Die Band des Hosen-Trommlers spielt heute im Haus der Jugend.

Band des Hosen-Trommlers spielt heute im Haus der Jugend.
Vom Ritchie mit seiner Band Cryssis.

Vom Ritchie mit seiner Band Cryssis.

David Young

Vom Ritchie mit seiner Band Cryssis.

Düsseldorf. Nach der Tour ist vor der Band ist vor dem Album ist vor der Tour. So ungefähr, muss man vermuten, sieht das Leben einer alles andere als toten Hose aus. Aber vielleicht liegt es ja daran, dass Vom Ritchie nicht irgendeine tote Hose ist, sondern genau die tote Hose, die im Düsseldorfs gleichnamigem Vorzeige-Musikexport trommelt. Trommlern wird ja gerne nachgesagt, sie hätten, auf gut Rheinisch, einen Ratsch em Kappes. Sie wären ein bisschen verrückt. Hektisch. Hyperaktiv. Und all das trifft eben irgendwie auch auf Vom Ritchie, Spitzname Drumming Monkey (trommelndes Äffchen) zu. Im positiven Sinne.

Überzeugen kann man sich davon nun am Samstag, wenn er im Haus der Jugend auftritt und: trommelt. Er tut das gerade einmal drei Wochen nach dem Ende der recht umfangreichen und strapaziösen Hosen-Tour durch die größten Hallen des Landes. Aber es ist wie es ist: Zuletzt rief quasi die Pflicht. Dieses Mal ruft die Passion und es geht eben nicht um seinen Hauptarbeitgeber. Dieses Mal geht es um sein Projekt, das seit Jahren mehr Herzens- als Nebensache ist. Cryssis. Eine Band, in der vor allem alte bis sehr alte Kumpels des Schlagzeugers mitmischen.

Kumpels wie Dick York etwa, den Vom Ritchie noch aus Teenager-Tagen in seiner eigentlichen Heimat Essex in der englischen Provinz kennt. Regelmäßig dann, wenn die Hosen ruhen und tatsächlich mal auf ein bisschen tot im Sinne von todmüde und „Jetzt mal eine Pause einlegen!“ machen, setzen sich die beiden zusammen und machen Musik. Und manchmal, so wie jetzt, kommt dann sogar ein ganzes Album dabei heraus. „1976“.

Dieser Name klingt ja schon nach Jugend. Nach der guten alten Zeit. Und er fasst die Musik, die sich auf der Platte befindet, geradezu perfekt zusammen: Cryssis spielen Punk der Sorte „Alte Schule“. Rau aber nie räudig. Schnell aber nie rasend. Krachig aber niemals ohne Melodie. Ganz im Gegenteil: Songs wie „Fighting In Brighton“, „Everything’s a lie“ oder „Jupiter Joe“ sind geradezu Fundgruben für Ohrwurmjäger nach dem Motto: Ausgraben, reingreifen, Beute machen, glücklich sein. Und Cryssis haben hier und da sogar Violinenklänge eingebaut. Gespielt von Laura Knapp, die dem Converse String Quartet, bestehend aus Studierenden der Musikhochschule Düsseldorf, angehört. Ihre dezenten, sacht folkig angehauchten Arrangements stehen der Band verdammt gut und versauen die Punk-Party mitnichten. Sie veredeln sie.

Im Haus der Jugend nun wird die Veröffentlichung von „1976“ gefeiert. Der Show schließen sich noch eine ganze Menge weiterer Auftritte – meist in der rein akustischen Unplugged-Form – im ganzen Land an. Und irgendwie ist es nicht nur schön, sondern auch verdammt tröstlich am Beispiel von Vom Ritchie und seiner Alte-Kumpels-Band zu sehen: Egal was ist – die Musik geht immer weiter. Wenn sie hier verklingt, tönt sie dort umso lauter. Das Konzert von Cryssis im Haus der Jugend an der Lacombletstraße beginnt um 19 Uhr (Einlass). Eintritt an der Abendkasse: 20 Euro.

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