Zehn Jahre Literaturautomat: Idee begeistert über Stadtgrenze hinaus.

Pamela Granderath und Christine Brinkmann hatten vor zehn Jahren die Idee für den Literaturautomaten.
Pamela Granderath und Christine Brinkmann hatten vor zehn Jahren die Idee für den Literaturautomaten.

Pamela Granderath und Christine Brinkmann hatten vor zehn Jahren die Idee für den Literaturautomaten.

Melanie Zanin

Pamela Granderath und Christine Brinkmann hatten vor zehn Jahren die Idee für den Literaturautomaten.

Düsseldorf. Kultur auf Knopfdruck: Literatur aus dem Automaten gibt es seit zehn Jahren in Düsseldorf. „Wir wollten jungen Autoren eine unkomplizierte Publikationsmöglichkeit geben“, erklärt Autorin Pamela Granderath, die mit Christine Brinkmann vom Zakk die Idee hatte.

Den beiden kam dabei eine Änderung des Jugendschutzgesetzes zugute, die 2007 in Kraft trat. Die Abgabe von Zigaretten an Minderjährige wurde verboten. Sämtliche Automaten mussten umgerüstet werden, an den meisten wurde eine Vorrichtung angebracht, um den Personalausweis oder Führerschein durchziehen zu können. „Einige Automaten konnten jedoch nicht entsprechend umgerüstet werden und wurden aussortiert“, erklärt Christine Brinkmann. Automaten wie der im Zakk. Der erste, der Kultur statt Kippen ausgespuckt hat.

Alle zwei Monate werden die Automaten mit frischem Material neu bestückt. Autoren können ihre Texte online einschicken. „3200 Zeilen, länger dürfen sie nicht sein“, sagt Pamela Granderath. Gedichte und Kurzgeschichten werden am häufigsten eingereicht. „Die Einsendungen sind aber gut durchmischt. Altersmäßig reicht die Spanne von acht bis 80 Jahren.“ Wer zwei Euro Kleingeld investiert, kann zwischen fünf Schachteln wählen - oder sich für die Überraschungsbox entscheiden. Dann erfährt man vorab weder, welchen Titel und welchen Autoren der Automat ausspuckt.

Neben Nachwuchsschreibern steuern auch namhafte Autoren was bei. „Manchmal google ich Autorennamen, die was eingeschickt haben, und sehe, dass die schon Auszeichnungen bekommen haben.“ Einsendungen, die spätabends eintrudeln, seien überwiegend von Profiautoren. „Die kommen vorher wahrscheinlich nicht zur Ruhe.“

Die derzeitigen Automatenstandorte: Zakk, FFT, Junges Schauspiel, Butze und die Hochschule. Also immer ganz nah dran im literaturaffinen Publikum? „Nicht ganz“, räumt Christine Brinkmann ein. „In der FH stehen wir bei den Maschinenbauern.“ An der Heine-Uni musste der literarische Automat Umbaumaßnahmen weichen. „Wäre toll, wenn wir dort in diesem Jahr wieder einen aufstellen können.“ Gespräche laufen derzeit.

2016 ist ein Literaturautomat erstmals in eine Schule in Essen gezogen. „Anfragen von Kindergärten und Berufskollegs gibt es häufiger“, sagt Pamela Granderath. Auch in der Bezirksvertretung 2 (Flingern, Düsseltal) stieß der Vorschlag, einen Automaten im öffentlichen Raum aufstellen zu wollen, auf viel Wohlwollen.

Für eine Ausstellung des Goetheinstituts wurde ein Automat sogar mal nach Marrakesch verschickt. „Das Wechselgeld mussten wir damals mitschicken, weil es in Marokko ja keinen Euro gibt“, sagt Pamela Granderath. Auch vielen Besuchern beim NRW-Tag, im Haus der Geschichte oder auf den Buchmessen in Thessaloniki und Leipzig gefiel der etwas andere Automat.

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