Julia Wolf hat ein Road Movie für die Bühne geschrieben.

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Auf großer Fahrt: Luzi (Viola Pobitschka, r.), Dora (Sabrina Tannen, liegend) und Eve (Lisa Arnold).

Auf großer Fahrt: Luzi (Viola Pobitschka, r.), Dora (Sabrina Tannen, liegend) und Eve (Lisa Arnold).

Sebastian Hoppe

Auf großer Fahrt: Luzi (Viola Pobitschka, r.), Dora (Sabrina Tannen, liegend) und Eve (Lisa Arnold).

Düsseldorf. Kann man ein Road Movie auf der Bühne erzählen? Ja, man kann. Zumindest so, wie die junge Regisseurin Sahar Amini "Der Du" von Julia Wolf inszeniert hat. Sie benutzt Videos (von Michael Deeg), die äußerst witzig comic- und collagenhafte Szenerien andeuten, die am Betrachter vorbeisausen und so eine filmhafte Bewegung im Raum suggerieren.

Das Tempo des Stücks passt dazu. "Der Du" erzählt von drei jungen Frauen, die sich von früher kennen. Gemeinsam verbringen sie einen Abend und versumpfen in einer Bar. Die kesse Luzi (Viola Pobitschka) schleppt einen Unbekannten ab.

Beim anschließenden Quickie auf der Toilette verunglückt der Mann. Die drei entschließen sich, den Bewusstlosen ins Auto zu laden und abzuhauen. Um den blutenden Kopf wickelt Luzi ihr Hemd "aus hundert Prozent Baumwolle, denn das saugt am besten".

Die jungen Frauen träumen von Liebe und Glück

Ihre Reise zur Tante in den Taunus führt sie auch ans Meer, wo sie sich und den Mann, den sie nur noch "Der Du" nennen, in einem einsamen Haus verstecken. Während die praktische Dora (Sabrina Tannen) überlegt, wie man das Problem in den Griff bekommt, philosophieren Luzi und Eve (Lisa Arnold) über die Liebe.

Denn sie wissen, was es bedeutet, verliebt zu sein - Luzi: "Ich habe elf Tage gehungert". Eve kann das noch toppen: "Ich bin 15 Busstationen zu Fuß gegangen, und das auf dem Land." Gemeinsam singen die drei: "Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines bisschen Glück."

Um Glück, Liebe und Träume geht es in Julia Wolfs Road Movie, das Dialoge und Erzählpassagen munter mixt. Die Regisseurin verteilt die Texte auf die drei Figuren, was gut funktioniert. Die jungen, hochmotivierten Darstellerinnen schaffen es trotz der Kürze des Abends, prägnante Figuren entstehen zu lassen.

Sahar Amini setzt sie anspielungsreich in Szene, nimmt etwas Tarantino, ein bisschen "Thelma & Louise" und mischt das Ganze mit deutscher Provinz. Das ist komisch und kurzweilig anzusehen, nur bleibt das Stück allzu belanglos und oberflächlich. Julia Wolf nimmt allerlei Versatzstücke, findet aber nichts Neues. Am Ende ist ihr dann scheinbar nichts mehr eingefallen, denn das Stück versandet im Nirgendwo. Schade.

50 Min. ohne Pause, Auff.: 31. Januar, 6. u. 8. Februar (letzte Vorstellung), jeweils 20 Uhr. Karten unter Tel. 369911.

Regie: Vier von fünf Punkten
Ensemble: Vier von fünf Punkten
Video und Raum: Vier von fünf Punkten
Stück: Zwei von fünf Punkten

© WhatsBroadcast

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