Das Fernsehprojekt widmet sich dem „Kleinen Prinzen“.

In der FFT-Reihe „Wir sehen uns morgen wieder“ wird das deutsche Fernsehen aus dem Jahr 1954 auf die Bühne gebracht.
In der FFT-Reihe „Wir sehen uns morgen wieder“ wird das deutsche Fernsehen aus dem Jahr 1954 auf die Bühne gebracht.

In der FFT-Reihe „Wir sehen uns morgen wieder“ wird das deutsche Fernsehen aus dem Jahr 1954 auf die Bühne gebracht.

Stefan Arend

In der FFT-Reihe „Wir sehen uns morgen wieder“ wird das deutsche Fernsehen aus dem Jahr 1954 auf die Bühne gebracht.

Düsseldorf. "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry musste zum Klassiker der 50er Jahre werden. Die ethischen Papierkügelchen dieses Kinderbuchs ließen sich nur allzu gut zur allgemeingültigen Parabel stilisieren.

Kein Wunder also, dass das Werk 1954 im Abendprogramm der ARD auftauchte. Anne Hirth und das büro für zeit + raum machten daraus nun in der FFT-Reihe "Wir sehen uns morgen wieder", die das Fernsehprogramm des Juni 1954 theatralisch interpretiert, einen Exkurs über Fragen der Fraternisierung.

Studiointerviews mit dem früheren Jagdflieger Horst Rippert, der 1944 Saint-Exupéry im Luftkampf abgeschossen hat, und einem erfundenen Fraternisierungsforscher gingen auf durchaus unterhaltsame Weise der Frage nach, inwieweit die Anonymisierung des Gegners das Töten erleichtert.

Werke von John Cage wurden als "kleine Abendmusik" präsentiert

Und auch zur Halbzeit des FFT-Projekts zeigt sich, dass der Reiz weniger in der ästhetischen Imitatio als in den frechen Zugriffen der einzelnen Gruppen auf die damaligen Sendungen liegt, von denen es keine Aufzeichnungen gibt und die zum Mutmaßen einladen.

So präsentierten die Dramaturgin der Tonhalle, Elisabeth von Leliwa, und Schlagwerkinstrumentalist Tobias Liebezeit als "Kleine Abendmusik" Werke von John Cage. Der Witz lag in einem Gespräch der beiden, das nach Kompositionsprinzipien Cages strukturiert war.

Das absurde Parlando verulkte nicht nur Künstlerinterviews, sondern zeigte auch, wie unterschiedlich Sprache und Klang organisiert sind. Anschließend nutzte dann die andcompany&Co. einen Rückblick auf den 17. Juni 1953 für ein ironisches Pamphlet zur Geschichte deutscher Nachkriegsproteste und ihrer medialen Aufbereitung. Alexander Karschnia, Nicola Nord und Sascha Sulimma saßen als Verkörperungen von Toni Negri, Bert Brecht und Heiner Müller an Tischen mit Mikros.

Hinter ihnen eine schwarze Anarchofahne, vor ihnen das weite Feld einer "politischen Séance für Tote und Untote". Aufstands-Originaltöne wechselten mit Brechts und Müllers hilflosen Statements und Werbung für Sarottischokolade ab. Die Musealisierung und Distanzierung der Bilder in Fernsehen und Internet wurde gegeißelt. Als Fazit diente der paraphrasierte Brecht-Satz "Das Fernsehen hat die Existenz verfremdet", gekoppelt mit dem ironischen Aufruf in 68er-Manier zur Zerschlagung eines Tisches.

Der Blick in den Iran lehrt derzeit, dass man das Verhältnis von Aufstand und Medien auch anderes interpretieren kann. Nichtsdestotrotz, der Grundreiz der FFT-Reihe blieb auch hier das gedankliche friendly fire der Beiträge, das den Besucher immer wieder hinterrücks erwischt.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer