Der Vorsitzende des Freundeskreises übergibt im Rathausfoyer 4000 Unterschriften mit zahlreichen Kommentaren.

Adelaide Dechow leitet den Freundeskreis des Theatermuseums und spricht sich für den Verbleib im Hofgärtnerhaus aus.	Archivfoto: JM
Adelaide Dechow leitet den Freundeskreis des Theatermuseums und spricht sich für den Verbleib im Hofgärtnerhaus aus. Archivfoto: JM

Adelaide Dechow leitet den Freundeskreis des Theatermuseums und spricht sich für den Verbleib im Hofgärtnerhaus aus. Archivfoto: JM

Blick vom Dreischeibenhaus auf Jröne Jong und Theatermuseum.

Judith Michaelis, Bild 1 von 2

Adelaide Dechow leitet den Freundeskreis des Theatermuseums und spricht sich für den Verbleib im Hofgärtnerhaus aus. Archivfoto: JM

Düsseldorf. Oberbürgermeister Thomas Geisel empfängt die Demonstranten am Montagmorgen im Rathaus: „Kommen Sie doch herein!“ Die Gruppe besteht aus Freunden des Theatermuseums, die um den Erhalt der Institution im alten Hofgärtnerhaus kämpfen.

Allen vorangegangen ist Adelaide Dechow, die Vorsitzende des Freundeskreises. Sie übergibt dem OB einen dicken grünen Aktenordner mit den 4000 bislang gesammelten Unterschriften. Die Petition soll noch bis September laufen.

Oberbürgermeister reagiert pikiert auf Kritik von Winrich Meiszies

Freundlich, aber bestimmt erklärt Dechow dem OB die Bedeutung des Gebäudes, in dem seit 250 Jahren Theater gespielt werde und das eine unvergleichliche Atmosphäre ausstrahle. Geisel nickt wissend, als sei ihm all das schon bekannt. Erst als die Freundeskreisvorsitzende ein Foto vom schäbigen Hintereingang der geplanten Ersatz-Stätte zeigt, widerspricht Geisel. „Da wird doch noch viel Geld investiert, das wird alles viel schöner. Damit lassen sich die Museumsfreunde nicht abspeisen. Die Hinterseite des „Kap 1“ (Konrad-Adenauer-Platz 1) am Hauptbahnhof sei nun mal eine fiese Ecke. Das lasse sich nicht ändern. Zu Demonstrationszwecken hat der Freundeskreis zwei Fotos untereinander collagiert: Oben das altrosafarbene Hofgärtnerhaus inmitten des Parkgrüns, darunter eine graue Fassade mit nüchterner kleiner Glastüre.

Geisel steht nun von Düsseldorfer Kulturliebhabern umringt im Rathausfoyer, viele reden erregt, aber höflich auf ihn ein. „Die Nähe zur Zentralbibliothek ist eine riesige Chance“, betont Geisel. „Nein, nein, nein“, ruft eine aufgebrachte Dame dazwischen. „Das ist meine Meinung“, stellt der Politiker klar. Er macht durchgehend eine gute Miene, lächelt allerdings etwas säuerlich als Dechow unter Applaus der Demonstranten betont, dass durch das historische Haus aufgrund seiner jahrhundertealten Theatergeschichte ein besonderer Theatergeist wehe.

Böse Worte fallen nicht, was Geisel anerkennt: „Ich freue mich über den freundlichen Ton – im Gegensatz zu den Despektierlichkeiten des Herrn Meiszies.“ Winrich Meiszies ist der pensionierte Museumsdirektor, dessen Stelle nicht wieder besetzt wurde. Mit scharfen Worten hatte der renommierte Theaterwissenschaftler den OB kritisiert.

Wie die WZ bereits berichtete, sagte Meiszies in einem Interview mit dem Bundesverband der Bibliotheken und Museen über Oberbürgermeister Geisel: „Dem eingestandenen Sportfan reicht ein B- oder C-Schauspiel und von den traditionellen Theaterbauten dieser Stadt möchte er sich gerne befreien.“

Die Düssldorfer, die das Museum in alter Form bewahren wollen, gaben nicht nur ihre Unterschrift, viele von ihnen schrieben auch Kommentare per Email. So schreibt Dr. Ludger Schäfer: „Ich halte das Theatermuseum an seinem jetzigen Standort für eine identitätsstiftende Institution, die am jetzigen Standort optimal untergebracht ist, ein Umzug würde ihr das Unverwechselbare nehmen. Angela Fischer begründet ihre Unterstützung der Petition mit dem Argument: „Weil das Museum zum Theater gehört (und nicht irgendwohin!), selbst wenn das benachbarte Theatergebäude derzeit nicht im Betrieb ist. In der Verbannung würde es eingehen wie eine Primel ohne Wasser.“

Was sowohl die Museumsfreunde, aber auch Ratspolitiker irritiert: Die Räume im „Kap 1“ sind nicht groß genug, um dem Theatermuseum den für Archiv, pädagogische Arbeit und Bühnenbetrieb benötigten Platz zur Verfügung zu stellen. Clara Gerlach, Kulturpolitische Sprecherin der Grünen befürwortet zwar einen Umzug generell, stellt aber klar: „Die jetzigen Pläne sehen wir kritisch.“

Die Initiative „Rettet das Theatermuseum“ hat ein Protestvideo gedreht.

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