Sabine Moritz, die mit Gerhard Richter verheiratet ist, musste als Malerin kämpfen. Am Donnerstag lädt sie zur Vernissage ein.

Porträt
Sabine Moritz, die Ehefrau von Gerhard Richter, eröffnet am Donnerstagabend ihre Ausstellung mit neuen, frischen Bildern in der Galerie Ringel.

Sabine Moritz, die Ehefrau von Gerhard Richter, eröffnet am Donnerstagabend ihre Ausstellung mit neuen, frischen Bildern in der Galerie Ringel.

Judith Michaelis

Sabine Moritz, die Ehefrau von Gerhard Richter, eröffnet am Donnerstagabend ihre Ausstellung mit neuen, frischen Bildern in der Galerie Ringel.

Düsseldorf. Sabine Moritz steht am Fenster der erhöht liegenden Galerie Ringel, wo sie am Donnerstag ihre Ausstellung eröffnet. Die Ehefrau des berühmten Malers Gerhard Richter schaut auf die Kunstakademie herab. Hier fing sie 1992 nach ihrer Grundausbildung in Offenbach als Studentin an. Man bereitete ihr keinen allzu freundlichen Willkommensgruß. Markus Lüpertz nahm sie zwar auf, erklärte ihr aber, sie müsse sich den Platz schon selbst suchen, denn er habe der Klasse versprochen, niemanden mehr aufzunehmen. Sie nahm mit einem Standort am Waschbecken vorlieb. Wenn ein Kommilitone seinen Pinsel auswusch, kamen Spritzer auf ihre Zeichnungen. Die Atmosphäre des allzu Genialischen war nichts für sie. Die eher schüchterne Schülerin aus der DDR wechselte 1993 in die Klasse von Gerhard Richter, als seine letzte Schülerin.

Es war kein großartiger Empfang, den ihr der spätere Ehemann machte. Er ließ ihr vielmehr ausrichten, sie könne kommen, müsse aber „all ihr Zeug“ wegschmeißen. Das belaste sie nur. Es handelte sich großenteils um sehr abstrahierende Erinnerungen an ihre alte Heimat in der DDR, wo sie 1969 zur Welt gekommen war. Sie tat es nicht. Diese Blätter erlebten 2014 den Höhepunkt ihrer Ausstellung im Wuppertaler Von der Heydt Museum.

1993 endete Richters spannungsreiche Ehe mit Isa Genzken. 1994 verliebt er sich in Sabine Moritz. Beide ziehen zusammen. Er malt die anmutige junge Frau beim Lesen. 1995 kommt Sohn Moritz zur Welt. Die acht Bilder mit Sabine und dem kleinen Sohn Moritz gehören zu den intimsten und persönlichsten Werken in Richters Oeuvre. Tochter Ella Maria wird 1996 geboren. 2006 kommt das dritte Kind zur Welt.

„Er hat mich nie gelobt. Ich habe Jahre gebraucht, um das zu verstehen.“

Sabine Moritz, Künstlerin, über ihren Mann Gerhard Richter

Sabine Moritz ist nun als Mutter gefordert, nicht als Malerin. Sie geht einen steinigen Weg zum Ruhm. Denn es ist keineswegs sicher, dass die Ehefrau eines international gefragten Künstlers ebenfalls gefragt ist. Sie sagt über ihren Mann: „Er hat einen nie gelobt. Ich habe Jahre gebraucht, um das zu verstehen. Ich habe mich anfangs nichts getraut. Ich hatte die Kinder, aber ich wollte immer auch malen.“

Sie besaß kein eigenes Netzwerk. Sie sagt: „Einerseits kannte ich durch meinen Mann die verschiedensten Museumsdirektoren. Aber ich wäre nie hingegangen und hätte ihnen gesagt, ich male auch. Das wäre lächerlich gewesen. Und mein Mann sagte auch noch, ich solle das mit dem Malen lassen. Ich hätte ja die Kinder und das Haus.“

2002/3 gab Gerhard Richter dem Drängen seiner Frau nach und stellte ihr die einstigen Räume der Ex-Frau Isa Genzken zur Verfügung. Die Räume wurden zu ihrem Atelier ausgebaut. Sie konnte loslegen, soweit es die Kinder erlaubten.

15 Jahre lang wartete sie, bis ihr Traum von einem Buch mit ihren frühen Zeichnungen in Erfüllung ging. 2010 schneite der Verleger Walther König ins Atelier, warf einen Blick auf ihre Aquarelle und Zeichnungen. Er war begeistert. Das Buch kam heraus. Seit 30 Jahren kannte die New Yorker Galeristin Marian Goodman Richters Ehefrau. Kaum hielt sie das Buch in der Hand, organisierte sie eine Ausstellung in Paris. Für Goodman war sie bislang die Ehefrau von Gerd.

Einer, der sie vorab entdeckte, ist der Düsseldorfer Galerist Felix Ringel. Er zeigte Sabine Moritz seit 2005 in zwei Gruppenausstellungen und präsentiert sie nun in einer sehr frischen Einzelausstellung. Ihre Farben sind entschiedener geworden, die Pinselstriche wirken frecher denn je. Ihr Himmel ist prächtig in der Vermischung diverser Farben, so dass man fast schon an Turner denken könnte. Dann wieder stößt fast schon störrisch das grüne Gras aus dem Watt, als müsse es sich an die Oberfläche kämpfen.

Der neue Elan erfasst selbst ihre Zeichnungen, diese klar konturierten Lilien, die aber nie nur schön sind. Sie meint, das Schöne müsse immer etwas Gebrochenes haben.

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