Zum Auftakt der Vortragsreihe des Philosophen im Schauspielhaus geht es um das Arbeitsleben der Zukunft.

Zum Auftakt der Vortragsreihe des Philosophen im Schauspielhaus geht es um das Arbeitsleben der Zukunft.
Der Philosoph Richard David Precht.

Der Philosoph Richard David Precht.

dpa

Der Philosoph Richard David Precht.

Düsseldorf. Wenn auch die meisten Zuschauer den Eingang über den Hofgarten suchen mussten, so war der große Saal im Schauspielhaus am Gründgens-Platz dann doch voll besetzt. Zwar begrüßte Hausherr Wilfried Schulz am Sonntagmorgen keine Schauspieler, dafür aber den illustren Nachdenker Richard David Precht. Den smarten Philosophen, der nicht nur in seinen Bestsellern und TV-Auftritten unsere digitale Gesellschaft im Umbruch mit scharfem Messer seziert. Und dafür mit anhaltendem Applaus gefeiert wurde.

Theater, so Schulz, regt zum Nachdenken an, könne auch „Raststätte der Reflexionen“ sein. Wer ist für die „Nachhilfe im Denken“ besser geeignet als der medienbewusste und allzeit präsente Vorzeige-Philosoph? Gerne entwickelt der Wahl-Düsseldorfer Precht auch im direkten Kontakt zu Lesern und Zuschauern seine Zukunfts-Visionen, wie am Sonntag im Vortrag über die Zukunft der Arbeit.

Es war der Beginn einer Serie, in der der Welt-Erklärer Precht am 26. November dann die Veränderungen des Bildungssystems darstellen wird, die notwendig seien, um auf die Gesellschaft von morgen vorzubereiten, in der seiner Schätzung nach Millionen von Jobs wegfallen würden. Unter dem Titel „Vielleicht nicht mehr für Geld“ erklärt Precht zuerst in einem historischen Streifzug die grundlegenden Veränderungen, die die Menschheit in den letzten 250 Jahren (seit der Entwicklung der Dampfmaschine in England) durchlebt hat. Von der ersten industriellen Revolution schlägt er den Bogen zur vierten, digitalen Revolution unserer Tage. Locker, entspannt spricht der Mann mit dem markanten Mittelscheitel 75 pausenlose Minuten. Im Plauderton, aber druckreif, ohne Manuskript. Er spitzt seine Vorstellung von einer Zukunft der leisen Innen-Städte mit Elektro-Autos zu. Wenn er sie mit Ironie und Sarkasmus würzt, erntet er Lacher.

Prechts These vom Ende der Leistungsgesellschaft

Ernst wird es bei der Frage „Wo befinden wir uns heute? In einer Welt der permanenten Effizienz-Steigerung, in der viele glauben, dass der ‚Homo oeconomicus’ nach dem Prinzip angelegt sei. Hemmschwellen gäbe es kaum noch, wenn intelligente Maschinen mit anderen intelligenten Maschinen kommunizieren und viele Arbeiten überflüssig machen. „Die Leistungs-Gesellschaft geht zu Ende“, so seine umstrittene These. Es sei jedoch ein Fortschritt, wenn Menschen von ‚blöden Jobs’ erlöst und sich auf selbstbestimmte Arbeit konzentrieren würden.

Für drei Bereiche sei die Zukunft rosig: für Netzwerker (Strippenzieher), Märchenerzähler und Betreuer. Digitalisierung und Roboterisierung würden indes viele Berufe in Banken, Versicherungen und der Autoindustrie überflüssig machen. Nicht erst in 15 Jahren. Damit müsse man früher rechnen. Nur seltsam, dass derzeit die potenziellen ‚Jamaika’-Koalitionäre zu dieser Frage keine Agenda entwickeln würden. Wie häufig gipfelt auch dieser Precht-Auftritt in seinem (bekannten) Bekenntnis zum bedingungslosen Grundeinkommen, das seiner Schätzung nach bei über 1000 Euro liegen würde. „Dass es kommt, ist sicher, ist nur die Frage wann.“

26. November, „Lust am Denken, Zukunft der Bildung“; 17. Dez.: Über Geschichten und Pläne – die Zukunft der Gesellschaft“. Restkarten verfügbar.

 

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