Der Ex-Oasis Musiker spielte mit neuer Band in der Halle an der Siegburger Straße.

Konzert
Noel Gallagher spielt nach wie vor Rock’n’Roll – aber die Coolness seines Bruders Liam fehlt.

Noel Gallagher spielt nach wie vor Rock’n’Roll – aber die Coolness seines Bruders Liam fehlt.

Sergej Lepke

Noel Gallagher spielt nach wie vor Rock’n’Roll – aber die Coolness seines Bruders Liam fehlt.

Düsseldorf. Dieses Mal dauert es eine gute halbe Stunde, bis das Thema erstmals auf den Tisch kommt und Noel Gallagher allen Hoffnungen eine Abfuhr erteilt. Wo sein Bruder Liam denn sei, fragt ihn ein Fan. „Er ist wahrscheinlich zu Hause und schaut sich selber im Spiegel an“, ätzt er. Den unausgesprochenen Zusatz „Dieser arrogante Bastard!“ kann sich jeder denken. Dann steigt Noel Gallagher ein in „Fade away“, einen alten Oasis-Song, in dem es um unerfüllte Träume geht.

Einer davon ist wohl der, dass sich die Band, die den Rock’n’Roll nach Kurt Cobains Selbstmord eine Dekade lang prägte, wieder zusammentut. Ein echtes Problem ist das. Denn am Oasis-Faktor krankt das Konzert des ehemaligen Oasis-Songwriters fast 100 Minuten lang: Die mitreißenden Momente vor 5000 Zuschauern in der Halle an der Siegburger Straße sind jene, in denen Noel Gallagher und seine neue Band, die High Flying Birds, die Songs der alten Band auskramen.

Der Rock, also die Attitüde, kommt viel zu kurz

„Champagne Supernova“ etwa. Oder das grandiose „Don’t look back in anger“. Bei ihnen liegen sich die Leute in den Armen. Bei ihnen spritzen Bierfontänen. Bei ihnen grölen die Typen im Union-Jack-Jackett und mit Mod-Haarschnitt auf dem Kopf den Refrain. Die Songs dagegen, die der Engländer nach dem Bruderzwist-Ende von Oasis aufgenommen hat, zünden nur bedingt. Zwar sind auch sie überdurchschnittlich gut. Aber: Dieser Stoff ist eben nicht besser als der weniger gute Oasis-Stoff. Und spätestens live zerplatzt die Illusion, es wäre alles noch so großartig wie früher: Noel Gallaghers Rock’n’Roll hat zwar noch den Roll. Aber der Rock kommt zu kurz.

Rock ist nämlich immer auch Attitüde. Und die Attitüde bei Oasis war die Schnoddrigkeit und Coolness von Liam Gallagher, der die Songs seines Bruders mit so herrlich langgezogenen Silben und gedoppelten Vokalen - aus „My“ wurde „My-ay“ , aus „I“ wurde „I-ay“ - sang und dabei Geschichten vom „Rock’n’Roll Star“ erzählte. Er stand dann vor dem Mikro, hatte die Arme auf dem Rücken verschränkt und blickte mit einer Mischung aus Gleichgültigkeit und Verachtung runter zu den Menschen. Grandios wäre es, würde Liam einen neuen Noel-Song wie „Lock all the doors“ singen. Das wäre sofort eine Hymne, ein Brecher - und eben nicht nur ein tolles Lied.

Nur bei den alten Songs rasten die Fans aus

Noel Gallagher und die High Flying Birds erinnern live eher an fleißige Kunsthochschulabsolventen bei ihrer Performance: musikalisch perfekt. Aber ohne Euphorie und Leidenschaft.

Vor zweieinhalb Jahren, als Noel Gallagher erstmals solo durch die Lande tourte und schon einmal in Düsseldorf war, da fiel das kaum auf, weil die Leute einfach nur froh waren, dass dieser begnadete Songwriter überhaupt weitermacht. Jetzt applaudieren sie ihm freundlich für seine neuen Stücke - und sparen sich das Ausrasten für die alten Songs auf. Die im Oasis-Modus. Für 500 Millionen Dollar würde er die alte Band sofort wieder zusammentrommeln, sagte Noel Gallagher jüngst in einem Interview. Das ist viel Geld. Irgendwer sollte schleunigst anfangen mit dem Sammeln.

© WhatsBroadcast

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