Als Geschenk des Himmels betrachten die Mitglieder des Düsseldorfer Jugend- Sinfonieorchesters ihren „Olymp“ am Gatherweg.

Als Geschenk des Himmels betrachten die Mitglieder des Düsseldorfer Jugend- Sinfonieorchesters ihren „Olymp“ am Gatherweg.
Am Gatherweg kann das Jugendsinfonieorchester unter den besten Bedingungen proben.

Am Gatherweg kann das Jugendsinfonieorchester unter den besten Bedingungen proben.

Sergej Lepke

Am Gatherweg kann das Jugendsinfonieorchester unter den besten Bedingungen proben.

Düsseldorf. Die Himmelsstiege zum „Olymp“ ist grau, schmucklos und ein wenig beschwerlich. Doch hinter der unscheinbaren weißen Türe oben im Treppenhaus des Bunkers am Gatherweg befindet sich ein Paradies für Musikensembles: ein akustisch optimierter Saal mit Holzparkett, groß genug, um vor Publikum zu spielen. Seit elf Monaten hat hier das Jugendsinfonieorchester (JSO) der Tonhalle nach zähem Ringen endlich seine Heimat gefunden.

Die vielen Treppenstufen seinen eigentlich kein Problem, sagt Orchesterleiter Ernst von Marschall. „Die passen sogar gut zum mühsamen Aufstieg zu den Höhen einer guten Aufführung“. Und in der Tat ist der „Olymp“ ja kein Vergnügungs-Zentrum, sondern Arbeitsstätte. Dass ein paar Kicker-Tische herum stehen, bedeutet nicht, dass in den Räumlichkeiten dem Müßiggang gefrönt wird. Vorrangig gilt es hier der Kunst.

Bis zu einer Aufführung investieren die jungen Musiker viel Arbeit

Die Probe beginnt. „Zweiter Satz, Buchstabe D“, ruft Ernst von Marschall ins Orchester. Alle wissen Bescheid, und los geht es mit einer lyrischen Passage aus dem Andante der 4. Symphonie e-Moll von Johannes Brahms. Das anspruchsvolle Opus steht demnächst auf dem Konzertprogramm, und es gibt viel zu tun. Der Dirigent feilt an einem Horn-Einsatz, der noch nicht ganz gelingen will. Rhythmisch liegt noch was im Argen, doch von Marschall verbreitet Zuversicht. Er singt den Hörnen die Melodie zu, schnippt dabei mit den Fingern den Takt, um den Rhythmus vollkommen klar werden zu lassen.

So geht es weiter, Passage für Passage. Auch die Streicher erhalten eine Lektion beziehungsweise Inspiration: Von Marschall zitiert einen Satz aus dem „Rosenkavalier“ von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal: „Ist ein Tropfen persischen Rosenöls darein getan“. Die Geiger sollen sich beim Spielen also eine silberne Rose vorstellen, die nach Rosenöl duftet und entsprechend zart und duftig spielen. Beim Zuhören wird vor allem deutlich, wie wenig selbstverständlich eine gute Aufführung großer Musik ist. Als Konzertbesucher erlebt man ja nur das Ergebnis und nicht den Weg dorthin. Insbesondere junge Musiker wie die des JSO müssen schließlich bei Null anfangen. Marschalls unermüdlicher Einsatz für die Verwirklichung solcher mühevollen Projekte nötigt großen Respekt ab.

Mit dem Probensaal gibt es für das Engagement nun den angemessenen Rahmen. „Es hätte nicht besser kommen können“, sagt Ernst von Marschall. „Es ist wie ein Geschenk des Himmels“. Auch deswegen, nicht nur wegen der Position im Dachgeschoss habe man sich entschieden, den Saal „Olymp“ zu nennen. Solche Säle hätten normalerweise nur Profiorchester für ihre Proben.

„Das Orchester hat jetzt ein eigenes Zuhause.“

Clara von Marschall, Cellistin

Das Jugendsinfonieorchester ging aus dem 1967 gegründeten Orchester der Clara-Schumann-Musikschule hervor und ist seit der Spielzeit 2007/2008 an die Tonhalle angegliedert. 

Wegen schwieriger Probenbedingungen, die viele Ausfälle von Proben zufolge hatten, demonstrierten die Orchestermitglieder vor dem Rathaus. Das JSO hielt einfach auf dem Marktplatz eine öffentliche Probe ab. Die Stadt hatte ein Einsehen und ermöglichte mit Hilfe von Sponsoren den Ausbau des Bunkers am Gatherweg.

Das nächste Konzert des Jugendsinfonieorchesters findet am Sonntag, 18. Februar 2016, 18 Uhr, in der Tonhalle statt.jso-duesseldorf.de

„Viele Ehemalige sind schon ein bisschen neidisch, finden es aber natürlich klasse, dass wir jetzt diese angenehmen Bedingungen haben“, sagt die 19-jährige Konzertmeisterin Elena Roggel. Der ehemalige Proberaum im Humboldt-Gymnasium sei akustisch problematisch gewesen, jetzt höre man die anderen Mitspieler viel deutlicher. „Außerdem brauchen wir jetzt keine Angst mehr um unsere Instrumente zu haben.“ Früher sein Schlagzeuge und Kontrabässe, die man aufgrund der Größe gerne im Saal deponiert, gelegentlich beschädigt oder ungefragt entliehen worden. Jetzt mit dem eigenen Saal könne man beruhigt Instrumente, Noten und andere Arbeitsmaterialen an Ort und Stelle liegenlassen anstatt sie hin- und herschleppen zu müssen.

„Das Orchester hat jetzt sein eigenes Zuhause“, betont Cellistin Clara von Marschall (22), Tochter des Dirigenten. Auch die Akustik sei eine Bereicherung bei der Arbeit: „Wir müssen nicht mehr um den Klang kämpfen.“ Man spiele anders in solcher Konzert-Saal-Akustik, ergänzt Klarinettistin Swantje Kuckert (16). „Und wir sind stolz, wenn wir draußen am Gebäude unser Schild sehen.“ Es zeige immer wieder, dass sich der Kampf um eine Probestätte gelohnt hat.

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