Der Bildhauer Tony Cragg wird neuer Rektor der Kunstakademie. Am Mittwoch wurde er als Nachfolger von Markus Lüpertz bestätigt.

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Rektor Markus Lüpertz (links) und sein Nachfolger ab September, Tony Cragg, am Mittwoch beim Verlassen der Aula. Dort hatten sie mit den Studenten die Verleihung der Akademiebriefe gefeiert.

Rektor Markus Lüpertz (links) und sein Nachfolger ab September, Tony Cragg, am Mittwoch beim Verlassen der Aula. Dort hatten sie mit den Studenten die Verleihung der Akademiebriefe gefeiert.

Helga Meister

Rektor Markus Lüpertz (links) und sein Nachfolger ab September, Tony Cragg, am Mittwoch beim Verlassen der Aula. Dort hatten sie mit den Studenten die Verleihung der Akademiebriefe gefeiert.

Düsseldorf. Tony Cragg wurde am Mittwoch erwartungsgemäß vom Senat der Kunstakademie zum neuen Rektor gewählt. Er ist damit allerdings noch nicht ernannt, dies ist Aufgabe der Landesregierung. Er wird sein Amt, wie er der WZ mitteilt, im September antreten. Bis dahin bleibt Markus Lüpertz im Amt.

Lüpertz und Cragg wurden am Mittwoch in der Aula mit Beifall von den Studenten empfangen. Sichtlich erfreut über diese Resonanz sagte Markus Lüpertz der WZ: "Ich finde es absolut großartig, dass Tony Cragg mein Nachfolger wird. Wir sind eng befreundet, ich schätze ihn sehr. Für mich ist es wichtig, dass ein bildender Künstler Rektor wird. Tony ist ein internationaler Künstler, der die Akademie vertreten und verteidigen kann.

Es ist der richtige Mann, der dieses Haus führen kann, und der das auch wirklich großartig machen wird. Ich bin sehr glücklich, dass er sich zur Wahl gestellt hat. Er hat sich ja schwer getan, aber ich habe ihmdie Pistole auf die Brust gesetzt. Ich habe ihm gesagt, wenn du das nicht machst, dann bleibe ich." Tony Cragg stand neben ihm im Aula-Vorraum und lachte mit seiner typisch britischen Zurückhaltung.

Noch redet hier Markus Lüpertz, und er tat es auf fulminante Weise in der Aula, wo die Meisterschüler ernannt und die Akademie-Briefe überreicht wurden. Sein Credo an die Jugend: "Halten Sie die Ideale der Kunst hoch, versuchen Sie, nicht spießig zu werden. Es ist ein ungeheures Privileg, Künstler zu sein. Genießen sie es. Die Freiheit der Kunst wird nicht mehr lange andauern, denn wir haben eine Regierung, die sich in alles einmischt."

Das Echo in der Landeshauptstadt auf diese Wahl war bestens. Oberbürgermeister Dirk Elbers will erste Kontakte aufnehmen. Kulturausschuss-Vorsitzender Friedrich Conzen möchte Cragg in den Kulturausschuss einladen und hofft, dass er "sein Konzept für die Zukunft vorträgt." Cragg sei "ein großes Glück für die Akademie und für die Stadt. Ich hoffe auf gute Zusammenarbeit".

Die Zukunft der Kunstakademie hängt von den Berufungen ab

Direktoren hießen früher die Künstler an der Spitze der Akademie, Norbert Kricke (1973 bis 84) und Irmin Kamp (bis 1988).

Markus Lüpertz ist der erste vom Senat gewählte Sprecher der Kunstakademie. Er hat dieses Amt 20 Jahre inne.

Cragg, der seit 30 Jahren (mit einigen Unterbrechungen in Berlin) in Düsseldorf lehrt, seit 20Jahren als Professor und zuletzt in leitender Funktion als Prorektor, weiß, was ihn erwartet. Er nimmt kein leichtes Amt an. Die Zeiten, wo in Düsseldorf die "Musik" gespielt wurde, sind längst vorüber.

Die Konkurrenz schläft nicht: Berlin, Hamburg, Karlsruhe und München, außerdem die starken Kunsthochburgen Leipzig und Dresden, haben grandiose Künstler berufen. Düsseldorf muss kämpfen, um seinen Ruf als eine der wichtigsten Akademien zu verteidigen. Von Craggs Geschick hängt es ab, ob er führende Künstler ans Haus holen kann.

Die Kunstakademie hatte im Vorjahr 481 Studenten, davon 239 Frauen. Aber in der Lehre ist das Kunstinstitut fast eine reine Männer-Akademie. Es gibt nur zwei Professorinnen, Rita McBride und Rosemarie Trockel. Craggs erste Aufgabe dürfte es sein, herausragende Künstlerinnen und Architektinnen ans Haus zu holen. Für eine Einrichtung des Landes ist dieser Frauen-Mangel fast schon ein Ding der Unmöglichkeit.

Es fehlen Maler und Malerinnen. Im aktuellen Internet-Auftritt ist Albert Oehlen noch genannt, dessen Klasse schon im Winter-Semester Abschied vom beliebten Professor gefeiert hat. Markus Lüpertz geht im Herbst. Um der vielen Studenten Herr zu werden, wurde der Lüpertz-Assistent Reinhold Braun eingestellt.

Praktisch unterrichten nur vier Professoren, Siegfried Anzinger, Herbert Brandl, Tal R. und Peter Doig. Das ist für eine Akademie, die einst als Malerschule berühmt war, zu wenig. Wichtige Positionen für Bühnenbild, Typografie, Philosophie etc. sind noch vakant. Die Diskussion um die Fotoklasse ist weniger wichtig. Sie hat in Christopher Williams einen guten Lehrer.

© WhatsBroadcast

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