Michael Kamp startet ein Label in Zeiten der Krise. Er ist selbst Musiker und ein Überzeugungstäter, der große Kunst sucht.

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Stefan Wehlings von den Dharma Bums und Michael Kamp (rechts).

Stefan Wehlings von den Dharma Bums und Michael Kamp (rechts).

Bernd Schaller

Stefan Wehlings von den Dharma Bums und Michael Kamp (rechts).

Düsseldorf. Wir blicken zurück in den Herbst 2008. Die Wirtschaftskrise hebt gerade an, die Musikindustrie steckt schon lange mitten in einer Krise und Michael Kamp beschließt in Düsseldorf, ein Musik-Label zu gründen. Ist der Mann wahnsinnig? "Nein, ich finde, das macht Sinn", sagt Kamp. Er hat eine Mission. Er will mehr gute Musik haben.

"Die Erwartungen hängen nicht in erster Linie mit finanziellem Erfolg zusammen", sagt Kamp, und wer sich seine bisherigen Bands anhört, glaubt ihm das. Nicht, dass die Musik schlecht wäre. Keineswegs. Nur hört sich Musik, die für Erfolg und Radiosender konzipiert ist, eben anders an. "Songs müssen nicht notwendigerweise nach drei Minuten enden", heißt es bissig auf seiner Homepage.

Michael Kamp ist auf der Suche nach Bands mit eigenem Klang, solchen, die nicht dauernd ihren Stil ändern, um möglicherweise beim nächsten Trend dabei zu sein. Ein "Urgestein" hat er schon ausgegraben: Die Band Dharma Bums, in den 90ern nicht nur regional recht bekannt, will im Laufe des Jahres ein neues Album fertig stellen. Und die in Argentinien sehr bekannten Super Ratones, immerhin schon einmal Grammy-Preisträger, wagen mit Kamps Label den Sprung nach Deutschland.

Natürlich wollen die Künstler ihre Werke unter die Leute bringen

Das Label heißt Deep Songs Don’t Sell, zu deutsch in etwa: "Tiefgründige Musik verkauft sich nicht". Dieser Name ist ironische Aussage und überzeugte Wehklage zugleich. Kamp, selbst Musiker und mit seinem Projekt Leopath beim eigenen Label vertreten, glaubt, dass es zu wenig gute Musik gibt. Und möchte mit entsprechend anspruchsvollen Künstlern ein Netzwerk gründen. "Das befruchtet sich dann auch gegenseitig, wir knüpfen Kontakte und helfen uns", sagt Stefan Wehlings von Dharma Bums.

Glaubwürdigkeit ist den Künstlern wichtig, und das Label ist auch eine Liebhaberei: Kamp betreibt es derzeit noch in seiner Freizeit. Sollte sich das einmal ändern und er mit seinem Unternehmen tatsächlich Geld verdienen, hätte er natürlich nichts dagegen. "Klar wollen wir auch gehört werden und unsere Werke unter die Leute bringen", sagt Kamp.

Alle auf dem Düsseldorfer Label Deep Songs Don’t Sell vertretenen Künstler sind auf der Homepage zu finden. Dort gibt es auch Hörproben, eine Bestellmöglichkeit und weitere Informationen zum Label und den Musikern. Konzerte der Bands werden dort ebenfalls angekündigt.

Bands aus der Region bilden zunächst den Schwerpunkt seiner Bemühungen. "Für andere Bands muss zunächst ein solides gerüst stehen", sagt Kamp, der derzeit auf der Suche nach geeigneten Vertriebswegen ist und auch schon mal mit Juristen zusammen sitzt. Der Künstler wird zum Unternehmer.

Im Zuge der Netzwerkgründung soll es auch verstärkt Konzerte der Bands geben, die auf dem Label vertreten sind. Kamp organisierte etwa schon ein Solo-Konzert der kanadischen Cellistin Julia Kent, bekannt von Antony & The Johnsons und macht Aufnahmen für andere Künstler.

Die Düsseldorfer Musikszene sehen die beiden Musiker in einigen Sparten auf einem guten Weg. Aber sie würden sich mehr Toleranz und Neugier wünschen. Dass Gitarrenriffs auch mal von Elektro-Fans gehört werden. Und umgekehrt. Wie bei Deep Songs eben.

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