Als „Wallstreet der Goldkehlen“ gilt der Belvedere-Concours. Gastgeber des Wettstreits war jetzt erstmals die Rheinoper.

Die Oper engagierte die talentierte Sopranistin Siobhan Stagg vom Fleck weg.
Die Oper engagierte die talentierte Sopranistin Siobhan Stagg vom Fleck weg.

Die Oper engagierte die talentierte Sopranistin Siobhan Stagg vom Fleck weg.

Susanne Diesner

Die Oper engagierte die talentierte Sopranistin Siobhan Stagg vom Fleck weg.

Düsseldorf. Er gilt als internationale Sänger-Börse, als „Wallstreet der Goldkehlen“ – der Gesangswettbewerb „Hans-Gabor-Belvedere“. Drei Jahrzehnte lang lockte er die Opernintendanten dieser Welt in die Musikhauptstadt Wien, im vergangenen Jahr fand er erstmals in Amsterdam statt. Und jetzt tummelte sich die internationale Opernszene erstmals zur Deutschlandpremiere in Düsseldorf.

Für die Zuhörer des Finales am Sonntagabend in der Oper war es eine Offenbarung, die 17 Besten eines Concours zu hören, für den sich weltweit 1300 Kandidaten beworben hatten. 140 Sänger schafften es in die Finalrunden, die im Robert-Schumann-Saal ausgetragen wurden. Fast 90 Prozent schieden auch dort aus. Und im Opernhaus hat sich jetzt die Crème de la Crème gemessen.

Objektiv schlecht gesungen hat hier jetzt niemand mehr. Doch freilich strahlten ein paar Sterne ganz besonders hell. Und für diese Top-Sänger regnete es auch schon gleich Engagements – aus Kapstadt, Dresden, verschiedenen Festivals und auch von der Rheinoper. Es ist nämlich die Spezialität des „Belvedere“, dass sowohl in der Jury als auch im Publikum viele Opern-Intendanten sitzen, die gleich zugreifen können, wenn sie enormes Potenzial wittern.

Bariton glänzte mit Gesang und komödiantischer Darbietung

Unterdessen war auch die internationale Musikpresse zugegen. Und es gab einen separaten Media-Preis. Dieser ging an eine Sängerin mit der hochkarätigsten Goldkehle, die man sich denken kann: Die Preisträgerin ist Sopranistin, heißt Siobhan Stagg und kommt aus Australien. Sie sang die Arie der Louise aus Gustave Charpentiers gleichnamiger Oper mit solch vollendeter Ton-Schönheit, dass man süchtig werden konnte nach dieser Stimme. Erfreulicherweise ergriff hier die Rheinoper die Gunst der Stunde und engagierte die Sängerin vom Fleck weg.

Indes ging an sie nicht der erste Preis der Jury. Den bekam die russische Sopranistin Irina Churilova für eine stimmlich superbe Darbietung der Leonora-Arie aus Verdis „Troubadour“. Sie punktete mit ihrem schönen Schmelz und der warmen Klangfülle in allen Stimmlagen auch bei den vielen Zuhörern im Saal: So gewann Churilova zudem noch den Publikums-Preis.

In der Gunst der Jury der Siegerin auf den Fersen ist der Südafrikaner Siyabulela Ntlale. Der Bariton errang mit einer ungemein komödiantischen Darbietung von Verdis Falstaff-Arie Platz zwei. Durch die Adern des stattlich gebauten Buffos fließt bestes Theater-Blut. Auf Platz drei landete ein koreanischer Bassist: Il Do Song. Mit sonorer Röre sang er die göttlich groteske Arie des Basilio aus Rossinis „Barbier“.

Das Düsseldorfer Publikum war hin und weg vom gesamten Abend. Und nach fast allen Darbietungen wurde gejubelt, was das Zeug hält. Leider war es ein einmaliges Gastspiel des Gesangswettbewerbs. Aber gewiss werden ein paar der Finalisten wieder in Düsseldorf zu hören sein - dafür sorgt dann Intendant Christoph Meyer, der schon seit Jahren zur Jury gehört.

Der Wettbewerb: Seit 1982 veranstaltete die Wiener Kammeroper den Belvedere-Gesangswettbewerb. Vor zwei Jahren wurde die Trägerschaft von einem eigenen Verein übernommen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer