Lutz Werner hat einen vollen Terminkalender. Der pensionierte Jurist ist ein passionierter Besucher von Theater, Oper und Lesungen.

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Lutz Werner ist in Düsseldorf viel unterwegs. Wohl kaum jemand besucht so viele kulturelle Veranstaltungen wie der Jurist.

Lutz Werner ist in Düsseldorf viel unterwegs. Wohl kaum jemand besucht so viele kulturelle Veranstaltungen wie der Jurist.

Sergej Lepke

Lutz Werner ist in Düsseldorf viel unterwegs. Wohl kaum jemand besucht so viele kulturelle Veranstaltungen wie der Jurist.

Düsseldorf. Fein säuberlich trägt Lutz Werner die Termine in seinen Kalender ein. Da gerät nichts durcheinander: heute Abend Schauspielhaus, morgen Vormittag Konzert und abends eine Lesung. Das Programm steht und gibt dem 67-Jährigen den Lebenstakt vor. Wann er aufsteht, wann er sich schlafen legt, hängt davon ab, was er sich in den Kulturhäusern Düsseldorfs ansieht.

An sieben Tagen in der Woche. „Boshaft könnte man sagen, es ist eine Sucht“, sagt der pensionierte Jurist und schmunzelt. „Aber eine, die mich nicht stört.“ Bei dem, was er sich anschaut, ist der Mann im dreiteiligen Nadelstreifenanzug wählerisch, aber weit davon entfernt, einen eingeschränkten Geschmack zu haben.

Für Urlaubsreisen hat Lutz Werner keine Zeit

Er besucht Konzerte in der Tonhalle, lässt sich auf künstlerische Stadterkundungen beim jungen Asphalt-Festival ein und geht so häufig zu Autorenlesungen, dass Werner für die Düsseldorfer Schriftsteller eine unübersehbare Größe in den ersten Publikumsreihen ist. Alles, was nach Jazz klingt oder sich in einem Kino abspielt, hat keine Chance auf einen Eintrag in Werners persönlichen Lebensplan. „Dafür habe ich keine Zeit“, sagt er. Keine Zeit hat der Rentner, der viele Jahre bei einer Düsseldorfer Rechtsschutzversicherung gearbeitet hat, für freie Tage oder Urlaubsreisen.

„Wenn ich ans Kofferpacken denke, dann vergeht mir schon die Lust.“ Allenfalls mit der Straßenbahn bis nach Neuss reicht sein Radius. Da ist Werner konsequent. Ihm genüge das, was Düsseldorf zu bieten habe. Auch wenn er sich fürs Ballett mehr Klassik als Tanztheater à la Martin Schläpfer und fürs Schauspiel mehr Konzentration auf die Texte statt bühnentechnisch opulenter Aufführungen wünscht, hält sich der Kenner mit offener Kritik zurück. Er genießt es, den Abend in seinem Haus in Pempelfort bei Rotwein und Käsewürfeln noch einmal Revue passieren zu lassen.

Dabei notiert er Datum, Ort und Künstler, heftet Programme ab und füllt mit diesen akribisch geführten Kladden viele Regale. Ein Archiv, das er nur für sich pflegt. Eine Vorliebe und Sammelleidenschaft, die er von seiner Mutter übernommen hat. Geboren wurde Werner in Ratingen, zog mit seinen Eltern nach Düsseldorf. Zum Studieren wechselte Werner nach Köln, Rechtswissenschaften, wie der Vater. „Das gab es damals in Düsseldorf nicht.“ Als die Mutter alt und krank wurde, übernahm das einzige Kind die Pflege. Heute lebt er allein in dem Familienhaus. Tausende von Büchern umgeben ihn.

„Boshaft könnte man sagen, es ist eine Sucht. Aber eine, die mich nicht stört.“
Lutz Werner

Der 67-jährige Lutz Werner wurde in Ratingen geboren und siedelte mit seinen Eltern nach Düsseldorf um. In Köln hat er Jura studiert und arbeitete bis zu seiner Pensionierung bei einer Düsseldorfer Rechtsschutzversicherung. Sein erstes Konzert–Abo für die Tonhalle hat Werner während seiner Bundeswehrzeit erworben, Schauspiel und Oper folgten bald.

Sie stapeln sich auf Stühlen und Tischen, zuweilen verliert der sonst so gut organisierte Mann den Überblick. „Ich habe schon das Gefühl, das müsste ich alles aufräumen.“ Aber er finde den Dreh einfach nicht. Bis in die frühen Morgenstunden liest er – am liebsten Klassiker. Von Eichendorff ist er beeindruckt, Wieland ist sein Favorit. Ob er vor der Mittagszeit aufsteht, richtet sich nach den Terminen, die an dem Tag auf ihn warten. Eine Vormittags-Vorstellung im Jungen Schauspielhaus oder ein Konzert im Maxhaus zum Beispiel. Werner hat drei Abonnements: Tonhalle, Oper und Schauspiel. Vor 47 Jahren fing es an mit den Besuchen.

„Damals hieß die Tonhalle noch Rheinhalle“, erinnert er sich. Und blickt er auf die vergangenen drei Jahrzehnte zurück, kann er sich nur an drei Ausfälle erinnern. „Da hat mir der Arzt verboten zu gehen.“ Gelassen blickt der gewichtige Mann, der um seine Besonderheit nicht viele Worte macht, auch auf die Kosten. Mit 6000 Euro schlage diese Sucht nach Kultur im Jahr zu Buche. Und das könne er sich leisten.

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