Das Schauspielhaus zeigt Thomas Mann.

Düsseldorf. Thomas Manns Roman-Tetralogie "Joseph und seine Brüder" gilt als sein Hauptwerk, auch wenn die vier Romane weniger bekannt sind als etwa der "Zauberberg". Thomas Mann erzählt darin die biblische Geschichte von Joseph, der auf seine Halbbrüder herabblickt und dessen Anmaßung ihm zum Verhängnis wird: Seine Brüder werfen ihn in einen Brunnen und erklären ihn für tot. Er wird als Sklave nach Ägypten verkauft, wo sein zweites Leben beginnt und er bis zum Stellvertreter des Pharaos aufsteigt.

Das Schauspielhaus bringt den schwergewichtigen Stoff nun auf die Bühne. Wie schon die "Buddenbrooks" hat John von Düffel "Joseph und seine Brüder" als Auftragswerk für das Düsseldorfer Theater dramatisiert, die 1600Seiten auf etwa 130 Seiten verdichtet. Trotzdem wird der Theaterabend etwa fünfeinhalb Stunden dauern - inklusive zwei Pausen. In der zweiten Pause wird passenderweise ein ägyptisches Linsengericht serviert.

Der Zuschauerraum bleibt bei dem Stück leer. Etwa 360 Sitzplätze wird es auf der Bühne des Großen Hauses geben, die die quadratische Spielfläche in der Mitte wie eine Arena an vier Seiten umsäumen. "Wir wussten, wir schaffen es nicht, da jeden Abend 1000 Leute reinzukriegen", sagt Wolfgang Engel.

Der ehemalige Intendant des Schauspiels Leipzig (1995-2008) hat sich als Regisseur einen Namen gemacht durch eindringliche Klassiker-Inszenierungen etwa von der "Orestie" und von "Wallenstein". Ihn hat von Düffels Fassung auf Anhieb überzeugt: "Er spricht alles an, ohne didaktisch zu sein."

Der Autor, der Regisseur sowie der Dramaturg Henrik Bien wollen den Zuschauer einladen auf eine Reise "tief in den Brunnen der Vergangenheit": Mit diesen Worten beginnt das Vorspiel des Stücks, das den Ursprung von Mythos und Individualität beleuchtet. Der Großteil des Textes stammt von Thomas Mann, eine "sehr sinnliche Sprache", wie Engel findet.

Jeder Schauspieler spielt mehrere Figuren

Thomas Mann hat den mythischen Figuren heutige Persönlichkeit verliehen, die wiederum den Menschen als Summe der Erfahrungen von vielen Jahrhunderten zeigen. Und da die Grenzen der Individualität fließend sind, gibt es bei der Inszenierung eine Besetzung, in der jeder Schauspieler mehrere Figuren verkörpert. So spielt Michele Cuciuffo Joseph/Osarsiph und den jungen Jaakob. In weiteren Rollen sind Wolfram Rupperti, Matthias Leja, Guntram Brattia, Michael Abendroth, Milian Zerzawy, Janina Sachau und Helmut Grieser zu sehen.

Vorstellungen beginnen bereits um 17 bzw. 18 Uhr. Deshalb gibt es das Stück nur an Wochenenden und Feiertagen zu sehen. Karten und Termine:

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