Michel Comte hat sich als Modefotograf einen Namen gemacht. Seine erste Retrospektive zeigt auch andere Seiten.

Michel Comte fotografierte Sylvester Stallone 1994 in der Pose eines Toten mit Rosenblättern auf den Augen.
Michel Comte fotografierte Sylvester Stallone 1994 in der Pose eines Toten mit Rosenblättern auf den Augen.

Michel Comte fotografierte Sylvester Stallone 1994 in der Pose eines Toten mit Rosenblättern auf den Augen.

Michel Comte fotografierte Sylvester Stallone 1994 in der Pose eines Toten mit Rosenblättern auf den Augen.

Düsseldorf. Direkt am Eingang empfängt einen die nackte Carla Bruni. Das Bild erregte vor einem Jahr die Gemüter, als Christie’s die Schwarz-Weiß-Aufnahme der französischen Präsidenten-Gattin versteigern wollte.

Modefotograf Michel Comte hatte 1993 die damals noch als Model arbeitende Bruni für eine Safe-Sex-Kampagne abgelichtet. In seiner ersten Retrospektive, in der das NRW-Forum ab Sonntag etwa 230 Bilder des 1954 in Zürich geborenen Fotografen zeigt, ist sie nur ein erster Blickfang.

Zwar musste der Künstler selbst kurz vor der Eröffnung zurück nach Los Angeles, doch seine Frau Ayako Comte führte die ersten Gäste am Freitag charmant durch die Schau. "Michel wird im Laufe der Ausstellung nach Düsseldorf kommen", versicherte sie und kündigte eine Wohltätigkeitsveranstaltung an.

Neben seiner Porträt- und Mode-Fotografie engagiert sich Comte für das Rote Kreuz und eine eigene Stiftung. In Düsseldorf zeigt er Aufnahmen aus Tibet, Israel und Afghanistan, er präsentiert eine unbekanntere Seite des Vogue-Fotografen Michel Comte.

Die Schau trennt seine kommerzielle und dokumentarische Fotokunst

Gerade dieser Kontrast zeichnet die Ausstellung aus. Auf seinen Modefotografien räkelt sich Naomi Campbell nur mit Federschmuck im Haar auf einem Hotelbett und Claudia Schiffer blickt lockend-lüstern in die Kamera.

Fakten Die Ausstellung "Michel Comte - 360" ist von diesem Sonntag bis 10. Mai dienstags bis sonntags 11 bis 20 Uhr und freitags 11 bis 24 Uhr im NRW-Forum am Ehrenhof zu sehen. Im Museumshop ist ein Katalog mit 368 Seiten für 29,90 Euro erhältlich. Informationen unter Telefon 0211/89 266 81.

Eine ganz andere Ästhetik tritt hervor, wenn er bewegungsunscharf eine tibetische Frau in violettem Gewand bei einer buddhistischen Niederwerfung aus diskreter Entfernung fotografiert. Gewalt in Israel findet einen Ausdruck in einer Kinderhand, die Stacheldraht umklammert. In einem schwarzen Kubus präsentiert die Schau im NRW-Forum diese Dokumentationen, trennt die kommerzielle von der gesellschaftlichen Betrachtung.

Irgendwo dazwischen bewegen sich Porträts, die Comte von berühmten Persönlichkeiten, Sophia Loren und Michael Schumacher, Catherine Deneuve und Miles Davis, aufgenommen hat. Seine Inszenierungen haben etwas Entspanntes. Comte provoziert einen Augenblick, in dem der Posierende seine Starrheit verliert.

Wenn er Sylvester Stallone mit nacktem Oberkörper und roten Rosenblätter auf den Augen als Toten aufbahrt, der seine Hände verkrampft und so die gestählten Muskeln spannt, dann ist das ein Foto, das kein Zufallsprodukt, sondern künstlerisches Können dokumentiert.

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