Musik
Party mit DJ-Kultur im Altstadt-Club Blue Note.

Party mit DJ-Kultur im Altstadt-Club Blue Note.

Der Düsseldorfer DJ und Label-Chef Henry Storch (44).

Judith Mrichaelis, Bild 1 von 2

Party mit DJ-Kultur im Altstadt-Club Blue Note.

Düsseldorf. Da Label-Chef Henry Storch für das Jubiläumsfestival von Unique Records kein Forum in Düsseldorf fand, feiert er nun in Krefeld. Auch das Blue Note muss künftig ohne ihn auskommen.

Herr Storch, seit 25 Jahren führen Sie ihr Musiklabel Unique Records, veranstalten Konzerte und Partys in Düsseldorf. Ihr Jubiläum feiern Sie allerdings jetzt mit einem Festival in der Krefelder Kulturfabrik. Warum?

Musik
Party mit DJ-Kultur im Altstadt-Club Blue Note.

Party mit DJ-Kultur im Altstadt-Club Blue Note.

Der Düsseldorfer DJ und Label-Chef Henry Storch (44).

J. Michaelis, Bild 1 von 2

Der Düsseldorfer DJ und Label-Chef Henry Storch (44).

Henry Storch: Ich habe es natürlich erst in Düsseldorf versucht, in einschlägigen von der Stadt unterstützten Konzertstätten. Auf viel Begeisterung bin ich aber nicht gestoßen. Da müsse man irgendwann mal drüber reden, hieß es nur. Das Kulturamt empfahl mir, einen Antrag zu stellen. Dafür hätte ich aber schon eine Location, Bands und Datum haben müssen.

Außerdem ist diese Prozedur viel zu aufwändig, diese Zeit habe ich gar nicht. In anderen Städten läuft das anders. In der Kulturfabrik bin ich sofort mit offenen Armen und Begeisterung aufgenommen worden. Da hieß es: Hier ist dein Budget, mach mal. Das macht natürlich mehr Spaß. Die Nachfrage nach Karten ist riesig, es gibt sogar viele Anfragen aus Italien und England. Natürlich auch wegen des Auftritts der Kultband The Prime Movers.

Soll der Gang nach Krefeld eine Ausnahme bleiben oder ist damit eine grundsätzliche Entscheidung gegen Düsseldorf verbunden?

Bereits Anfang der 90er Jahre veranstaltete Storch immer freitags im Rheingoldsaal am Hauptbahnhof Partys und Konzerte. Stammgast war damals unter anderem Heike Makatsch, auch die Toten Hosen waren da. Mitte der 90er eröffnete er dann an der Bolkerstraße den Unique Club, den er zehn Jahre lang führte. Die vergangenen zwei Jahre organisierte er das Programm für das Blue Note an der Kurze Straße.

Seit 1988 verlegt Storch mit Unique Records Bands aller Genres, immer noch auch auf Vinyl. Heute werden die Produktionen in 76 Länder vertrieben.

Henry Storch ist in erster Linie ein Soul- und Funk-DJ, der ausschließlich mit Vinyl auflegt und europaweit gebucht wird. Als DJ tourte er unter anderem mit Paul Weller.

Storch: Wir werden bis auf Weiteres unsere kulturelle Arbeit in Düsseldorf einstellen. Wir haben einfach nicht das Gefühl, dass wir in dieser Stadt gewollt werden. Hochgerechnet 3500 Veranstaltungen haben wir in 25 Jahren in Düsseldorf auf die Beine gestellt, ohne große Resonanz in der lokalen Medienlandschaft und ohne einen Pfennig Subvention zu beantragen. Auch nicht, als wir seinerzeit den Unique Club wegen Brandschutz umbauen mussten.

Und trotzdem kam, nachdem unser Mietvertrag nicht verlängert wurde und wir schließen mussten, niemand von der Stadt auf uns zu. Obwohl der Club eine Lücke in der Subkultur der Stadt hinterlassen hat, die bis heute nicht geschlossen wurde. Und obwohl wir ein Label und Verlag sind, der in 76 Ländern der Welt Musik vertreibt und wir so auch eine Art Visitenkarte für die Stadt sind.

Wenn man sich dann anguckt, dass auf der anderen Seite viel städtisches Geld in Projekte und Häuser der subkulturellen Szene fließt, was natürlich auch gut ist, kann man eigentlich nur die Lust verlieren. Dabei wollten wir mit unseren Konzerten und Partys nie Geld verdienen, wir wollten einen Anstoß geben.

Woher kommt dieses Ungleichgewicht?

Storch: Mir ist das ein Rätsel. Wahrscheinlich sind die entscheidenden Stellen bei der Stadt nicht mit Leuten besetzt, die sich mit dieser Szene auskennen.

Wie sieht denn die Zukunft für den Altstadt-Club Blue Note an der Kurze Straße aus, für den Sie das Programm organisiert haben?

Storch: Ich habe mich komplett aus dem Laden zurückgezogen. Freitags wird weiterhin das Reggae-Soundsystem Culture Rock an den Plattentellern stehen. Ansonsten wird das wohl wieder eine Trash-Disko werden.

Wird es denn das Golzheim-Fest unter der Theodor-Heuss-Brücke weiterhin geben, das sie mitinitiiert haben?

Storch: In der bisherigen Form wahrscheinlich nicht. Seinen Festival-Charakter wird das Straßenfest wohl verlieren. Wir haben vor zwei Jahren einmal 2000 Euro städtische Unterstützung bekommen. Da lohnt sich bei zig Bands und DJs, die auftreten, kaum die Antragstellung. Nur dank Bierverkauf und vor allem viel ehrenamtlicher Hilfe war es überhaupt möglich, die Kosten einigermaßen zu decken.

Die Party-Szene und Konzert-Landschaft der Stadt muss also erst mal ohne Sie auskommen . . .

Henry: . . . genau. Mal sehen, vielleicht will uns ja Bielefeld, oder so, adoptieren.

Leserkommentare (13)


() Registrierte Nutzer