Paul von Westhoff (1656-1705).

Für skandinavische Musik sind die Göteborger Symphoniker schon seit Jahrzehnten allererste Wahl: Unter der Leitung von Marc Soustrot erzeugen die Schweden das ganz große Klang-Panorama. Einsätze gelingen perfekt, was freilich auch dem Zusammenspiel mit der Solistin zugute kommt.

Aber auch die reinen Orchesterwerke: die Tondichtung „Finlandia“ sowie die Suite aus Edvard Griegs Schauspielmusik zu „Peer Gynt“ begeistern durch die Kombination aus Transparenz und Wucht. Ein zusätzliches vokales Glanzlicht setzt Sopranistin Klara Ek mit „Solveigs Lied“ und „Solveigs Wiegenlied“. Ein rundum bereichernder Abend voll von skandinavischer Romantik.

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