St. Martin in the Fields und ihr Gründer Sir Neville Marriner begeisterten in der Tonhalle. Am Sonntagabend gastierte er mit Werken von Hector Berlioz, Wolfgang Amadeus Mozart und Antonin Dvorák in der nahezu ausverkauften Tonhalle.

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Sir Neville Marriner ist 87 Jahre alt, Ermüdungserscheinungen kennt er nicht. Jetzt trat er in der Tonhalle auf.

Sir Neville Marriner ist 87 Jahre alt, Ermüdungserscheinungen kennt er nicht. Jetzt trat er in der Tonhalle auf.

Susanne Diesner

Sir Neville Marriner ist 87 Jahre alt, Ermüdungserscheinungen kennt er nicht. Jetzt trat er in der Tonhalle auf.

Düsseldorf. Mit seinen fast 87 Jahren gehört der Brite Sir Neville Marriner noch immer zur Weltspitze am Dirigentenpult. Alljährlich beeindruckt der Grandseigneur in der Tonhalle mit einer Zeichengebung, die keine Ermüdungserscheinungen kennt.

Mit der Academy of St. Martin in the Fields, die Marriner 1958 gründete, ist sein Name untrennbar verbunden. Mit diesem Kammerorchester setzt er bis heute Maßstäbe, vor allem bei Mozart. Das saubere Klangbild und die agile Musizierweise sind Markenzeichen von Marriners Orchester, dessen Spielkultur an Modernität und Jugendfrische bis heute nie überholt wurde.

Besonders häufig tritt der alte Herr nicht mehr auf. Düsseldorf hält er aber regelmäßig die Treue, was vor allem auf das freundschaftliche Verhältnis zwischen ihm und dem Konzertveranstalter René Heinersdorff zurückzuführen ist.

Solist Martin Helmchen punktet mit Klassikern wie Beethoven

Am Sonntagabend gastierte er mit Werken von Hector Berlioz, Wolfgang Amadeus Mozart und Antonin Dvorák in der nahezu ausverkauften Tonhalle. Als Solisten für Mozarts spätes C-Dur-Klavierkonzert KV 503 hatten die Briten den Berliner Martin Helmchen dabei. Dieser gehört zu den samtpfotigen Leichtathleten unter den Klaviervirtuosen seiner Generation.

Schweres Geschütz von Liszt, Chopin und Rachmaninow fährt er kaum auf. Helmchen punktet mit Klassikern wie Beethoven, Schubert oder eben Mozart. Und den Solopart des Mozartschen C-Dur-Konzerts spielt er mit feinem Anschlag und geschmeidiger Fingertechnik.

Als besonders voll und farbintensiv kann man Helmchens Spiel unterdessen nicht gerade bezeichnen. Das Klangbild wirkt sehr filigran und glockenhell, besitzt eine Art kühle Pastelltönung.

Dadurch gewinnt zwar alles an Transparenz, jedoch fehlt den virtuosen Stellen ein Stück Dramatik und den lyrischen Momenten eine letzte Spur emotionale Wärme. Insgesamt aber eine noble, stilsichere Interpretation. Für den starken Beifall bedankte sich der Pianist mit einer Klavierbearbeitung von Bachs ruhevollem Choralvorspiel f-Moll „Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ“.

Zur Hochform läuft die Academy auf im romantischen Hauptwerk des Abends, der Siebten Symphonie d-Moll von Antonin Dvorák. Marriner erweist sich hier als raffinierter Disponent des Spannungsaufbaus. Weite Strecken der Symphonie belässt er in vergleichsweise ruhigem Fahrwasser, um an den Kulminationspunkten umso heftiger aufzubrausen.

Das hat dann einen besonders starken Effekt. Eindrucksvoll gelingt ihm das an den Satzschlüssen. Vor allem der letzte Verzweiflungsmoment am Ende des letzten Satzes geht unter die Haut. Die Musiker bedanken sich bei einem begeisterten Publikum mit zwei Zugaben: dem 1. Ungarischen Tanz von Brahms sowie der nordirischen Volksweise „Londonderry Air“.

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