Die acht Künstler überzeugen im Capitol mit Präzision, Rhythmusgefühl und Humor. Ohrenbetäubend laut wird es erst zum Finale.

Die Performer von „Stomp“ geben bei der Auftaktnummer mit Besen den Rhythmus vor.
Die Performer von „Stomp“ geben bei der Auftaktnummer mit Besen den Rhythmus vor.

Die Performer von „Stomp“ geben bei der Auftaktnummer mit Besen den Rhythmus vor.

Melanie Zanin

Die Performer von „Stomp“ geben bei der Auftaktnummer mit Besen den Rhythmus vor.

Düsseldorf. Ein durchtrainierter Mann betritt in unscheinbarem Straßenlook mit ungewaschenem Muskelshirt die Bühne. Er fegt über den Bühnenboden. So weit, so unspektakulär. Bis er den Besen immer mehr zum Rhythmusgerät umfunktioniert. Nach und nach stimmen sieben weitere Akteure, ebenfalls mit Besen bewaffnet, in den Takt mit ein. Die Klangkulisse wird immer komplexer, der Beat durchdringender. Zwei Besen fallen dem vehementen, wütenden Trommelfeuer zum Opfer, doch für Ersatz ist schnell gesorgt.

Dieses Szenario wiederholt sich bei „Stomp“ immer wieder. Einer der Künstler startet mit einem einfachen, vermeintlich banalen Geräusch. Profane Alltagsgegenstände wie Streichholzschachteln, Abflussrohre, Feuerzeuge oder raschelnde Mülltüten werden raffiniert in Szene gesetzt und virtuos zu Klangkörpern umfunktioniert, bis ein gewaltiges Geräusch-Kung-Fu entsteht.

Keine Handlung, keine Musik und keine aufwendige Licht-Show

Mitten im Stück wird allen plötzlich schwarz vor Augen. In die komplette Finsternis hinein leuchten lediglich acht winzige Grubenlampen, die jeder Performer samt Helm auf dem Kopf trägt. Als es wieder hell wird, machen sie sich mit Gurten befestigt an der riesigen Gitterwand zu schaffen, die an einen Schrottplatz erinnert und plötzlich zum überdimensionalen Schlagzeug wird.

Über weite Strecken der Show bleibt die riesige Kulisse jedoch ungenutzt, die spektakuläre Einlage ist eher die Ausnahme in der überwiegend puristisch inszenierten Show. Es gibt keine Handlung, keine Musik-Effekte aus der Konserve oder eine aufwendige Lichtshow. Die sechs Männer und zwei Frauen verständigen sich ausschließlich mit Beats, nicht mit Worten. Dass die 90 Minuten trotzdem keine langatmige Angelegenheit werden, liegt neben der beeindruckenden Präzision der acht Protagonisten auch an ihrem komischen Talent.

Für reichlich Lacher sorgt der wohlgenährte Clown der Truppe, der mitten in einem Trommelinferno sein T-Shirt hochzieht und seinen kugelrunden Bauch als Spielfläche anbietet. Oder der tollpatschige, schüchtern dreinblickende Schlacks, der bei seinem Solo im Scheinwerferlicht plötzlich die Macarena-Choreographie zum Besten gibt.

Stomp ist bis 10. Januar im Capitol-Theater zu sehen. Vorstellungen Sa. 16 und 20 Uhr, So. 15 und 19 Uhr, Di.-Fr. 20 Uhr. Tickets zwischen 23,50 und 67,50 Euro unter Telefon 0211/73440.

Witzig auch, wenn das Publikum immer wieder zum Mitklatschen animiert wird, dann in schöner Regelmäßigkeit den Takt verfehlt und dafür empörte Blicke von den Trommel-Profis zugeworfen bekommt. Die Akteure liefern derweil eine fast fehlerfreie Performance ab, nur ganz selten schlägt jemand aus der Reihe und wird dafür dann ebenfalls mit ironischen Blicken seiner Mitstreiter bedacht.

Wer die Percussion-Band, die in wechselnder Besetzung seit 1991 auf Tour ist, schon einmal gesehen hat, wird einige bekannte Nummern wiederentdecken. Zwei neue, effektvolle Showszenen mit vollbeladenden Einkaufswagen und Installationsarmaturen sind hinzugekommen. Um seine Gehörgänge braucht indes niemand fürchten: Richtig ohrenbetäubend wird es eigentlich nur zum furiosen Finale. Auch deshalb funktioniert die Perkussions-Performance der Briten Steve McNicholas und Luke Cresswell als Show für junge und ältere Besucher, die bei der Premiere nach eineinhalb kurzweiligen Stunden auch nicht mit Beifall und Begeisterung geizen.

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