Ende des Jahres muss das Theater den Hinterhof an der Ackerstraße verlassen. CDU-Chef Conzen will die freie Szene stärken.

Eine der letzten lokalen Idyllen mit Kleinkunstgewerbe: Im Hinterhof an der Ackerstraße 144 macht das „Flin“ seit 15 Jahren erfolgreich Theater.
Eine der letzten lokalen Idyllen mit Kleinkunstgewerbe: Im Hinterhof an der Ackerstraße 144 macht das „Flin“ seit 15 Jahren erfolgreich Theater.

Eine der letzten lokalen Idyllen mit Kleinkunstgewerbe: Im Hinterhof an der Ackerstraße 144 macht das „Flin“ seit 15 Jahren erfolgreich Theater.

Friedrich G. Conzen will Schulaulen und Schauspielhausbühnen freien Gruppen zur Verfügung stellen. F: BS

Philipp Kohlen-Priebe: „Düsseldorf muss sich entscheiden: Nur Leuchtturm oder auch kleiner Kulturteppich.“

Melanie Zanin, Bild 1 von 3

Eine der letzten lokalen Idyllen mit Kleinkunstgewerbe: Im Hinterhof an der Ackerstraße 144 macht das „Flin“ seit 15 Jahren erfolgreich Theater.

Düsseldorf. Das Theater Flin spielt noch bis zum 31. Dezember dieses Jahres an seinem langjährigen Standort in Flingern. Nur Euphemisten lesen diese Tatsache als gute Nachricht. Oder jemand wie Philipp Kohlen-Priebe, der die Spielstätte leitet und deren guten Ruf gegen Widrigkeiten verteidigt. Solche jedoch stürzen zurzeit dermaßen geballt auf den Theaterchef nieder, dass sogar ihm, der von Natur aus über einen beeindruckenden Optimismus verfügt, langsam die Puste ausgeht.

Der Hinterhof an der Ackerstraße 144 ist ein Musterbeispiel an lokaler Lebendigkeit: Werber, ein kleines Sportstudio, Café und Musikclub „Trinkhalle“, eine Pizzeria, die Frauenberatungsstelle und das Theater Flin residieren dort. Jetzt hat, wie die WZ bereits berichtete, ein Investor das Areal erworben und will dort Wohnungen bauen.

Die Maklerangebote können die Theatermacher nicht bezahlen

„Ich schaue mir täglich zwei bis drei Objekte für unser Theater an“, sagt Kohlen-Priebe. Bislang ohne Erfolg, denn entweder müssen die Räume teuer umgebaut, die Brandschutzauflagen erfüllt werden, sind die Standorte bereits Bestandteil einer Insolvenzmasse oder aber mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer zu erreichen. „Zu uns kommen 25 Prozent Frauen zwischen 50 und 60 Jahren in Clübchen“, sagt Kohlen-Priebe.

„Die wollen nirgends hin, wo die nächste Haltestelle kilometerweit weg liegt und es nur alle 500 Meter eine Laterne gibt.“ 80 Plätze hat der kleine Theatersaal, die Zuschauer kommen vielfach aus Flingern, ein Großteil auch aus anderen Stadtteilen, in der Hauptsache jedoch aus Düsseldorf. Kohlen-Priebe wäre ein Standort in Flingern am liebsten, notfalls will er auch umziehen.

Seitdem bekanntgeworden ist, dass sich das Theater langfristig verändern wird, melden sich täglich Makler bei Kohlen-Priebe. „Das können die sich sparen“, sagt er. „Wir können sie sowieso nicht bezahlen.“ Mehr Unterstützung wünscht er sich von Politik und Kulturverwaltung. „Düsseldorf muss sich entscheiden, ob es nur Leuchtturmprojekte fördern oder auch den kleinen bunten Kulturteppich erhalten will.“ Nein, diese Aussage will Kohlen-Priebe nicht als Rückzugswarnung verstanden wissen, betont er. Aber: „Bei mir liegen die Nerven blank.“

Spielmöglichkeiten für freie Gruppen sollen geprüft werden

Standort: Zuletzt musst das Theater Flin vor vier Jahren befürchten, seinen Standort an der Ackerstraße 144 Flingern aufzugeben. Der Mietvertrag lief damals aus, der Vermieter jedoch verlängerte diesen, ohne eine Erhöhung zu verlangen.

 

Wohnen: In dem Hinterhof will ein Investor ausschließlich Wohnungen errichten, gewerbliche Räume soll es dort zukünftig nicht mehr geben.

 

Flin: Das Theater existiert seit 15 Jahren an der Ackerstraße. Es bleibt bis zum 31. Dezember 2014.

Ein entscheidendes Signal kam gestern vom Kulturausschussvorsitzenden Friedrich G. Conzen (CDU). Er sagte zu, Kohlen-Priebe bei seinem Bemühen um den Erhalt des Theaters zu helfen. „Das Theater ist sehr wichtig.“ Conzen kann sich „einen Zuschuss zum Umzug oder zur Ausstattung“ vorstellen.

Zudem kündigte er eine generelle Unterstützung der Freien Szene an. „Wir wollen sie im nächsten Jahr im Haushalt stärken.“ Das Theater Flin erhält von der Stadt jährlich 2500 Euro für die Organisation von Kinder- und Jugendveranstaltungen. „Das ist nicht sehr viel“, kommentierte Conzen.

Auch an der Probensituation der freien Theatergruppen soll sich etwas ändern. „Einige Schulaulen sind abends leer. Man könnte sie den freien Gruppen zur Verfügung stellen“, meint Conzen. Auch das Central, die Probebühne des Schauspielhauses, solle geprüft werden. Ein entsprechender Antrag an die Verwaltung wird laut Conzen gerade vorbereitet.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer