Beatrice Reece probt zurzeit im Capitol. Als Ana erlebt sie staunend, was in „50 Shades“ passiert.

Ana (Beatrice Reece) hat zwar ein Literaturdiplom, vom Leben und der Liebe aber weiß sie nichts.
Ana (Beatrice Reece) hat zwar ein Literaturdiplom, vom Leben und der Liebe aber weiß sie nichts.

Ana (Beatrice Reece) hat zwar ein Literaturdiplom, vom Leben und der Liebe aber weiß sie nichts.

Judith Michaelis

Ana (Beatrice Reece) hat zwar ein Literaturdiplom, vom Leben und der Liebe aber weiß sie nichts.

Düsseldorf. Das Urteil von Freundin Katrin ist deutlich: „Du bist unglaublich untervögelt!“ Ana wehrt sich unsicher: „Aber ich bin doch noch Jungfrau.“ Schwärmerisch und mit Schmelz in der Stimme singt dieses pummelige Mädchen mit Literaturdiplom von den Männern ihrer Träume, von Jürgen und Hans, und beklagt ein leeres, dunkles Loch in ihr. Sie sehnt sich nach Wasser für ihre innere Wüste.

Das ist an Deutlichkeit auf der Bühne kaum zu überbieten. Möchte man meinen. Beatrice Reece, die junge Darstellerin der Liebeshungrigen, sieht das ganz anders: „Ana weiß doch gar nicht, worum es geht. Man kann die Dinge so oder so verstehen. Eben auch ganz romantisch“, säuselt sie mit überdrehtem Augenaufschlag beim Probenbesuch im Capitol Theater und bleibt ihrer Rolle treu.

Jahnke will den Skandal-Roman auf die Schippe nehmen

Um Sex geht es, um das, was sich im Bett abspielt. Autorin und Regisseurin Gerburg Jahnke hat keine Hemmungen, den Inhalt von „50 Shades“ auf den Punkt zu bringen. Allerdings, erklärt sie, als Parodie, als Mix aus Musical, Kabarett und Comedy. Sie will keinen Lehrgang in Sachen Sexualität, sondern macht sich einen Spaß, die weltweit millionenfach verkauften Skandal-Bücher auf die Schippe zu nehmen.

Seit Anfang Januar probt Jahnke mit ihrem 14-köpfigen Ensemble aus Darstellern und Tänzern, um ihre eigene Geschichte rund um den Romanbestseller „Shades of Grey“ auf die Bühne zu bringen. In Düsseldorf läuft die Produktion vom 13. Februar bis 23. März, danach geht sie auf Tour.

„Ich habe niemals eine Peitsche in der Hand.“
Beatrice Reece, Ana-Darstellerin

Dreh- und Angelpunkt ist eine Couch, auf der sich drei schrullige Damen zur Buchlektüre treffen. „Shades of Grey“ beflügelt ihre Fantasie, es tauchen Tänzer mit Peitschen, Handschellen und Ketten auf. „Dreckig und sexy und total versaut, Leder, Lack und Haut“, lautet der Song dazu. Die vom eigenen Liebesleben frustrierten Frauen steigen ein in die Welt von Ana, in der neben dem Literturdiplom auch SM-Praktiken eine Rolle spielen. Die Couch dreht sich, und ein großes Bett wird zum Ort des Geschehens.

„50 Shades“ ist eine Parodie auf den Bestseller-Roman „Shades of Grey“, in dem es auch um Sado-Maso-Praktiken geht. Neben den Büchern hat sich die Autorin und Regisseurin Gerburg Jahnke an der amerikanischen Musical-Vorlage orientiert. 14 Darsteller und Tänzer sind auf der Bühne zu sehen.

Die in Oberhausen geborene Gerburg Jahnke ist vor allem mit „Missfits“ berühmt geworden. Das Frauen-Kabarett-Duo gab es fast 20 Jahre. Im Düsseldorfer Capitol war bereits ihre Wechseljahre-Revue „Heiße Zeiten“ zu sehen.

Im Capitol Theater, Erkrather Straße 30, ist „50 Shades“ vom 13. Februar bis 23. März zu sehen. Die Vorstellungen sind dienstags bis freitags um 19.30 Uhr, samstags um 15 und 19.30 Uhr, sonntags um 14 und 18.30 Uhr. Karten gibt es von 19,90 bis 54,90 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 17 Jahren ist das Musical nicht geeignet. Tickets gibt es unter Telefon 0211/73440.

„Ich habe niemals eine Peitsche in der Hand“, erklärt die in England aufgewachsene Darstellerin Reece. Was die Zuschauer zu sehen bekommen, sei keine harte Kost. „Das wird ein richtiger Weiberabend“, verspricht sie und hofft, dass auch Männer ihren Spaß haben werden. Und das Buch müsse dafür niemand gelesen haben. Ins Schwärmen gerät Reece, wenn sie von Jahnke spricht. „Die ist hundertprozentig genau und holt das beste aus uns raus.“

Voller Bewunderung ist sie für den Humor, den Jahnke nicht zuletzt als Kabarettistin von den Missfits auf vielen Bühnen bewiesen hat. Und dass sie genau ist, zeigt die zugleich schnoddrige wie herzliche Frau aus dem Ruhrgebiet auch an diesem Vormittag in Düsseldorf. „Warum haben die sich noch nicht umgezogen“, motzt sie, um gleich danach in lautes Gelächter zu fallen. Sie ist zufrieden mit der Arbeit bisher. „Bei den Proben in Hamburg haben wir die gesamten 120 Minuten bereits gestellt.“

Also fast alles im Plan mit diesem Musical, das unter dem Titel „50 Shades“ in den USA und anderen Ländern bereits mit Erfolg läuft. Aber nur fast. Ob es bei dem Titel bleiben darf, muss sich erst noch zeigen. Random House, Verleger des Bestsellers „Shades of Grey“, will das verhindern. „Eine Parodie, die nicht erkennen lässt, wen oder was sie persifliert, ist keine Satire“, erklärt dazu Capitol-Sprecherin Anne-Marie Theurich.

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