Die Medienkünstlerin Stephanie Thiersch zeigt ihr neues Stück „Blind Questions“ im Tanzhaus NRW.

Paar-Konstellationen in ausweglosen Situationen: Szene aus „Blind Questions“.
Paar-Konstellationen in ausweglosen Situationen: Szene aus „Blind Questions“.

Paar-Konstellationen in ausweglosen Situationen: Szene aus „Blind Questions“.

Tom Schreiber

Paar-Konstellationen in ausweglosen Situationen: Szene aus „Blind Questions“.

Düsseldorf. "Ich will die Kaffeetassen behalten", verlangt sie mit fester Stimme. "Ich würde gerne das Wasserbett behalten, wenn es dir nichts ausmacht", gibt er fast schüchtern zurück und blickt stur in die andere Richtung. Ein zweites Paar stellt sich an die Bühnenrampe.

Kanarienvogel, Lampe, Radio werden eingefordert. Sind die materiellen Dinge geklärt, geht es bei einer Trennung um die wahren Werte. "Ich will meine vergeudete Zeit zurück", klagt ein Mann. Auch will er seine Nationalität wieder haben.

Das neue Tanzstück von Stephanie Thiersch, uraufgeführt beim Festival "Temps d’images" im Tanzhaus NRW, ist ein Stück über die Liebe. Doch was die mittlerweile international gefragte Medienkünstlerin aus Köln zu erzählen weiß, ist nur anfangs amüsant.

Es hagelt Vorwürfe, ironisch gebrochen, die die Ebene des "Du bist ein Langweiler" oder "Ich wünschte, wir könnten von vorne anfangen" nie verlassen. Höhepunkt der Poesie ist der Satz "Ich möchte den Geruch deiner Haut behalten".

Immerhin nett inszeniert, führen die Paare Dialoge und frieren dabei in synchronen Posen ein. Juliana Venter beeindruckt mit ihrem Gesang, der später allerdings nur noch nervt, Viviana Escalé gibt die selbstbewusste Frau, Jens Münchow den selbstherrlichen Mann aus dem Bilderbuch, Orlando Rodriguez den Unterdrückten. Die Liebe, oder vielmehr ihr Ende, als Karikatur.

Dreharbeiten in Paris beschränken sich auf Aufnahmen in einem Raum

Möbel werden hin- und her getragen, die Paar-Konstellationen wechseln. Kurz: Es passiert nichts. Keinerlei Entwicklung, dramaturgischer Leerlauf, inhaltliche Belanglosigkeit. Gähnende Langeweile. Wäre da nicht jener Film, der in einem Holzrahmen über der Szene eingeblendet wird.

Gedreht in Paris, der Authentizität wegen. Was wir von der Stadt der Liebe zu sehen bekommen, ist allerdings nichts als ein karger Raum mit eingerissenen Tapeten. Hier kämpfen Alexandra Naudet und Alexandre Castres um ihre Liebe. Er, mit einer blutenden Wunde im Rücken, sie, die dominante Verführerin. Ihre auswegslose Situation erinnert an den französischen Filmklassiker "Außer Atem" von Jean-Luc Godard mit Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg.

Die surrealen Szenen zwischen Leidenschaft und Gewalt vibrieren. Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit sind spürbar. Technisch raffiniert hat Stephanie Thiersch sie mit dem Bühnengeschehen verwoben. Die gleiche Blümchentapete, hier wie dort Blut, eine Matratze, Liebesspiele mit verbundenen Augen. Auf der Leinwand die Kunst, auf der Bühne banalste Realität.

75 Min. ohne Pause, Auff.: 11. bis 13.März, Alte Feuerwache Köln

Inszenierung:drei von fünf Sternen

Bühne: drei von fünf Sternen

Ensemble: vier von fünf Sternen

Dramaturgie: einer von fünf Sternen

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