Im Hofgarten endete die Konzertreihe mit Michael Sagmeister und „YanYana“.

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Ergün Aktoprak singt, Ercan Sahin spielt auf der Baglama: Zwei der Künstler von „YanYana“.

Ergün Aktoprak singt, Ercan Sahin spielt auf der Baglama: Zwei der Künstler von „YanYana“.

Stefan Arend

Ergün Aktoprak singt, Ercan Sahin spielt auf der Baglama: Zwei der Künstler von „YanYana“.

Düsseldorf. "Eine kleine Spende für die schöne Musik." Mit dieser Aufforderung auf den Lippen und einem kleinen Plastikeimer in der Hand durchstreifte Ladislav Ceki, Geschäftsführer des Eine-Welt-Forums, immer wieder die Reihen der Jazzfans im Hofgarten. Unter strahlend blauem Himmel musste er am Samstag viele Meter zurücklegen, denn Hunderte waren erschienen, um das letzte von vier Open-Air-Konzerten im Rahmen der 25. Düsseldorfer Eine-Welt-Tage zu erleben. Der Frankfurter Jazzgitarrist Michael Sagmeister bestritt den Auftakt des Konzerts.

"Nun warten Sie mal ab, nachher gefällt’s Ihnen nicht."

Inzwischen ist er auch schon 50 Jahre alt. Die Langhaarfrisur des sympathischen Musikers erinnert aber noch an jene Zeit, in der der Autodidakt als Senkrechtstarter in der deutschen Jazzszene für Furore sorgte. In den 80er Jahren begann der Stern Sagmeisters zu leuchten, vor allem mit seinem Trio war er nicht nur in Deutschland erfolgreich.

War Sagmeister früher vor allem als E-Gitarrist unterwegs, so bevorzugt er in letzter Zeit wohl die akustische Gitarre. Im Hofgarten trat er mit einem Zwitter auf, einer Gitarre mit nicht ganz so tiefem Resonanzkörper und elektronischer Klangabnahme. Die Leute klatschen schon, als sich Sagmeister auf der Bühne niederlässt, aber Vorschusslorbeeren mag er nicht. "Nun warten Sie mal ab, nachher gefällt’s Ihnen nicht", meint er schmunzelnd und mit unüberhörbarem Frankfurter Zungenschlag.

Aber den Leuten gefällt’s. Wie viele andere Fusionmusiker ist auch Sagmeister im Mainstream gelandet, die Stücke, die er zur Grundlage seiner Improvisationen macht, sind meist Standards. Bei den Themen verknüpft er noch Melodie- und Akkordspiel, in den Soli aber macht sich bemerkbar, dass er die Saiten mit einem Plektron anreißt.

Wenn Sagmeister zur Sache geht, dann mäandern lang gezogene Singlelines, mal rockig angeschlagen, mal im filigran-rasanten Tempo durch die sommerliche Luft vor dem Hofgartenpavillon.

Laut Eigenauskunft liegen Michael Sagmeisters stilistische Wurzeln im Bebop und Hardbop. Heute orientiert er sich eher an Fusion und Blues. Ein Jazz-Lexikon führt in als "wichtigsten deutschen Gitarristen der 80er Jahre".

Drei Gemeinsamkeiten haben Jazz und türkische Musik, so die Künstler: Die Musik ist harmonisch nie komplex organisiert. Die Tonbildung arbeitet nicht mit festen Tonhöhen und die Musik lebt von einem "energetischen Rhythmus".

Zum Abschluss dann ein Oktett aus deutschen und türkischen Musikern. Der Jazzpool NRW mit Peter Weiss am Schlagzeug, der auch die Hofgarten-Konzerte mitorganisiert, stellte sein Projekt "YanYana" vor. Der Begriff aus dem Türkischen bedeutet sowohl "nebeneinander" als auch "zusammen". Musikalisch gesehen litt der Auftritt ein wenig darunter, dass man das Nebeneinander kaum einmal überwand.

Standen Sänger Ergün Aktoprak, Baglama-Spieler Ercan Sahin oder Perkussionist Selman Sezek im Vordergrund, so klang die Musik einfach türkisch, die deutschen Kollegen blieben beim Jazz. Von Matthias Nadolny am Tenorsaxophon waren schöne Soli zu hören. Rhythmisch ansprechend und atmosphärisch zum schönen Sommernachmittag passend erreichte aber auch "YanYana" das Publikum.

© WhatsBroadcast

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