470 junge Künstler pfeifen auf Kunst- und Wirtschaftskrisen. Sie sind voller Hoffnung, die Welt mit Kunst zu erobern.

Vittorio Zambardi mit einem ungewöhnlichen Altarbild zur religiösen Liebe.
Vittorio Zambardi mit einem ungewöhnlichen Altarbild zur religiösen Liebe.

Vittorio Zambardi mit einem ungewöhnlichen Altarbild zur religiösen Liebe.

Vittorio Zambardi mit einem ungewöhnlichen Altarbild zur religiösen Liebe.

Düsseldorf. Für Kunstliebhaber gibt es nichts Schöneres als den Rundgang durch alle Etagen der Kunstakademie Düsseldorf. Am Mittwoch ab 9 Uhr ist es wieder soweit. Dann wollen 470 Studenten beweisen, dass sie das Zeug haben, als Jung-Künstler respektiert zu werden.

Sie kommen aus aller Herren Länder, vermehrt aus Osteuropa und Asien. Sie sind stolz und selbstbewusst, an dieser Akademie unter weltweit geachteten Professoren studieren zu können.

Sie sehen sich als Hoffnungsträger in den Krisen der Wirtschaft und des Kunstmarkts. Der Rundgang mit den 30.000 Besuchern, die wie jedes Jahr erwartet werden, gibt ihnen die Chance, mit künftigen Kunden in Kontakt zu kommen.

Ein phantastisches Flug- und Wasserschiff mit einer Strickleiter

Schlechte Zeiten scheinen vor allem eine Chance für angehende Bildhauer zu ein. Sie benutzen Fundstücke, die nichts kosten, besorgen sich Gegenstände über Ebay oder verwandeln Alltags-Gegenstände. Nina Nowak (bei Professor Tal R) lässt ihre Gipsskulptur mit Farbe aus einem Servierwagen emporwachsen. Ein Nichts an Materialkosten und doch so etwas wie die Geburt der Skulptur aus einer amorphen Masse.

Marcia Lodonou rammt zwei zerbeulte Kanister in die Torbögen (Kiecol) und beweist die Kunst der divergierenden Kräfte. Johannes Jensen baut ein Schwimm-, Fahr- und Flugzeug, ein Gefährt mit einer Strickleiter, um Halt zu gewinnen in stürmischen Zeiten (Herold).

Die Kunstakademie liegt an der Oberkasseler Brücke, Haltestelle Tonhalle, Eiskellerstraße 1.

Mittwoch bis Freitag 9bis 20, Samstag und Sonntag 10 bis 18 Uhr.

Der Eintritt ist frei. Flyer, die im Eingang ausliegen, geben an, wo die jeweiligen Klassen liegen. In der Regel zeigen die angehenden Bildhauer ihre Arbeiten im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss. Unterm Dach arbeiten die Fotografen, dort liegen auch die Meisterateliers.

Am Samstag und Sonntag führt unsere Autorin Helga Meister mit der Volkshochschule durch die Austellung. Treffpunkt: 10.15 Uhr im Vorraum. Dort sind auch Tickets erhältlich.

Garderobe: Sie kann im Erdgeschoss vor Raum 20 abgegeben werden.
Essen+Trinken: Die Mensa bietet im Flur des Erdgeschosses Speisen und Getränke an. Studenten präsentieren auch Köstlichkeiten an den Bars vor ihren Räumen.

In zwei Räumen tauchen Totengerippe auf. Fleur Stoecklin (Deacon) präsentiert ein Skelett auf einem Stapel Briketts, werden doch Künstler wie Normalbürger eines Tages zu Staub und Asche werden.

Niels Hübner hat sich den Knochenmann von Markus Lüpertz aus dem Ratinger Tor geholt und platziert ihn vor dem Rundbogenfenster mit Blick in die verschneite Landschaft. Möglicherweise wollen die jungen Leute die Todessehnsucht vergangener Zeiten als Symbol der Vergänglichkeit in die Gegenwart zurückholen. Das Spiel mit dem Bösen spielt dabei eine Rolle.

Der kleine Raum 23 der Cragg-Klasse bietet mehrere Talente. Rzayev Suleyman modelliert einen Tigerkopf, der zugleich bloßes Material aus gebranntem und glasiertem Ton ist. Julia Wilczewski ist dem Weg einer Melone durch einen überdimensionierten Darm nachgegangen. Peter Müller, erst seit einem Semester in der Klasse, verwandelt verschiedenste Stoffe in Organismen oder Dachkonstruktionen.

Im Raum von Vermeiren herrscht wie stets Professionalität. Hier hämmert, klebt, baut und konstruiert man, mit Winkelformen, Stahlstäben, Spiegelscherben, Styropor und Gips. Jaana Caspary bringt sogar Kleister mit Konfetti auf die Oberfläche und bricht damit ihren strengen Kubus auf. Vollendet ist die skulpturale Form aus Biegesperrholz von Katharina Wackermann. Eine Kunst aus Farbe und Bewegung, zusammengefügt in schönster Harmonie.

Wenn ein Bildhauer die Türklinke in die Hand gibt

Wer als Bildhauer sein Leben gestalten will, muss nicht nur Erfindungsgeist und Bärenstärke, sondern auch Witz besitzen. Den zeigt Alexander Wissel, der jetzt seinen Abschluss macht. Bevor er sich "von den Socken macht" und "die Türklinke in die Hand gibt", hat er seinen Fuß in Aluminium abgegossen und gibt ihn jedem als Türgriff in die Hand. Ähnlich subversiv geht es bei Aya Takahashi zu. Sie baut eine kolossale Perlen-Kette, die jedoch unter Strom steht (beide Trockel-Klasse), anstatt zu schmücken.

Nicht ganz geheuer ist es bei Grünfelds Studenten. Ko Ichikawa baut einen wunderschönen, aber absurden Windhund aus grauem Gießharz, besprayt, spachtelt und schleift ihn aufs Feinste, um ihm anschließend den Kopf abzuhacken.

Und Taka Kagitomi aus Japan amüsiert sich über all die Bierseidel und Trophäen, die die Deutschen anderen Leuten verehren. Er baut sie zu einer kuriosen Pyramide und lässt sie von einem umgedrehten Messingpokal bespiegeln (Tal R). Und Elisabeth Windisch (Deacon) gießt gar eine Weihnachts-Pute in Aluminium ab.

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