New Yorker Künstler stiftet Dauerleihgabe an Johanneskirche.

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Der New Yorker Konzeptkünstler Lawrence Weiner vor seinem Werk in der Johanniskirche. Er stellt bereits zum zweiten Mal hier aus.

Der New Yorker Konzeptkünstler Lawrence Weiner vor seinem Werk in der Johanniskirche. Er stellt bereits zum zweiten Mal hier aus.

Stefan Arend

Der New Yorker Konzeptkünstler Lawrence Weiner vor seinem Werk in der Johanniskirche. Er stellt bereits zum zweiten Mal hier aus.

Düsseldorf. Die Verwechslung ist ganz nach Lawrence Weiners (68) Geschmack. Beim Pressetermin in der Johanneskirche wird der amerikanische Konzeptkünstler irrtümlich zuerst für einen Jazzsänger gehalten. "Das ist ja großartig", freut sich der Mann mit der rauchigen Bassstimme.

"Dann kann ich ab jetzt die Leute nicht mehr nur mit meiner Kunst enttäuschen, sondern auch noch mit meinem Gesang." Den Mann, der so herzhaft über seinen eigenen Witz lacht, halten viele Künstlerkollegen und mancher Kritiker für einen der größten Konzeptkünstler unserer Zeit.

Weiners Werk wirft Fragen auf, die das Publikum noch stellen muss

Weiner stellt bereits zum zweiten Mal in der Johanneskirche aus. Seine erste Arbeit musste der Sanierung des Innenraums vor zwei Jahren weichen. Sie danach einfach wieder aufzuhängen, war für den Künstler unmöglich. Er stellt seine Kunstwerke exklusiv für den jeweiligen Ort her. Damit musste nach dem Kirchenumbau auch ein neues Werk her. So wollte es der Künstler selbst, und die Johanneskirche wird wohl sehr froh über das außergewöhnliche Engagement des Großmeisters der Konzeptkunstszene gewesen sein.

"Dicht bei" heißt das Sprachwerk, dass die Empore der Kirche von jetzt an ziert. "Hervorgerufen durch die Resonanz einer Dissonanz" steht in Deutsch und Englisch daneben auf einer Banderole. Weiner will mit seinen minimalistischen und reduzierten Arbeiten Fragen aufwerfen, lässt Raum und Kunstwerk aufeinander wirken. Bei ihm hört sich das so an: "Ich lege die Kunst auf einen Tisch und die Leute können selbst entscheiden, was es ist", sagt er in akzentfreiem Deutsch, das er laut eigenem Bekunden in Kneipen gelernt hat.

Manch einem mag das alles rätselhaft erscheinen. Fragt man Weiner nach seiner eigenen Interpretation, reagiert er mürrisch. "Es geht überhaupt nicht um Interpretation. Es ist exakt das, was es ist", sagt er dann brummig. "Es hat keine geheime Bedeutung, es hat einfach nur eine Bedeutung. Und die ist für jeden, der sie sehen will, abhängig von seinen eigenen Nöten und Bedürfnissen."

Die Fragen, die Weiner aufwirft, muss jeder selbst stellen.

Die Gemeindemitglieder der Johanneskirche konnten Weiners Werk schon beim Pfingstgottesdienst sehen. "Alle haben es sich sehr lange angesehen, aber keiner hat etwas dazu gesagt", hat Pfarrer Uwe Vetter beobachtet. Spätestens am Mittwoch um 19 Uhr wird die Sprachlosigkeit enden - dann wird das Werk vom künstlerischen Leiter der Kunsthalle, Dr. Gregor Jansen, offiziell vorgestellt.

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