Die Deutsche Oper am Rhein gastiert künftig auch an ungewöhnlichen Orten. Den Anfang machte am Dienstag die Münster-Therme.

Düsseldorf. Ungewöhnliche Spielstätten will die Deutsche Oper am Rhein künftig aufsuchen, um etwas Tapetenwechsel in den Spielbetrieb zu bringen. Den Anfang machte nun das Bad an der Münsterstraße, in dessen historischer Schwimmhalle ein Abend rund um das Thema Barock zu erleben war.

Bei gefühlten 30 Grad Celsius und hoher Luftfeuchtigkeit nahmen die Besucher in Winterkleidung auf den um das Becken verteilten Stühlen Platz. An der Brüstung des Obergeschosses gab es Stehplätze.

„Sumpfnymphen-Flair in der Münster-Therme“ lautet der Titel in Anlehnung an die Rameau-Oper „Platée“, die im Opernhaus kürzlich Premiere hatte. Das Stück schildert auf tragikomische Weise das traurige Schicksal einer unattraktiven Sumpfnymphe, der nur zum Schein der Hof gemacht wird.

Das Publikum sieht über einige Unvollkommenheiten hinweg

Da Nymphen nasse Lebensräume bevorzugen, passt der Inhalt freilich perfekt zur Spielstätte. Doch trotz der feuchten Umgebung bleibt die Oper mit dem Projekt etwas auf dem Trockenen sitzen. Der Abend will nicht so richtig Wasser unter den Kiel bekommen. Die Dramaturgie wirkt etwas dröge mit ihrer Melange aus Moderation, Text-Rezitationen, Gesangseinlagen und Filmbeiträgen.

Das Publikum wirkt aber keineswegs enttäuscht. Kleine technische Pannen wie der asynchrone Verlauf von Ton und Bild bei der filmischen Präsentation einiger Passagen aus der „Platée“-Aufführung werden mit freundlichen Lachern toleriert. Und es reizt tatsächlich etwas zum Schmunzeln, wenn die Sänger akustisch mit ihrer Arie fertig sind, aber noch weiterhin den Mund bewegen.

Auch akustisch gab es durch den verzerrenden Hall einige Probleme, auch musste in dem feuchtwarmen Klima auf Instrumente verzichtet werden. Das Besondere der Umgebung kommt unterdessen kaum recht zur Geltung. Das Schwimmbecken selbst wird nur wenig einbezogen.

Einzig der Tänzer Dave Laera, der zuerst als pinkfarben geflügelter Götterbote auftaucht und durch die Halle stiebt, taucht plötzlich posierend in Badehose auf einem blauen Floß auf, das langsam auf dem stillen Wasser dahin gleitet.

Welche Spielstätten demnächst auserkoren werden, ist noch nicht offiziell bekannt. Dem Vernehmen nach soll es zu Mozarts „Così fan tutte“ im Mai einen Ausflug zu den nostalgischen „Les Halles“ auf dem ehemaligen Bahn-Gelände in Derendorf geben.

© WhatsBroadcast

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